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Tusem: Die lange Leidenszeit des Philipp Pöter

28.12.2012 | 18:16 Uhr
Tusem: Die lange Leidenszeit des Philipp Pöter
Philipp Pöter.Foto: Michael Gohl

Das Jahr 2012 begann sportlich für Philipp Pöter mit einer tollen Rückrunde in der 2. Handball-Bundesliga, die mit Platz zwei und dem Aufstieg des Tusem gekrönt wurde. Die Erstliga-Saison währte für den 26-Jährigen aber erst einmal nur fünf Spiele. Im September verletzte er sich. Im kommenden Februar will er wieder dabei sein.

Die 1. Handball-Bundesliga war sein Traum. Seiner und der seiner Mannschaftskollegen vom Tusem. Und er erfüllte sich. Philipp Pöter, Handball-Profi gebürtig aus Marl, stieg mit dem Traditionsklub von der Margarethenhöhe in die „stärkste Liga der Welt“ auf. Es war die Krönung seiner drei Jahre in Essen, in denen er immer mehr in die Rolle des Spielmachers, des Kopfes der Mannschaft, hineinwuchs. Aufstiegsfeier auf dem Marktplatz Margarethenhöhe, Mannschaftsfahrt nach Mallorca. Die Stimmung hätte nicht besser sein können.

Die Saison in der Eliteliga begann für den Tusem mit einer ernüchternden 20:40-Schlappe in Flensburg. Die junge Essener Mannschaft, in der Philipp Pöter mit seinen 26 Jahren zu den Erfahrenen zählt, zahlte gleich kräftig Lehrgeld.

„Bis dahin hat es trotzdem wahnsinnig viel Spaß gemacht, auch wenn wir in Gummersbach und Minden leider nichts geholt haben - obwohl es möglich war“, sagt Pöter rückblickend. Bis dahin, das war der 15. September in Minden. „Ich habe zwar leichte Schmerzen gehabt, aber bei dem Adrenalin im Spiel kriegst du das nicht mit“, erinnert sich Pöter. „Vielleicht habe ich es auch nicht wahrnehmen wollen.“ Er spielte bis zum Abpfiff. Danach konnte er aber nur noch humpeln. Ein Längsriss im Innenmeniskus wurde diagnostiziert. „Bänderrisse, das ist ja schon fast normal, aber das war meine erste schwere Verletzung“, sagt der 26-Jährige. Drei Tage nach der Operation war er wieder Zuhause. Medikamente linderten den Schmerz. Dann humpelte er sechs Wochen auf Krücken durch die Gegend, hockte bei dem Tusem-Spielen auf der Tribüne. „Der erste Schritt ohne Krücken war damals so, als wäre ich vorher noch nie gegangen.“ Doch Philipp Pöter machte Fortschritte – auch dank der Therapeuten Britta und Uwe Schwartz. „Sie haben tolle Arbeit geleistet“, erzählt Philipp Pöter.

Für die Spielerbank ist es trotzdem noch zu früh für ihn. Er saß zuletzt direkt dahinter, litt mit. Sprichwörtlich in der zweiten Reihe. „Als ich noch auf Krücken unterwegs war, war es nicht so schlimm, von der Tribüne zuschauen zu müssen. Da wusste ich ja, es geht nicht.“ Jetzt, wo er sich wieder einigermaßen bewegen kann, macht die erzwungene Tatenlosigkeit zusätzlich ungeduldig. „Gegen Flensburg habe ich die Jungs beneidet. Die tolle Stimmung in der Halle. Wir haben das Spiel lange offen gehalten. Am liebsten wäre ich aufs Spielfeld gesprungen.“ Und trotzdem: „Ein normal Berufstätiger wäre vermutlich längst wieder gesund geschrieben.“ Doch dieser Mann hat nun mal keinen Schreibtisch-Job. Er ist Handball-Profi. An seine Arbeitsfähigkeit sind andere Bedingungen geknüpft.

Bis er wieder auflaufen kann, muss er noch ein wenig warten, etwas Geduld aufbringen. Und hart arbeiten. Die Zeit der Krücken sind natürlich schon längst vorbei. Und auch für die Zeit, in denen er nur für Sponsorentermine das rote Tusem-Trikot überzog, scheint ein Ende in Sicht. Anfang Januar will er begleitend zu Reha-Maßnahmen in die Vorbereitung mit der Mannschaft einsteigen. „Bis jetzt läuft alles nach Plan“, sagt Philipp Pöter.

Sein persönlicher Plan ist es, am 8. Februar gegen Gummersbach, wenn die Saison nach der WM-Pause fortgesetzt wird, aktiv dabei zu sein. Über vier Monate wären es dann, dass Pöter nicht auf dem Parkett gestanden hätte. „Es wäre toll, wenn das klappen würde.“

„Wir werden noch einige Punkte holen“

Bisher konnte der Tusem die namhaften und meist mit internationalen Stars bestückten Gegner in der 1. Liga nur ärgern. „Die anderen Klubs haben sehr starke Individualisten und sie sind zudem breiter aufgestellt“, sagt Philipp Pöter angesichts der Konkurrenz. Für die Zukunft ist der Handballer, der einen Vertrag bis 2014 hat, aber durchaus optimistisch. „Bisher können wir über die volle Spielzeit noch nicht mithalten. Wenn Julius Kühn wieder voll einsatzfähig und ich auch wieder dabei sein werde, können wird das Tempo eher mitgehen und die zweite und dritte Welle über sechzig Minuten spielen.“ Wenn alle Spieler fit blieben, „werden wir noch einige Punkte holen – da bin ich mir sicher“. Ob es am Ende reichen wird, weiß Pöter nicht. Den Klassenerhalt hat er auf jeden Fall noch nicht abgeschrieben. „Es wird schwer, aber wir können es noch schaffen. Und falls es nicht reichen sollte, müssen wir aber sagen können, dass wir alles getan haben“.

Der Abstieg ist ein Faktor, den die Tusem-Verantwortlichen bekanntlich beim Aufstieg in die Kalkulation einfließen ließen. Sollte es so kommen, wollen sie mittelfristig wieder zurückkehren.

Dietmar Mauer



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