„Das alles ist gelogen“

Gelsenkirchen..  Das Kapitel Kevin-Prince Boateng ist auf Schalke beendet – mindestens sportlich. Der Mittelfeldspieler wurde nach der Niederlage beim 1. FC Köln vor anderthalb Wochen suspendiert. Schalkes Manager Horst Heldt sprach von einem zerrütteten Vertrauensverhältnis und davon, dass Boateng der Mannschaft im Saisonendspurt nicht mehr helfen könne. Sidney Sam musste unter Angabe der gleichen Gründe ebenfalls gehen. Entscheidungen, die laut Heldt unumstößlich seien, beide Spieler stehen zum Verkauf.

Während Sidney Sam auf Schalke nach seinem Rausschmiss mindestens eine Laufeinheit absolviert hat, hat sich Boateng bislang nicht wieder blicken lassen. Aus seiner Privatloge in der Veltins-Arena verfolgten Freunde das Spiel am Samstag gegen den SC Paderborn.

Jetzt hat sich der 28-Jährige nach seiner Suspendierung erstmals zu Wort gemeldet – bei Sport-Bild online. „Es ist sehr traurig, wie meine Zeit auf Schalke geendet ist. Doch dies war nicht meine Entscheidung“, sagt er. „Mir wurde nur gesagt, dass kein Vertrauen mehr da sei. Das akzeptiere und respektiere ich zu 100 Prozent.“

Boateng wolle keine Schlammschlacht, fühle sich aber falsch beurteilt. „Ich werde niemanden schlechtreden. Ich habe zwei Jahre lang meine Arbeit gemacht, ob ich mal sehr gut oder sehr schlecht gespielt habe - das kann passieren“, erklärte er und ergänzte: „Eins ist klar: Ich habe zwei Jahre öffentlich für alles, wirklich alles, meinen Kopf hingehalten. Es lief öffentlich alles über mich, ich habe so dem Verein, den Mitspielern und Verantwortlichen den Druck rausgenommen. Das wurde ja auch massiv gebraucht.“

Erstmal ab in den Urlaub

Dass er im Nachhinein nun schlecht gemacht werde, spreche für sich. „Das Niveau dieser Leute, die etwas über mich erzählen und Gerüchte streuen, bediene ich nicht“, sagte Boateng. Leider müssten der Öffentlichkeit nun Gründe für sein Aus geliefert werden, von wem auch immer. „Doch alles, was jetzt medial transportiert wurde, ist gelogen.“ Boateng weiter: „Ich wünsche den Verantwortlichen und den Spielern alles erdenklich Gute. Jetzt fliege ich in den Urlaub und dann schauen wir, auf welcher Bühne wir uns wieder sehen.“

Zu den Vorwürfen des „Kicker“, Boateng habe sich beim Fanabend im Winter-Trainingslager 2014 in Katar mit dem Hinweis, dass das nicht zu seinen vertraglichen Pflichten gehöre, geweigert, Autogramme zu schreiben, sagt er: „Jeder weiß, wie viele Autogramme ich gegeben habe, mehr als jeder andere Spieler. Dass ich fast immer letzter war am Trainingsplatz, der alles unterschrieben hat und ich gerade für die Fans immer da war.“

Boatengs Äußerung machte am Dienstagvormittag schnell unter den rund 100 Schalke-Fans die Runde, die das Training der Profis im Parkstadion verfolgten. Viele zückten sofort ihr Smartphone, lasen den Bericht und schüttelten den Kopf. Und erzählten gleich reihenweise, dass Fannähe doch wohl so gar nicht nach dem Geschmack Boatengs gewesen sei. Bei einem Klub wie Schalke ist das bekanntlich nicht ganz unwichtig.

Willi, der so gut wie keine Trainingseinheit verpasst, ist stinksauer: „Dass der jetzt noch nachtritt, setzt dem Ganzen die Krone auf.“ Der Rentner erinnert sich an so einige Situationen, in denen Boateng Autogrammwünsche karg abgelehnt habe. „Sogar ganz junge Fans hat er abgebügelt. Wenn sie ihn abgefangen haben und eine Unterschrift wollten, hat Herr Boateng sie angefahren, dass die gefälligst erst ‘bitte’ zu sagen haben. Die waren dann meistens so eingeschüchtert, dass sie gar keines mehr wollten.“

Und auch Michael, der extra aus Wolfsburg angereist ist, um die Schalker trainieren zu sehen, lässt kein gutes Haar am Auftreten des suspendierten Schalkers. „Ich habe ihn nach dem Training mal ganz alleine vor dem Medicos getroffen und höflich gefragt, ob ich ein gemeinsames Foto machen darf. Er hat nur abfällig gegrinst und ist dann an mir vorbeigelaufen. Das gehört sich nicht, auf Schalke schon gar nicht.“

Und dann ist da noch Heinz. Kein Stammgast auf Schalke, aber „gelegentlich beim Training“. Auf seinem Schalke-Trikot fehlt nur noch eine Unterschrift: Die von Kevin-Prince Boateng.