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Tusems neuer Marathon-Mann

30.01.2012 | 20:33 Uhr
Tusems neuer Marathon-Mann
Stefan Koch nach seinem Debüt am Baldeneysee im Jahre 2007. Foto: Georg Lukas

Tusems neuer Marathonläufer Stefan Koch ist 27 Jahre alt, knapp 60 Kilogramm schwer, 1,68 Meter groß und Brillenträger. Das mit der Brille ist in dieser Jahreszeit wichtig. Den beim Ausdauertraining beschlagen häufig die Brillengläser und die Sicht ist dann etwas schlecht. Koch: „Macht nichts. Dann wische ich die Gläser regelmäßig sauber und es wird weiter gelaufen.“ Härte bei Wind und Wetter und immer im Alleingang. Kein Trainingspartner. Nur Vater Reinhard, der seinen Sohn auf dem Fahrrad begleitet. Ein weiterer Punkt, der den 27-Jährigen auszeichnet.

Weitsicht war für Stefan Koch der Grund zum Vereinswechsel von Braunschweig zum Tusem auf die Margarethenhöhe. Kurz und knapp auch hier seine Begründung. „Ich wollte eine sportliche Veränderung. Am 14. Oktober 2012 möchte ich beim 50. RWE-Tusem Marathonlauf gewinnen und den alten Stadtrekord (2:14:34 Std.) von Werner Grommisch verbessern. Da kann ich, so Stefan, bei Deutschlands ältesten Vereinsmarathon doch auch gleich im Trikot des Veranstalters laufen.“

Trikotübergabe am Sportplatz des Tusem, v.l. Detlef Hemp (Tusem), Leichtathletik-Kreisvorsitzender Dr.Thomas Asmuth und Gerd Zachäus (RWE Tusem Marathon Organisator) begrüßten den zweifachen Deutschen Marathonmeister Stefan Koch als neues Vereinsmitglied. Bild: Lukas

Rückblick. Bereits im Oktober 2007 stand Stefan Koch am Baldeneysee am Start. Koch: „Es war damals mein Marathondebüt und ich lief gleich im ersten Rennen gute 2:17:17 Stunden.“ Nicht schlecht für einen „Anfänger“. Ein Jahr später steigerte sich der Rheinenser beim Berlin Marathon auf 2:15:38 Stunden und wurde sogar zweitbester Deutscher. 2009 folgte dann der Gewinn des Titels bei den Deutschen Marathonmeisterschaften und Stefan Koch wurde mit dieser Leistung für die Weltmeisterschaften in Berlin nominiert. Wegen gesundheitlicher Probleme musste Stefan Koch leider die Teilnahme absagen.

Dafür gab es dann 2011 für den „Neu-Essener“ in Hamburg als bester Europäer seinen zweiten Deutschen Marathonmeistertitel. Doch nach der Euphoriephase folgte bald für den neuen „Marathoni“ die Ernüchterung. Schwere Verletzungen an typischen Laufstellen wie Ferse oder Achillessehne folgten und das Training musste lange Zeit für Stefan Koch ausfallen. Damals war für Marathon-Bundestrainer Ronald Weigel der erst 25-Jährige ein großes Lauftalent mit dem Ziel Marathon-Olympia 2012 in London.

Stefan Koch: „Die dauernden Verletzungen bewiesen mir jedoch sehr schnell, dass ich London mit der Qualifikationsnorm von 2:12:00 Stunden so nie schaffen kann. Daher habe ich auch die Olympischen Spiele schnell abgehackt und mich dann voll auf meine Genesung konzentriert.“ Koch weiter: „Jetzt geht es mir gut und ich hoffe auf neue Bestmarken. 2013 gibt es wieder eine Marathon-WM in Moskau. Vielleicht schaffe ich, wenn ich gesund bleibe, dieses Ziel.“

Sein momentanes Wochenpensum sind an die 12 Trainingseinheiten mit insgesamt 140 bis 200 Laufkilometern. Fast immer begleitet von „Sponsor“ Vater Reinhard (56) auf dem Fahrrad. Mama Monika kümmert sich um das restliche Wohlbefinden und die Mediziner in Leipzig kontrollieren per Laktattest regelmäßig seine Trainingsform.

Damit Stefan Koch auch gut zu Fuß ist, stellt ein amerikanischer Sportartikelhersteller dem 26-Jährigen pro Laufsaison kostenlos zwischen 10 und 15 Paar Laufschuhe zur Verfügung. Mehr ist heute in Sachen Marathonlauf und Sponsoring für einen zweifachen deutschen Marathonmeister nicht drin.

Seit seiner mittleren Reife verfolgt Stefan Koch keine beruflichen Perspektiven: „Ich konzentriere mich nach meiner Schulzeit voll auf den Laufsport.“ Ein Handy besitzt Stefan Koch nicht. Internet braucht Stefan Koch nicht und Abwechslung und Entspannung findet Stefan Koch mal bei einem Buch. Dann muss es aber schon ein spannender Krimi sein. Ist Urlaub angesagt, dann geht es mit Laufschuhen im Gepäck ins benachbarte Holland.

Ob das alles Dinge sind, die einen Marathonläufer auszeichnen, wird sich im Frühjahr zeigen. Fest auf dem Wettkampfprogramm steht im roten Tusem-Trikot der Start über 10 km beim internationalen Straßenlauf „Rund ums Bayerkreuz“ in Leverkusen. Vielleicht mit einem Essener Sieger.

Georg Lukas

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