Breitenreiter hat auf Schalke nichts zu verlieren

Manager Horst Heldt stand am Ende der Saison im Zentrum der Kritik. Immerhin hat er eine Millionen teure, aber leblose Mannschaft zusammengestellt und ihr den am Ende ratlosen Di Matteo vorgesetzt. Aber auch im Rahmen der erneuten, seiner fünften Trainersuche in fünf Jahren, agierte Held unglücklich, denn der Klub hat quälend lange und mal wieder in aller Öffentlichkeit mit den fast schon obligatorischen Indiskretionen nach einem neuen Übungsleiter gesucht. (Die Welt)

Nationalspieler Sami Khedira hat wegen der chaotischen Zustände in Gelsenkirchen von einem Wechsel abgesehen, ein Aspekt der auch Trainer abzuschrecken scheint. Markus Weinzierl, der Schalker Wunschkandidat, nannte allerdings emotionale Gründe für seine Entscheidung, in Augsburg zu bleiben. (Süddeutsche Zeitung)

„Ist Schalke überhaupt noch ein Top-Klub?“ - fragt die „Bild“ provokant und diagnostiziert: „Keine guten Voraussetzungen mehr für eine Traum-Hochzeit.“

Überschattet wurde die Trainersuche auch vom Krach zwischen Heldt und dem Liebling der Fans, Marc Wilmots, der stinksauer auf den Schalker Sportvorstand und dessen Verhalten ist. (Focus). „Für Heldt geht es endgültig um alles oder nichts…“ (Bild Zeitung) Neu-Coach André Breitenreiter soll nun die Ansammlung talentierter Fußballer zum Leben erwecken und nicht nur Schalke retten, sondern auch den Manager. (Süddeutsche Zeitung)

Wenn Breitenreiter auch nicht Top-Kandidat war, so entschied sich die Vereinsführung aus fachlichen Aspekten dennoch bewusst für ihn und nicht für eine Lösung, welche auf Anhieb den größten Beifall gefunden hätte. Unter diesem Aspekt ist Breitenreiters Verpflichtung ein Zeichen von Mut und Souveränität. Ob der Fußballlehrer seine Vorstellungen, die er den Bossen so überzeugend näherbrachte, auch dem Team entsprechend vermitteln kann, bleibt dennoch abzuwarten. (Kicker)

Gerade aus der Tatsache, dass Breitenreiter auf Schalke naturgemäß nicht als Messias empfangen wird, schöpft er seine Stärke: Er hat nichts zu verlieren – außer seine Linie. (Kicker)

Will der Klub endlich in ruhiges Fahrwasser kommen, muss nicht nur die Mannschaft eine Einheit werden, sondern auch die Vereinsführung. „Ansonsten droht dem FC Schalke 04 ein ähnliches Schicksal wie dem großen HSV. Dann würde „Königsblau“ endgültig zum Chaos-Verein werden – mit groteskem Trainerverschleiß und traurigem Fußball und kopflosen Bossen.“ (Die Welt)

Schalke bietet André Breitenreiter eine große Chance in seinem noch jungen Trainerleben und bekommt selber eine – endlich wieder die alte geliebte Vereins-Seele zu finden, wieder ganz der alte FC Schalke 04 zu werden.