Vor 50 Jahren konnte SV Moltkeplatz Deutscher Meister werden

Die Essener Klaus Solka und Hans Neuhaus (hinten) scheiterten an den Abwehrkünsten von Dieter Forster (nicht im Bild) und des WM-Dritten Eberhard Schöler.
Die Essener Klaus Solka und Hans Neuhaus (hinten) scheiterten an den Abwehrkünsten von Dieter Forster (nicht im Bild) und des WM-Dritten Eberhard Schöler.
Foto: Stöckmann
Was wir bereits wissen
Zum Feiern ist dem SV Moltkeplatz derzeit wahrlich nicht zumute. Die Traditionsklub ist gerade aus der Tischtennis-Verbandsliga abgestiegen und fast alle Spieler der 1.Mannschaft haben den Verein verlassen. Vor 50 Jahren wäre der Klub beinahe Deutscher Meister geworden.

Zum Feiern ist dem SV Moltkeplatz derzeit wahrlich nicht zumute. Die Traditionsklub ist gerade aus der Tischtennis-Verbandsliga abgestiegen und fast alle Spieler der 1.Mannschaft haben den Verein verlassen. Hinzu kommt, dass der langjährige Abteilungsleiter Willy Schulte-Zweckel in Kürze sein Amt abgeben und sich als Vorsitzender des Hauptvereins zurückziehen will.

Gleichwohl sind die Erinnerungen an die „gute, alte Zeit“ nicht nur bei den langjährigen Mitgliedern lebendig. Gerade in diesen Tagen, denn am 29.Mai jährt sich ein Ereignis zum fünfzigsten Mal, das zu den eher seltenen Tischtennis-Highlights in Essen zählt. Die längst abgerissene Turnfesthalle war 1965 Schauplatz des Endspiels um den Titel des deutschen Mannschaftsmeisters zwischen SV Moltkeplatz und Tusa Düsseldorf.

Ohne Probleme in der Qualifikation

Eine Woche zuvor hatte SVM das westdeutsche Pokalfinale gegen Düsseldorf verloren aber, obwohl auch in der Oberliga West nur Zweiter hinter dem Rivalen, damit die Qualifikation für die DM-Endrunde geschafft. Hier besiegten die Essener nach einem 9:2 über Tennis-Borussia Berlin im Halbfinale Post SV Augsburg mit 9:7.

Das Endspiel in Essen löste einen regelrechten Run bei den TT-Fans aus. Vor der einzigen Kasse warteten sie geduldig, wurden zwar von einem heftigen Regenschauer bis auf die Haut durchnässt, aber das schmälerte die Vorfreude keineswegs. Schließlich füllten 1200 Zuschauer die mit einer Zusatztribüne erweiterte und bis auf den letzten Stehplatz restlos ausverkaufte Halle.

Trotz eines überragenden Eberhard Schöler, der einige Wochen zuvor bei der WM in Ljubljana Bronze gewonnen hatte, waren sich die Experten bezüglich der Essener Favoritenrolle ziemlich einig. Die Schützlinge von SVM-„Boss“ Hans Lorrek bestätigten diese Einschätzung auch mit einer 3:1-Führung durch Siege des Doppels Dahlmann/Lieck, Günter Schuck sowie Herbert Seppi. Erfolge von Wilfried Lieck, Hans Neuhaus und erneut Herbert Seppi ließen die Titelträume beim Stand von 6:3 weiter reifen. Und man trauerte der Chance von Walter Dahlmann nach, der gegen Dieter Forster im dritten Satz mit 18:16 vorn lag, aber dann noch mit 19:21 verlor.

Es sollte nicht die einzige Gelegenheit sein vorzeitig alles klar zu machen. Klaus Solka führte ebenfalls gegen Forster im letzten Durchgang mit 18:12, hatte jedoch mit 19:21 das Nachsehen. Da er zuvor Schöler mit 0:2 unterlegen war und mit Hans Neuhaus auch in beiden Doppeln leer ausging, wurde Solka zu einer Art tragischen Figur dieses Abends.

Ein Finale auf Augenhöhe

Schließlich war es Lieck, der die SVM-Hoffnungen nochmals schürte. Sein zweiter Einzelerfolg und der Sieg im Doppel mit Dahlmann gegen das starke Abwehr-Duo Schöler/Forster sorgten angesichts der 8:7-Führung für knisternde Spannung. Das letzte Spiel mussten Solka/Neuhaus gegen Offergeld/Beyss für sich entscheiden oder wenigstens einen Satz gewinnen, um beim Endergebnis von 8:8 auch das Satzverhältnis auszugleichen. Mit 16:21 und 19:21 gelang es ihnen nicht. Als die Sätze addiert wurden, jubelten die Düsseldorfer über das 21:20. Der minimale Vorteil reichte ihnen, um sich den Titel zum vierten Mal in Folge zu sichern.

Die Siegerehrung nahm der in Essen geborene DTTB-Generalsekretär Jupp Schlaf vor, der von zwei gleichwertigen Mannschaften sprach und die Atmosphäre in der Turnfesthalle lobte. In den Reihen beider Finalisten standen übrigens keine „Gastarbeiter“, sondern ausschließlich Essener und Düsseldorfer. Eine Konstellation, die schon einige Jahre später undenkbar war, weil die Bundesligisten auf internationale Asse bauten.

Für SV Moltkeplatz war es nicht die letzte Enttäuschung. Ein Jahr später verlor man das Endspiel beim VfL Osnabrück mit 6:9 und nach Einführung der Bundesliga reichte es zweimal nur zur Vizemeisterschaft. Immerhin: 1968 durfte SVM den Titel als deutscher Pokalmeister bejubeln.