Böllerwurf in Rotthausen hat ein Nachspiel

Auf dem Spielfeld wussten sich beide Mannschaften beim 0:0 im Oktober im Rotthauser Derby zu benehmen.
Auf dem Spielfeld wussten sich beide Mannschaften beim 0:0 im Oktober im Rotthauser Derby zu benehmen.
Foto: Frank Oppitz

Rotthausen..  Es lief die 18. Spielminute im Bezirksliga-Derby zwischen dem SSV/FCA Rotthausen und dem DJK TuS Rotthausen, als Schiedsrichter Thomas Pidun die Partie für einige Minuten unterbrach. Der Grund: Von der Tribüne wurde ein Böller in Richtung des Spielfelds geworfen. Dieser Vorfall zieht jetzt, fast ein halbes Jahr später, erhebliche Konsequenzen nach nicht.

Beide Vereine wurden von der Spruchkammer zu einer Geldstrafe von je 250 Euro verurteilt, zudem müssen beide Klubs bis zum Saisonende bei jedem Heimspiel mindestens fünf Ordner stellen. Die Begründung: der oder die Täter sind den Reihen des DJK TuS zuzuordnen, der SSV/FCA habe zu spät mit einem Ordnungsdienst reagiert.

„Wir waren in den vergangenen zwei Monaten fünf bis sechs Tage in der Woche mit diesem Vorfall beschäftigt“, erklärt Holger Wilbrandt, Pressesprecher der SSV/FCA. „Wir haben Videomaterial gesichtet, haben versucht, die Täter zu identifizieren. Auch in enger Zusammenarbeit mit dem TuS. Das ist uns aber leider nicht gelungen“, ergänzt Wilbrandt. Viel Ehrenamtliche Zeit, die die Vereinstreter gerne in anderer Form für die Vereinsarbeit genutzt hätten. Das Urteil sprach die Spruchkammer vor zwei Wochen aus, an zwei Tagen wurde verhandelt. Weitere wertvolle Zeit, die die Klubverantwortlichen zu gern anders verbracht hätten.

Schon zu Beginn des Spiels war ein Böller gezündet und Richtung Spielfeld geworfen worden. Der Hinweis, dass der Schiedsrichter einen Eintrag in den Spielbericht machen würde, schreckten die Böllerwerfer aber nicht ab. Ehrenamtliche Ordner und Vereinsvertreter waren laut Wilbrandt in den Block geeilt, in dem der Werfer gestanden haben muss und hatten um Unterlassung gebeten.

Das Problem: Der Werfer konnte jedoch auch beim ersten Wurf nicht eindeutig identifiziert werden. Als der Schiedsrichter das Spiel dann nach dem zweiten Böllerwurf unterbrach, hätten zwei Personen flugs die Tribüne verlassen. „Das konnte man auf einem Video, das uns zur Verfügung gestellt wurde, gut sehen. Richtig zu erkennen waren die beiden aber auch dabei nicht“, erklärt Wilbrandt. Trotz intensiver Recherche sowie der Anhörung zahlreicher Zeugen konnten die mutmaßlichen Böllerwerfer bis zur Spruchkammersitzung nicht ermittelt werden.

Zum Glück kam bei diesem Vorfall niemand zu Schaden. Die Spruchkammer wies aber darauf hin, dass sich der Schiedsrichterassistent durchaus hätte in der Nähe befinden können, auch Ersatzspieler hätten sich in diesem Bereich des Sportplatzes aufhalten können. Inklusive der Verfahrenskosten müssen beide Vereine laut Wilbrandt rund 500 Euro bezahlen. „So einen Vorfall gab es in der langjährigen Vereinsgeschichte noch nie. Weder bei uns noch beim TuS“, sagt der SSV/FCA-Pressewart, der sich durchaus an hitzige Lokalderbys erinnern kann. „Diese Rivalität wurde aber nur auf dem Platz ausgetragen und nicht durch Chaoten von den Rängen“, sagt er.

Das nächste Lokalderby ist für April terminiert. Am 19.4. ist der DJK TuS Rotthausen dann der Heimverein. Schon jetzt hat sich eine Sicherheitsgruppe gebildet, die für ein Derby ohne jegliche Zwischenfälle sorgen möchte. „Wir werden beispielsweise während des Spiels Lautsprecherdurchsagen machen, auch über die Presse wollen wir zur Besonnenheit aufrufen“, sagt Wilbrandt, der abschließend feststellt: „Daran sieht man, welch böses Nachspiel so eine Geschichte für zwei Vereine haben kann, wenn sich ein paar Chaoten nicht benehmen können.“