Tusem steckt in der Reifeprüfung

Rücken noch enger zusammen:  Justin Mürköster und Malte Seidel (TUSEM).
Rücken noch enger zusammen: Justin Mürköster und Malte Seidel (TUSEM).
Foto: Michael Gohl
Essener warten seit vier Spielen auf einen Sieg.Am Freitag kommt ausgerechnet Spitzenreiter SG BBM Bietigheim.

Viereinhalb Wochen ist es her, da durften die Handballer vom Tusem Essen das letzte Mal jubeln. In der 2. Bundesliga wartet die Mannschaft von der Margarethenhöhe seitdem auf ein Erfolgserlebnis: Der Tusem ist auf den 15. Platz gerutscht, damit wieder in der Abstiegszone angekommen. Eine schwierige Phase in der noch jungen Saison, in der die Essener möglichst schnell reifen müssen.

Die vergangenen Niederlagen hatten alle ihren eigenen faden Beigeschmack. Erst die ungewohnt deutliche 24:28-Heimpleite gegen Rimpar, dann die verspielte Führung in Hamm und zuletzt scheiterte der Tusem an zwei Aufsteigern. Nicht immer war es nur das Pech. Das Spiel in Hamm haben die Essener definitiv selbst aus der Hand gegeben, wer mit sechs Toren bis Mitte der zweiten Halbzeit führt, der sollte den Sieg über die Zeit retten können. Und auch bei der SG Leutershausen bestand die Chance auf einen Punkt, denn kurz vor dem Ende stand es noch 23:23, ehe sich der Aufsteiger als nervenstärker bewies.

Oftmals zeigte der Tusem gute Leistungen und ein Fortschritt ist in der Entwicklung erkennbar. Doch jetzt muss es schneller gehen. Dass das in dieser ausgeglichenen Liga nicht einfach wird, war in den letzten Wochen sichtbar.

Der Tusem hielt gegen seine Gegner immer gut mit, in den entscheidenden Situationen fehlte dann jedoch die nötige Entschlossen- und Abgezocktheit. Chancen aus besten Positionen wurden liegen gelassen, in der Defensive offenbarte sich in den Schlussphasen die eine oder andere Lücke zu viel und so behielten die Gegner Oberwasser. Teilweise zu nervös agierten die Essener, was durchaus auch dem niedrigen Altersschnitt der Mannschaft geschuldet ist. Gegen Leutershausen war jeder Spieler im Schnitt 22 Jahre jung und dementsprechend noch nicht mit der nötigen Routine ausgestattet, die beispielsweise ein Michael Hegemann mit seinen 39 Jahre auf die Platte bringt. „Man muss es wohl auch auf die Nervosität zurückführen. Wir haben in Leutershausen zu viele technische Fehler gemacht“, erklärt Trainer Stephan Krebietke. Abstimmungsprobleme im Aufbauspiel sorgten für teils haarsträubende Fehler, die sich die Gegner nur selten nehmen ließen.

Auch die derzeitigen Verletzungssorgen plagen den Tusem und schränken ihn in seinen Möglichkeiten ein. Mit Pasqual Tovornik, Michael Kintrup und auch Carsten Ridder fehlen wichtige Optionen. Ridder als guter Verteidiger, sowie Tovornik und Kintrup als Linkshänder im Rückraum. Der Kader ist seit Saisonbeginn dünn besetzt, schnell werden Ausfälle zur Gefahr.

All das führt dazu, dass dem Tusem die Punkte davonlaufen. Am Ende der Saison kann jede knappe Niederlage doppelt schmerzen, vor allem gegen die direkten Konkurrenten. Und jede dieser trägt nicht zwingend zur allgemeinen Sicherheit bei, Selbstvertrauen müssen sich die Essener durch Siege holen. Das ist leichter geschrieben, als getan. Zumal die Aufgaben in der Liga nicht zwingend einfacher werden. Am Freitag kommt der Tabellenführer SG BBM Bietigheim nach Essen (Anwurf 19.30 Uhr, Am Hallo). „Vielleicht kommt dieser Gegner genau zur richtigen Zeit“, hofft Krebietke darauf, dass der Mannschaft die Rolle als „Underdog“ besser liegt.

Gewiss kommt man aus einem Negativlauf nicht so schnell und einfach wieder heraus, dazu muss schon einiges funktionieren. Die Grundlagen beim Tusem sind da, nur der Endspurt in den Spielen muss wieder sitzen. Die jungen Spieler müssen dafür jetzt möglichst schnell reifen, erwachsene Handballer werden.