Tusem Essen vor dem Training im WM-Fieber

Nationalspieler Patrick Wiencek (r.), dessen Karriere vor sechs Jahren bei Tusem  Essen begann, trifft heute mit der deutschen Mannschaft auf Gastgeber Katar.
Nationalspieler Patrick Wiencek (r.), dessen Karriere vor sechs Jahren bei Tusem Essen begann, trifft heute mit der deutschen Mannschaft auf Gastgeber Katar.
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Was wir bereits wissen
WM-Viertelfinale in Katar - und das deutsche Handball-Volk fiebert mit. Die deutsche Nationalmannschaft trifft an diesem Mittwoch (16.30 Uhr/live in Sky) auf den arabischen Gastgeber. Und natürlich lässt sich auch Zweitligist Tusem Essen daheim dieses Ereignis nicht entgehen.

WM-Viertelfinale in Katar - und das deutsche Handball-Volk fiebert mit. Die deutsche Nationalmannschaft trifft an diesem Mittwoch (16.30 Uhr/live in Sky) auf den arabischen Gastgeber. Und natürlich lässt sich auch der Tusem daheim dieses Ereignis nicht entgehen. Kurz vor dem Spiel werden es sich die Zweitliga-Profis im Hallenfoyer auf der Margarethenhöhe bequem machen und das Spiel live verfolgen. Der Hausmeister - mit der Lizenz fürs Bezahlfernsehen - wird dort wie am Montag beim Achtelfinale der Deutschen gegen Ägypten eine Leinwand aufbauen Und dann kann’s losgehen. Daumen drücken. Das Training wird dafür etwas nach hinten verschoben. „Das ist zwar ein bisschen doof. Aber klar, wir müssen das sehen“, sagt Tusem-Trainer Mark Dragunski.

Strategisch geplant

„Und das wird nicht einfach“, ahnt der Essener Coach. „Wo Katar drauf steht, ist nicht unbedingt Katar drin“, begründet er seine Vorsicht. Der Gegner ist zwar vom Namen her ein Exot, aber der ehrgeizige Gastgeber hat frühzeitig dafür gesorgt, dass er mithalten kann. Als Katar im Januar 2011 den Zuschlag für die Ausrichtung der WM bekam, wurde strategisch geplant. Katars Trainer Valero Rivera, der mit dem FC Barcelona rund 70 Titel geholt hat, führte zunächst Spanien 2013 zum WM-Titel.

Zwei Tage danach, an seinem 60.Geburtstag, so heißt es, kam der Anruf aus der Wüste vom Handballverband Katar. „Das war das Angebot meines Lebens“, wird der Erfolgstrainer zitiert. „Ich würde mich noch heute schwarz ärgern, wenn ich abgesagt hätte.“ Katar kaufte weiter ein. Anders als die Fußballer können die Handwerker auch das Nationaltrikot wechseln. Für Katar spielen: der Franzose Betrande Roine, der Spanier Borja Vidal, der Kubaner Rafael Capote, der Serbe Goran Stojanovic, der Bosnier Danijel Saric, der Montegriner Zarko Markovic. „Auch ganz schön viel Balkan dabei“, schmunzelt Dragunski.

Der Tusem-Trainer hat ja selbst als Kreisläufer einen beachtliche Karriere in der Nationalmannschaft hinter sich, 2003 war er Vize-Weltmeister, 2004 Europameister. Danach war Schluss. Lang ist’s her, doch Dragunski hat noch gemeinsam mit Carsten Lichtlein in einem Team gestanden, dem Torwart, der aktuell mit seinen Weltklasseparaden in Katar für Furore sorgt. „Für ihn freut es mich wahnsinnig“, sagt der „Lange“ vom Tusem. Lichtlein war stets dabei, aber als Nummer drei meist außen vor. „Es war keine einfache Zeit für ihn, da musst du manche Kröte schlucken. Aber er war immer schon ein sehr positiver Typ.“

Wie Lichtlein haben auch dessen Teamkollegen Feuer gefangen. Die Deutschen seien ohne Druck angereist, sagt Dragunski. Kaum einer habe ihnen so richtig etwas zugetraut. Dann kam auch noch das Verletzungspech hinzu. „Eine Wundertüte“ sei es gewesen, findet Mark Dragunski. „Da kann man mal sehen, wie Erfolg eine Mannschaft mitreißen kann.“

Für Deutschland läuft auch Patrick Wiencek (25) auf, Kreisläufer wie einst Mark Dragunski. 2008 hat der Blonde in der 2.Liga das Tusem-Trikot getragen, wurde anfangs belächelt, weil er ein wenig tapsig wirkte. Schon 2009 wurde er als Novize mit der deutschen U20 in Ägypten Weltmeister. Heute spielt Wiencek beim THW Kiel, ist bereits zweimal Deutscher Meister geworden und international top. Auch das eine Entwicklung, die so nicht zu erwarten war.