Trainer Dragunski muss gehen

Der  Vorgänger und sein Nachfolger:  Stephan Krebietke und Marc Dragunski .
Der Vorgänger und sein Nachfolger: Stephan Krebietke und Marc Dragunski .
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Neuer Chefcoach ist der frühere Sportliche LeiterStephan Krebietke. Dragunski kehrt zurück in den Nachwuchsbereich.

Die Saison in der 2.Handball-Bundesliga ist vor einer Woche zu Ende gegangen, und der Tusem durfte nach unsäglichem Verletzungspech und einem zähen Abstiegskampf erleichtert auf den Klassenerhalt anstoßen. Das Minimalziel hatte der Klub damit erreicht. Die Führungsetage um Geschäftsführer Niels Ellwanger sieht dennoch Handlungsbedarf. Mit der Konsequenz: Mark Dragunski ist nicht mehr Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft.

Er kehrt wieder zurück ins zweite Glied, wird Jugendkoordinator und übernimmt als Trainer die zweite Mannschaft in der Oberliga. Neuer Chefcoach ist Stephan Krebietke, der bisherigen Sportliche Leiter. Krebietke hatte schon in der abgelaufenen Saison bei den Zweitliga-Spielen mit auf der Bank gesessen, mitunter auch Trainingseinheiten geleitet. Daniel Haase wird dessen Co-Trainer, bleibt aber Coach der A-Jugend in der Bundesliga. Krebietkes Posten wiederum erhält Herbert Stauber, der viele Jahre lang das Oberliga-Team betreut hatte.

Wie so oft in solchen kniffligen Situationen versuchen die Entscheider, den Ball möglichst flach zu halten. „Zur neuen Saison haben die Handballer des Tusem die Verantwortung im sportlichen bereich neu sortiert und vergeben“, heißt es offiziell.

Man sei Dragunski sehr dankbar, dass er damals ins kalte Wasser gesprungen ist und 2013 nach dem Erstliga-Abstieg den Job von Christian Prokop übernahm, der die Margarethenhöhe in Richtung Leipzig verlassen hatte. „Mark hat in den letzten beiden Jahren den schwierigen Umbruch mitgestaltet und in dieser Saison erheblich am Klassenerhalt beigetragen“, sagt Ellwanger. „Aber er trainiert einige Spieler nun schon sechs bis acht Jahre lang. Wir wollen mit diesem Wechsel neue Impulse und Akzente setzen, um das Team bestmöglich und schneller zu entwickeln. Die Spieler sollen vom neuen Trainerteam anders angesprochen werden und neue Dinge lernen.“ Dass man „System imanent“ weiterarbeiten könne, sieht Ellwanger als Vorteil. Ein neuer Trainer hätte mehr gekostet, und Geld fällt beim Tusem bekanntlich in die Problemzone.

Mark Dragunski war völlig baff, als ihm die Entscheidung vergangene Woche mitgeteilt wurde. Noch vor dem letzten Saisonspiel gegen Bittenfeld hatte er dieser Zeitung gesagt: „Ich gehe davon aus, dass ich Trainer bleibe und habe auch nichts anderes gehört.“ Dabei hätte er schon stutzig werden können, denn der Sportliche Leiter Stephan Krebietke äußerte sich eher zurückhaltend. Ein klares Votum für Dragunski kam von ihm nicht, was auch andere Gründe haben könnte. „Das ist eine Vorstandsentscheidung. Mich hat man da rausgehalten. Zum Glück, denn Drago und ich sind bekanntlich dicke Kollegen.“ Auch Krebietke attestiert Dragunski eine vernünftige Arbeit und „ein gutes Ergebnis, so wie es gelaufen ist“. Aber der Wechsel könne auch für neuen Schwung sorgen. „Ich freue mich darauf.“

Zukunft im Profibereich

Natürlich ist Mark Dragunski, der beim Tusem einen unbefristeten Arbeitsvertrag besitzt, enttäuscht, vor allem über den Zeitpunkt der Entscheidung. Zumal er bekennt, dass er seine Zukunft nach wie vor im Profibereich sieht. Es war ein hartes Jahr auch für ihn, eine Saison, die an die Substanz ging.„Ich habe mir aber nichts vorzuwerfen und einen guten Job gemacht“, findet er. Man habe in der Endabrechnung sechs Punkte Vorsprung zum ersten Abstiegsplatz und die Lücke zu den Mannschaften davor geschlossen. Außerdem habe er weitere junge Spieler wie Joshua Schlüter in die Mannschaft eingebaut. „Angesichts der Umstände war es unterm Strich eine ordentliche Saison. Und das Wichtigste für mich ist, dass ich das Ding nicht vor den Baum gefahren habe.“

Beim Blick nach vorn bleibt er im Bild. „Jetzt mache ich halt im Nachwuchsbereich weiter und gebe nun dort Vollgas.“