Zwischen Genie und Wahnsinn

VfL Bochum U23 -
FC Kray 4:0 (1:0)

Kray: Kunz – Zimmermann, Wagner, Aubameyang, Meißner – Yahkem (63. Grumann), Akman, Mengert (67. Wingerter), Kehrmann – Limbsasan, Gödde (54. Kadiu).
Tore: 1:0 Niepsuj (2.), 2:0 Maria (66.), 3:0 Bluni (85.), 4:0 Kurt (88.).
Besonderes Vorkommnis: Gelb-Rote Karte gegen Ömer Akman (45., Kray) wegen wiederholten Foulspiels.
Schiedsrichter: Dominik Jolk.
Zuschauer: 195.

Viel war über Mentalität gesprochen worden vor der Partie beim VfL Bochum U23, diese Reifeprüfung nach den „Festwochen“ mit dem Liga-Sieg gegen Aachen und dem knappen Pokal-Aus gegen RWE auf großer Fußball-Bühne ging in die Hose: Mit 0:4 unterlag Aufsteiger FC Kray in der Wattenscheider Lohrheide, Trainer Michael Lorenz und seinem Team stehen noch harte Wochen im Kampf um den Klassenerhalt bevor.

Die Essener erwischten den denkbar schlechtesten Start in dieses so wichtige Abstiegsduell – schon in der zweiten Minute klingelte es im Kasten von Philipp Kunz. Der nächste Knackpunkt: Kurz vor der Pause foulte Ömer Akman zweimal gelbwürdig, was auch Schiedsrichter Dominik Jolk so sah und Akman unter die Dusche schickte. Trotzdem versuchten es die Krayer nach der Pause noch einmal, kamen durch Xhino Kadiu oder Philipp Meißner auch zu guten Möglichkeiten (insgesamt fehlte dem Krayer Spiel aber erneut die Durchschlagskraft) – mit dem 0:2, dem ein individueller Fehler von Christian Mengert vorausgegangen war, war das Spiel dann aber entschieden.

Michael Lorenz musste sich in der Schlussphase weitere Bochumer Treffer von der Tribüne aus anschauen, er hatte gegen eine Schiedsrichter-Entscheidung zu heftig protestiert. „Kein guter Tag, zu dem ich sicherlich auch beigetragen habe“, so der Coach. Und weiter: „Am Ende hätte es sogar noch deutlicher werden können.“

0:4 gegen Bochum – die Krayer geben ein Stück weit Rätsel auf. Phänomenalen Auftritten folgt zu oft die pure Ernüchterung, „wir spielen zwischen Genie und Wahnsinn“, brachte es Michael Lorenz auf den Punkt. Gegen die Großen der Liga überzeugt das Team mit Geschlossenheit und Disziplin über 90 Minuten, gegen die vermeintlich Kleinen, „kommt dann schon mal der eine oder andere auf eine individuelle Idee“, kritisierte Lorenz. Aber: Mentalität und Wille wollte er seinen Jungs nicht absprechen, auch wenn dieser wichtige Test gegen den VfL-Nachwuchs nicht bestanden wurde. Veränderungen durch notwendige Wechsel (aufgrund von Sperren oder Verletzungen), vielleicht sogar Änderungen im System (in Bochum hatte es Michael Lorenz mit einem „4-4-2“ versucht, Samuel Limbasan an die Seite von Philipp Gödde gestellt) scheinen ein stabiles mannschaftliches Krayer Gebilde schneller mal zum Einsturz zu bringen.

Keine Balance

In Bochum stimmte die Balance zwischen Angriff und Abwehr nicht, schon in der ersten Halbzeit hatte der FCK gegnerische Kontersituationen zu überstehen. „Wir sind einfach nicht so gefestigt wie andere Regionalligisten, deswegen spielen die Jungs beim FC Kray. Wir sind immer am Limit, auch unter der Woche, wo jeder seine alltägliche Herausforderungen zu meistern hat“.

Am kommenden Samstag kommt mit Rot-Weiß Oberhausen wieder ein „Großer“ nach Essen (14 Uhr, Uhlenkrug), vielleicht blitzt dann beim FC Kray wieder mehr Genie – und weniger Wahnsinn – auf. „Wir werden Kraft tanken und uns vorbereiten“, so Lorenz. „Ich spreche immer von Zusammenhalt, der jetzt erst recht untermauert werden muss. Jeder muss für den anderen kämpfen.“