Tusem geht im Abstiegskampf auf Nummer sicher

Fordert einen Sieg gegen Hüttenberg: Tusem-Coach Mark Dragunski.
Fordert einen Sieg gegen Hüttenberg: Tusem-Coach Mark Dragunski.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach dem Lizenzentzug des Konkurrenten Großwallstadt steigen möglicherweise sportlich nurnoch drei Klubs ab, sodass die Essener bereits gerettet wären. Trainer Mark Dragunski fordert trotzdem Sieg in Hüttenberg.

Nein, sie haben auf der Margarethenhöhe nicht gejubelt, als die Nachricht durchsickerte, dass der Liga-Konkurrent TV Großwallstadt keine Lizenz bekommt. Es herrschte eher Betroffenheit, denn der Tusem weiß nur allzu genau, wie es sich anfühlt, wenn man am Grünen Tisch zum Abstieg verdonnert wird. Aber rein formal betrachtet, könnte es sein, dass das Großwallstädter Leid etwas Gutes hat für die Klubs, die noch im Abstiegskampf verstrickt sind. Und dazu gehört bekanntlich auch Tusem Essen auf Rang 15. Die Lage ist unsicher, weshalb es für Tusem-Trainer Mark Dragunski für das Spiel am Samstag beim Absteiger TV Hüttenberg (19.30 Uhr, Hauptstr.) nur eine Devise gibt: „Wir verlassen uns nicht auf irgendwelche Vermutungen, sondern schauen nur auf uns und wollen punkten.“

Kaum war der Lizenzentzug für Großwallstadt publik, stand für einige fest: Der Abstiegskampf in der 2. Bundesliga ist entschieden. Diese These setzt aber voraus, dass die „Handball-Bundesliga“ (HBL) die Großwallstädter in die Zahl der vier Absteiger einrechnet. Dann wäre der aktuelle Tabellenviertletzte Bayer Dormagen bereits gerettet, weil die Mannschaften dahinter, wie TV Hüttenberg, abgeschlagen sind. „Es gibt faktisch einen sportlichen Absteiger weniger“, wird HBL-Sprecher Oliver Lücke im Internetportal „Handball-World“ zitiert.

Allerdings existiert auch noch eine Durchführungsbestimmung der HBL. Diese besagt, dass „im Falle eines Zwangsabstiegs durch Lizenzverweigerung die Sollstärke von 20 Mannschaften wieder hergestellt werden sollte.“ Vier Klubs aus der 1. Bundesliga steigen ab, drei aus der 2. Liga auf, sodass die kommende Spielzeit im Unterhaus mit 21 Mannschaften geplant ist. Die entsprechende Passage in der Abstiegsreglung lautet: „Sollte ein Verein, der am Ende der Saison auf einem Nichtabstiegsplatz steht, keine Lizenz erhalten oder keine Lizenz beantragen oder sein Startrecht nicht wahrnehmen, steigt dieser Verein zusätzlich zum Tabellensiebzehnten bis Tabellenzwanzigsten ab.“

Laut „Handball-World“ wird diese Reglung aber wohl nicht angewendet, weil sie nur vom Präsidium beschlossen worden ist. Sie bedarf aber der Zustimmung aller Mitgliedsvereine mit Dreiviertel-Mehrheit. Doch ein solcher Beschluss existiert nicht.

Die Mainfranken haben aber auch noch die Chance, sich einzuklagen, wie es vor einem Jahr in letzter Sekunde dem Erstligisten HSV Handball gelungen war. „Der TVG kann nach wie vor die verbandsrechtlichen Wege gehen, also auch das Schiedsgericht anrufen“, bestätigt HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser. Auch der Gang vor ein ordentliches Gericht wäre denkbar. Nach Zugang des Bescheides hat Großwallstadt eine Woche Zeit, um das Urteil der HBL anzufechten.

Trainer Mark Dragunski indes will auf Nummer sicher gehen. Das letzte Auswärtsspiel der Saison beim Absteiger TV Hüttenberg wird aber erneut eine Herausforderung für die Essener. Sie haben zwar vor einer Woche in Saarlouis (29:22)souverän gewonnen, doch insgesamt ist die Auswärtsbilanz wenig berauschend. Und Hüttenberg hat zuletzt immerhin respektable Ergebnisse erzielt gegen Hamm (31:24), in Rostock (26:26) und Henstedt-Ulzburg (21:22).

Der Tusem muss auf dem verletzten Rückraumspieler Dennis Szczesny verzichten, der am Knie operiert werden muss und wohl lange ausfallen wird.