Attraktionsfreier Revierclub zittert um die Europa League

Das Saisonziel Champions League ist verpasst. Der sportliche und finanzielle Plan B, die Europa League, muss erst noch hart erkämpft werden. Ursachenforschung:

Obwohl Vereinsboss Clemens Tönnies im TV Sender Sport1 verärgert festgestellt hat, dass es „an allem gefehlt“ hat, nimmt die Vereinsführung den Trainer von der Kritik aus. Vielmehr sind die Spieler das Problem - von besonders „lauffaulen“ will man sich trennen und eine neue Mannschaft aufbauen.

In der Fachpresse wird jedoch das ganze Team kritisch analysiert: Neues Personal täte Schalke sicher gut, so die „Süddeutsche Zeitung“ und führt weiter aus, dass die Rückrunde ein Zeugnis des spielerischen Niedergangs ist, in dem auch Coach Di Matteo ratlos wirkt. Bei seinem Amtsantritt im Oktober 2014 hatte er Stabilität in der Defensive verordnet, jetzt ist der Angriff die Problemzone. Das eine zu tun und das andere zu unterlassen, ist sicherlich ein konzeptioneller Fehler, welcher nicht den Spielern angelastet werden kann.

Rückblick: Schalke zeigte zu Beginn der Saison Interesse an Thomas Tuchel, arbeitete aber zunächst mit Jens Keller weiter. Der Wechsel zu Roberto Di Matteo sollte dann die große Lösung sein, um endlich Konstanz auf die Trainerposition und in die schwankende Leistung der Mannschaft zu bringen. Sechs Monate später ist Schalke zum „Synonym für Destruktivität verkommen“. „Trainer Di Matteo ist mit seinem unattraktiven Fußball gescheitert. Dem Klub drohen nun gravierende Folgen.“ (Die Welt) Schalke zittert um die Europa League (Bild Zeitung).

Selbst der Schweizer „Tagesanzeiger“, dem gebürtigen Schaffhausener Di Matteo eher wohlgesonnen, hält ein mögliches Scheitern für selbstverschuldet.

Die Süddeutsche Zeitung verzeichnet bei den Knappen „Lähmungssymptome wie unter Jens Keller“, wofür keinesfalls ausschließlich die verunsicherten Stürmer verantwortlich zu machen sind. Wenn die Gegner keine Freiräume zulassen, findet das ganze Team nach wie vor keine passenden Mittel. Luxusprobleme von denen andere Klubs, allen voran der Hamburger SV, träumen können. Aber das ist eben nicht Maßstab für den FC Schalke 04. Bei den Knappen geht die Furcht um, langfristig den Anschluss an die Ligaspitze zu verlieren. Zudem: Darauf, dass Dortmund noch so eine desolate Saison spielt, sollte niemand setzen.