WM in Katar weckt auch Nostalgie bei Tusem Essen

Oliver Roggisch war einst erfolgreicher Kreisläufer beim Tusem und ist nun Teammanager der Nationalmannschaft.
Oliver Roggisch war einst erfolgreicher Kreisläufer beim Tusem und ist nun Teammanager der Nationalmannschaft.
Foto: imago/Heuberger
Was wir bereits wissen
In Gedanken bei der Handball-WM in Katar kam wohl bei so manchem Essener Handball-Fan ein bisschen Wehmut auf. Denn dort beim Turnier im fernen Arabien sind viele Gesichter aufgetaucht, die auch eng mit dem Namen Tusem Essen verbunden sind.

Im fernen Katar wird am Sonntag der Weltmeister gekrönt. Zwei Wochen lang Handball auf höchstem Niveau. Und die deutsche Mannschaft hat die Weltelite auch ganz schön aufgemischt, was wiederum bei den Fans daheim einen Boom ausgelöst hat. „Das hat unserem Sport gut getan. Schade, dass es nur relativ wenige Zuschauer mitbekommen haben“, sagt Stephan Krebietke, der Sportliche Leiter des Handball-Zweitligisten Tusem Essen. Die Spiele wurden lediglich im Pay-TV übertragen.

Natürlich haben sie sich auf der Margarethenhöhe die Auftritte der DHB-Auswahl trotzdem nicht entgehen lassen. Und in Gedanken bei der WM in Katar kam wohl bei so manchem Essener Handball-Fan ein bisschen Wehmut auf. Denn dort beim Turnier im fernen Arabien sind viele Gesichter aufgetaucht, die auch eng mit dem Namen Tusem Essen verbunden sind.

Bob Hanning (46) ist gebürtiger Essener. Hier startete er durch - sportlich und beruflich. Hanning war Jugendtrainer beim Tusem, führte die A-Junioren 1994 zur Deutschen Meisterschaft, er sekundierte in der Grugahalle auf der Trainerbank und zog aus, um Karriere zu machen. Heute ist er DHB-Vizepräsident und Sportchef, einer der mächtigsten Funktionäre im deutschen Handballverband.

Seine aktive Karriere hat Oliver Roggisch (36) bereits beendet und ist jetzt Teammanager der Nationalmannschaft geworden. Der eisenharte „Olli“ mit beachtlicher Zeitstrafen-Quote heuerte 2002 beim Tusem an, war sozusagen ein Nachfolger am Kreis von Mark Dragunski und empfahl sich in Essen für die DHB-Auswahl, mit der er 2007 Weltmeister geworden ist.

Trainiert wurde er damals in Essen von Iouri Chevtsov (55), der den Tusem 2005 - mit Roggisch - zum Sieg im EHF-Pokal führte, einem der größten Triumphe in der Vereinsgeschichte. In Katar betreute Chevtsov das Team von Weißrussland, das er 2009 übernommen hat.

Trainerkollege Patrekur Johannesson (44) ist seit 2011 Nationalcoach von Österreich, das sich wie Deutschland fürs WM-Achtelfinale qualifizierte und dort nur knapp dem Gastgeber mit 27:29 unterlag. Der gute „Patti“ werden sie beim Tusem sagen. Zur Bundesliga-Saison 95/96 kam der linke Rückraumspieler als kompakter Nobody aus Island nach Essen und verließ die Stadt nach sieben Jahren als Publikumsliebling.

Im Team Austria lief Viktor Szilagy (36) auf, der von 2001 an vier Jahre lang für den Tusem Tore warf. Er war beim legendären EHF-Pokaltriumph 2005 gegen Magdeburg in der Arena Oberhausen ebenso am Ball wie Gudjon Valur Sigurdsson (35), der in Katar mit Island ins WM-Achtelfinale eingezogen ist. Der junge „Gokir“ tauchte ebenfalls 2001 auf der Margarethenhöhe auf - junge, unbekannt, unbedarft. Aber jeder erkannte die Qualität, die in diesem flinken Handballer schlummerte. Er reifte zum internationalen Top-Star. Sigurdsson wurde mit dem THW Kiel zweimal Deutscher Meister und war 2007 Torschützenkönig bei der WM.