André Breitenreiter

André Breitenreiter ist ein geerdeter Typ und passt meines Erachtens gut zu diesem Club. Jedenfalls zu dem FC Schalke wie ich ihn sehe. Ich mag, dass es in seiner Karriere bislang stets nach oben ging. Ich mag, dass Schalke einen Trainer verpflichtet hat, der über eine gewisse Erfahrung verfügt, für den Schalke aber trotzdem der nächste große Schritt ist.

Wer in André Breitenreiter nur einen Bundesliga-Absteiger sieht, ist ignorant. Tatsächlich ist sein bisheriger Trainerweg eine Erfolgsstory. Den Regionalligisten TSV Havelse rettete er zunächst vor dem Abstieg, führte ihn bis auf Platz 2, qualifizierte sich über den Gewinn des Niedersachsenpokals für den DFB-Pokal und warf in der ersten Runde den 1. FC Nürnberg raus. Damit machte er auf sich aufmerksam und Paderborn holte ihn in die zweite Liga.

Den SCP machte er von einem durchschnittlichen Zweitligisten zum Aufsteiger. Und in einer Erstligasaison, vor der man den Club schon mit Tasmania Berlin vergleichen wollte, in der Paderborn als Mannschaft galt, die so früh absteigt wie Bayern Meister wird, holte Breitenreiter mit einer kaum verstärkten Truppe immerhin 7 Siege und 31 Punkte. Tatsächlich stieg Paderborn erst am letzten Spieltag auch rechnerisch ab. Das war mehr als jeder erwartet hatte.

André Breitenreiter beherrscht die freie Rede. Auf Pressekonferenzen und in Interviews ist er klar und direkt. Mit den medialen Anforderungen auf Schalke wird er keine Probleme haben. Seine Spieler in Paderborn machte er zu einem verschworenen Haufen. Ob ihm das auch mit seinen neuen Spielern gelingt, ob er die Präsenz bieten kann, nach der dieser Club nach den wenig präsenten Trainern Roberto Di Matteo und Jens Keller so sehr dürstet, ob er letztlich erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Aber die Garantie hätte man auch bei keinem anderen der kolportierten Kandidaten für diesen Job gehabt. Womit ich noch kurz zu Marc Wilmots kommen möchte.

Ich glaube, dass nur die allerwenigsten derjenigen, die gerne Marc Wilmots als neuen Trainer von Schalke 04 gehabt hätten, dessen Leistungen als Trainer einschätzen können. Davon sieht man hier schlicht zu wenig. Ich glaube, dass die Hoffnungen bezüglich Marc Wilmots eher dahin gingen, dass er eine starke Persönlichkeit ist und dass man ihm zugetraut hätte, die Führung des Clubs zu übernehmen, die sportliche Ausrichtung zu bestimmen. Eben das ist aber der Job Horst Heldts.

Man mag von Horst Heldt halten was man will und ich persönlich könnte mir sehr gut eine andere Struktur vorstellen. Aber solange der Club einen operativen Vorstand Sport beschäftigt, bleibt ein Trainer ein Trainer, und nicht mehr. Schalke ist in einer schwierigen Phase, hat die Fans gegen sich aufgebracht, spielt schlechten Fußball und muss zu sich zurückfinden. Ein Gegeneinander im operativen Bereich ist definitiv etwas, was dieser Club gerade überhaupt nicht braucht.

Herzlich Willkommen und Glückauf, André Breitenreiter.