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Interview

Tusem-Trainer Herbert Stauber: „Gekämpft und zurückgekommen“

05.09.2012 | 18:24 Uhr
Tusem-Trainer Herbert Stauber: „Gekämpft und zurückgekommen“
Herbert Stauber (Tusem-A-Jugend Trainer)Foto: Dieter Meier

„Bodenständig, ehrgeizig, hart aber fair, hilfsbereit, ein Macher und Stratege.“ So wird Herbert Stauber (37) in seinem Bekanntenkreis charakterisiert. Es fehlt vielleicht noch das Attribut „fleißig“, denn immerhin war er stets bereit, viele Aufgaben gleichzeitig zu übernehmen. Im Studium der Psychologie und Pädagogik mit mehreren Nebenjobs – später im Beruf als Leiter des SOS Kinderdorfs in Düsseldorf sowie als sportlicher Koordinator und langjähriger Trainer beim Tusem. Dieter Meier, Mitarbeiter dieser Zeitung, sprach mit ihm über den Spagat zwischen Beruf, Sport und Familie.

Mit zehn Jahren sind Sie gemeinsam mit ihren Eltern und der Schwester aus Rumänien nach Essen gekommen. Wie sind Sie damals aufgenommen worden?

Stauber: Als Zuwanderer benötigten wir ein neues Netzwerk. Meine Eltern haben hart gearbeitet, um meine Nachhilfestunden zu finanzieren. Sie haben mir damit den schulischen Anschluss sehr erleichtert. Sportlich bin ich aber meinen eigenen Weg gegangen. Der Handballsport war ein Integrationsfaktor für mich. Da hat man mich so genommen wie ich war, auch ohne ausreichende Deutschkenntnisse oder Markenjeans. Nach der ersten Station beim ETB bin ich zur C-Jugend des Tusem gewechselt.

Sie waren mit der Tusem-Jugend sehr erfolgreich. Neben zahlreichen Niederrhein- und Westdeutschen Titeln wurde Sie als Kapitän der A-Jugend 1994 unter der Regie von Bob Hanning Deutscher Meister. Jetzt sind Sie Trainer und Koordinator der Handballabteilung. Es wird gemunkelt, das Sie im Hintergrund maßgeblich an den „Fäden“ ziehen.

Das ist so nicht richtig. Ich verstehe mich als Teamplayer und Förderer der Jugend in Essen. Ich bin Teil eines tollen Teams, liebe diesen Verein und freue mich, die Geschicke mitgestalten zu können. Dabei habe ich vor allem von Klaus Schorn viel gelernt. Ion Bondar und Bob Hanning haben mir beigebracht, sportlich professionell zu arbeiten. Und unter Niels Ellwanger helfe ich nun mit, die Zukunft für den Tusem positiv zu gestalten.

Der Tusem spielt nun wieder in der stärksten Liga der Welt. Die A-Jugend hat sich in der Bundesliga etabliert und in der Vorsaison das DM-Viertelfinale erreicht. Der restliche Nachwuchs gehört am Niederrhein zu den Besten. Wie sind diese Ergebnisse einzuordnen?

Dieser Erfolg hat viele Väter. Mein Anteil ist da relativ klein. Ich kann nur das gesamte Team um Abteilungsleiter Niels Ellwanger loben, mit dem wir als Führungspersönlichkeit den einzigen richtigen Weg von Anfang an eingeschlagen haben. Niels kann Menschen begeistern und führen, gleichzeitig den Wirtschaftsbetrieb eines Bundesligisten mit all seinen Facetten verstehen.

Der Tusem ist die eine Facette in deinem Leben. Die andere ist die Aufgabe als Leiter des SOS Kinderdorfs in Düsseldorf, das Sie vor drei Jahren aus der „Taufe“ gehoben und zu einer festen Größe mit derzeit 45 Mitarbeitern entwickelt hast. Wie lässt sich das alles vereinbaren?

Das ist in erster Linie eine Frage der Organisation, der Disziplin und auch des Teams. Ohne Begeisterung geht es jedoch nicht – egal ob im Auftrag der Familie, des SOS Kinderdorfs oder im Handball. Das versuche ich auch meinen Spielern vorzuleben und ihnen ein Vorbild zu sein.

Hat der bedingungslose Einsatz nicht auch einen gesundheitlichen Tribut gefordert?

Nicht der Einsatz; Ich habe meinen Körper überschätzt. Das ist eine Episode in meinem Leben, die ich gerne verhindert hätte. Der Herzinfarkt mit 30 Jahren war einschneidend. Aber ich habe gekämpft und ich bin zurückgekommen.

Dieter Meier



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