Zwei Essener, die den Bogen raus haben
05.08.2009 | 20:07 Uhr 2009-08-05T20:07:00+0200Die Feldbogenschützen Andre´Grawinkel und Michael Ziefle holen Gold bei der Europameisterschaft in Wales.
Walisischer Dauerregen zerrt nicht nur an den Nerven eines Feldbogenschützen. Er ramponiert auch dessen Wettkampfkleidung. Und nebenbei verwandelt er den Natur-Parcours zwischen Wald und Wiese fix in ein Schlammbad. Von diesen widrigen Bedingungen ließen sich André Grawinkel und Michael Ziefle aber nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: Die Essener zielten bei der EM auf der britischen Insel mit ihren Bögen derart genau, dass Triumphe folgten und sich beide nun Europameister nennen dürfen.
In der Einzelwertung „Compound Unlimited” der Amateurklasse dominierte André Grawinkel die Konkurrenz nach Belieben. Der 36-jährige Werdener schoss auf allen vier Runden in freier Wildbahn den Höchstwert. 28 Scheiben werden dabei mit jeweils vier Pfeilen anvisiert. Ein optimaler Durchgang nur mit Volltreffern würde 560 Punkte einbringen. Ein Kunststück, was bislang noch keinem glückte. Grawinkel schoss an vier aufeinander folgenden Tagen 544, 542, 550 und 546 – eine Bilanz, die das Prädikat „phänomenal” verdient. In der Summe ergab dies 2182 Punkte. Und der Abstand zum Zweitplatzierten Karl Reinalter aus Österreich (2131) lässt erahnen, wie einsam Grawinkel an der Spitze thronte.
„Ich bin schon mit Medaillenhoffnungen angereist. Aber dass es auf Anhieb so gut laufen würde, damit war nun wirklich nicht zu rechnen”, sagte Grawinkel im Gespräch mit dieser Zeitung.
Einerseits war diese EM im walisischen Städtchen Tal-y-Coed eine Premiere für ihn: Denn erstmals nahm der Bogenschütze an einem Wettbewerb für Mitglieder des Deutschen Feldbogen Sportverbandes (DFVB) teil – und auf Anhieb holte er den Titel. Das überrascht jedoch nur bedingt, wenn man Grawinkels andere Bilanz kennt. Denn seit 1987, also seit seinem 14. Lebensjahr, ist er auch bei Bogen-Wettkämpfen des Deutschen Schützenbundes (DSB) am Start. Seitdem wurde er 20 Mal Deutscher Meister, je einmal EM-Zweiter und WM-Vierter. Der jetzige Erfolg, er kam also nicht aus dem Nichts.
Zurück nach Wales: Platz vier der Einzelwertung belegte der zweite Essener im Feld, Michael Ziefle. Gemeinsam war das Duo mit Campingbus und Fähre angereist. Gemeinsam stellten sie sich der Konkurrenz. 336 Aktive waren insgesamt bei den kontinentalen Titelkämpfen am Start, in ihrer Konkurrenz waren es 22. Ziefle schoss die Punktwerte 520, 528, 525 und 528 – addiert also 2101 Zähler. „Ich wollte unter die ersten Zehn – und deshalb bin ich glücklich über mein Abschneiden.” Doch nur einen Moment später gibt Ziefle zu: „Natürlich stinkt es mir trotzdem, dass ich so knapp einen Treppchenplatz verpasst habe.” Nur ganze zehn Punkte lag der Drittplatzierte Matthew Farnham (England) in der Endabrechnung vor ihm.
Als Trost wartete auf Ziefle aber der Sieg in der Teamwertung. Mit André Grawinkel sowie Uwe Mross aus Baden bildete er ein Dreier-Team. Und mit ihren addierten Einzelresultaten ließ das Trio die übrigen Nationen weit hinter sich. Nochmal Gold für Deutschland. „Meine Medaillen kommen auf ein Regal”, verriet Grawinke.. Und seine „glänzende Sammlung” soll in Zukunft noch erweitert werden.
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