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Dämpfer vom Meister

21.02.2010 | 22:54 Uhr
Dämpfer vom Meister

Wolfsburg.In China war es schon tief in der Nacht, und trotzdem glaubt Hao Junmin, dass gestern Abend jede Menge Landsleute sein Bundesliga-Debüt gesehen haben. „Meiner Meinung nach hat Schalke 04 in China genauso viele Fans wie in Deutschland“, hatte Hao Junmin kürzlich gesagt und versichert: „Die Menschen stehen nachts auf, um die Spiele sehen zu können. Das habe ich auch immer gemacht, als ich noch ein Teenager war.“ Umso größer war gestern dann die Enttäuschung, dass Schalke in Wolfsburg mit 1:2 verlor und das Bundesliga-Debüt des ersten Chinesen in Königsblau nicht von Erfolg gekrönt war.

Felix Magath hatte Hao Junmin überraschend als Vertreter des gesperrten Rafinha in die Start-Elf genommen: Eigentlich ist Hao, so sein Nachname, ja ein gelernter Offensivspieler, doch Magath traute ihm zu, auch die defensive Rolle zu bekleiden. „Leider haben wir auf den Außenverteidiger-Positionen ja jeweils nur eine bundesliga-reife Lösung, und da wir keine andere Lösung haben, habe ich es mit Hao Junmin probiert“, erklärte Magath seine Gedanken. Eine andere Variante wäre gewesen, Benedikt Höwedes auf die rechte Seite zu stellen, doch dann hätte Schalkes Trainer die zuletzt bewährte Innenverteidigung auseinander reißen müssen – das wollte er nicht.

Natürlich hatte Hao, der bis dahin nur beim Pokalspiel in Osnabrück einige Minuten mitspielen durfte, anfangs etwas Probleme. In der zweiten Minute rutschte er im Übereifer nach einer Dzeko-Flanke aus und ermöglichte Gentner eine gute Schussposition. Und nach einer knappen Viertelstunde lief ihm Marcel Schäfer im Rücken weg. Doch zwischendurch traute er sich auch einmal nach vorne und leitete in der siebten Minute die erste Schalker Chance ein. Insgesamt stabilisierte er sich, auch wenn Wolfsburgs Trainer Lorenz-Günther Köstner zur zweiten Halbzeit Dejagah einwechselte und diesen über Haos Seite stürmen ließ. „Ich musste mir ja etwas einfallen lassen, nachdem Felix seinen Chinesen ausgepackt hat“, schmunzelte Köstner.

Magath war letztlich mit dem Debüt von Hao aber zufrieden: „Eine Stunde lang hat er seine Aufgabe sehr, sehr gut gelöst. Dann hatte er etwas konditionelle Probleme. Deswegen habe ich ihn auch rausgenommen.“ Immerhin: Als Hao ging, stand es noch 1:1 – und der Siegtreffer durch Grafite wurde über die rechte Schalker Flanke vorbereitet, wo kurz zuvor noch Hao seine Position hatte.

Schalke hat in Wolfsburg eine Möglichkeit verpasst, mit noch breiterer Brust ins Derby gegen Dortmund zu gehen: Denn eigentlich war die Niederlage nicht nötig. „Die Wolfsburger waren einfach besser drauf“, wunderte sich Kevin Kuranyi, der im Angriff als einziger Schalker Gefahr ausstrahlte. Und Ivan Rakitic selbstkritisch: „Uns sind Fehler passiert, die nicht passieren dürfen.“ Dazu musste man nicht nur den Patzer des ansonsten so starken Manuel Neuer vor dem 1:1 zählen. Sondern auch eine zu große Passivität im Spiel nach vorne: „Wir haben in der zweiten Halbzeit zu selten versucht, etwas nach vorne zu entwickeln“, kritisierte Magath.

Manfred Hendriock

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