Von Entsetzen bis Kopfschütteln

Auch künftig in einer Bezirksliga-Gruppe: SC Werden-Heidhausen (orange) gegen FC Kray II, das die Krayer mit 0:4 verloren.
Auch künftig in einer Bezirksliga-Gruppe: SC Werden-Heidhausen (orange) gegen FC Kray II, das die Krayer mit 0:4 verloren.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die 13 Essener Bezirksligisten spielen künftig in zwei Ligen: weite Fahrten, unbekannte Gegner oder „Hammergruppe“.

Andre Rilinger kann seinen gesamten Vorbereitungssplan in den Papierkorb schmeißen. Der Trainer des Fußball-Bezirksligisten SV Schonnebeck II hatte etliche Vorbereitungsspiele gegen Bezirksligisten aus dem Velberter Raum festgemacht. Jetzt wurde die SVS für die kommende Bezirksligasaison vollkommen überraschend in eine Gruppe mit genau diesen Vereinen eingeteilt. „Bei uns herrscht großes Entsetzen. Das sind Fahrten wie früher in der Landesliga“, stöhnt Rilinger.

Fahrten wie früher in der Landesliga

Der Fußballverband Niederrhein hat bei seiner Gruppeneinteilung der Bezirksligen darauf verzichtet, alle Essener Vereine auch im dritten Jahr in Serie in einer gemeinsamen Gruppe einzuordnen. So finden sich die Vereine aus dem Essener Kreis Südost sowie die SV Schonnebeck II in einer Gruppe mit den Teams aus dem Velberter und Wuppertaler Raum wieder. Die sieben verbliebenden Vereine aus dem Kreis Essen Nordwest wurden dagegen in einer Gruppe mit den Duisburger und Mülheimer Vereinen einsortiert.

„Ich hatte es schon befürchtet“, sagt Burgaltendorfs Trainer Jörg Oswald. „Bei nur 13 Essener Vereinen war für mich klar, dass wir aufgeteilt würden.“ Gleichwohl hätte sich Oswald eine andere Konstellation gewünscht. „Das ist eine Hammergruppe. Wir haben drei Landesligaabsteiger in einer Gruppe, dazu kommt FSV Vohwinkel, die als Zweiter nur knapp am Aufstieg gescheitert sind und TVD Velbert, das massiv aufgerüstet hat – die halbe Liga spielt um den Aufstieg.“

Auch die Teams aus dem Essener Norden sind mit der Gruppeneinteilung unzufrieden. „Das ist eine absolute Katastrophe. Ich weiß nicht, warum man was ändern musste. Die Konstellation der Essener Vereine mit den Bottroper oder Oberhausener Teams hatte sich doch bewährt“, sagt Vogelheims Trainer Sascha Hense. Ihn stört vor allem, dass es in der kommenden Saison jetzt weniger Essener Derbys gibt. „Das sind doch die Spiele, die die Zuschauer sehen wollen. Da werden den Vereinen etliche Zuschauereinnahmen durch die Lappen gehen.“

Sportlich kann Hense die neue Liga noch nicht richtig einschätzen. „Ich weiß, dass Viktoria Bucholz eine starke Mannschaft hat, die sind nur knapp am Aufstieg gescheitert. Hamborn 07 hat sich verstärkt, auch Genc Osman Duisburg soll keine schlechte Mannschaft sein. Aber den Rest kenne ich nicht so gut.“ Adler Union Frintrop-Trainer Michael Wollert schätzt die Gruppe als zumindest nicht schlechter ein als im Vorjahr: „Es wird nicht einfach. Wenn man so schaut, haben die alle in den vergangenen Jahren nicht schlecht abgeschnitten. Aber letztendlich ist es für uns egal, ob wir die Punkte gegen Essener, Oberhausener oder Duisburger Mannschaften holen müssen.“

Reform ist abgeschlossen

Es gibt aber auch eine gute Nachricht für die Essener Klubs. Die Bezirksligareform ist mit dieser Einteilung abgeschlossen, ab sofort bleibt es bei insgesamt sechs Bezirksligagruppen. Somit normalisiert sich auch die Zahl der Absteiger. Künftig müssen pro Gruppe nur noch drei Teams sicher den Gang in die Kreisliga A antreten, dem Viertletzten droht zumindest die Relegation.

„Dass vereinzelte Härtefälle nicht zu vermeiden sind und natürlich auch die Fahrtstrecken länger werden, lässt sich nicht verhindern“, sagt Wolfgang Jades, Chef des FVN-Fußballausschusses. Dass es Kritik hageln würde, war den Funktionären aber offenbar auch klar. Letzter Satz der Presseerklärung: „Die Gruppeneinteilung ist nunmehr verbindlich und nicht anfechtbar!“