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Kurzbahn-EM in Rijeka

Schwimmen: Die neue Perspektive

11.12.2008 | 14:11 Uhr

Essen. SGE-Brustschwimmerin Caroline Ruhnau startet als Deutsche Meisterin in Kroatien erstmals international. Der überraschende Leistungsschub hat bei der Sportstudentin neuen Ehrgeiz geweckt

Die Startgemeinschaft hatte sich einiges ausgerechnet bei der Kurzbahn-DM im Hauptbad. Ein paar Medaillen sollten es werden, hatte Trainer Henning Lambertz kalkuliert. Und den einen oder anderen Titel hatte er sich auch erhofft. Klar, schließlich ist die Neu-Essenerin Daniela Samulski eine nationale Spitzenkraft.

Deshalb waren die drei Siege der blonden Olympia-Teilnehmerin auch keineswegs eine Überraschung. Für die sorgte dann Teamkollegin Caroline Ruhnau. Die 24-Jährige war lange nicht mehr aufgetaucht im Becken der Schwimm-Elite. Doch seit knapp zwei Wochen ist sie Deutsche Meisterin über 100 m Brust sowie Vize-Meisterin über die 200 m. Und sie hat sich – wie Daniela Samulski und Rafed El-Masri – für die Kurzbahn-EM qualifiziert, die von heute bis Sonntag im kroatischen Rijeka ausgetragen wird.

Foto:Kerstin Kokoska/WAZ Essen 04.12.2008 Schwimmerin Caroline Runau

Im internationalen Gewässer ist Ruhnau eine Novizin, daheim bei der SGE dagegen eine gestandene Leistungsträgerin, die sich stets in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. „Wenn eine diesen Titel verdient hat, dann Caroline”, lobt der SGE-Vorsitzende Bernhard Gemlau. „Sie ist von Beginn an dabei und hat alle Höhen und Tiefen bei uns mitgemacht.” Die gebürtige Münsteranerin ist niemand, der vollmundig auf den Putz haut. Sie macht ihren Job, zuverlässig und diszipliniert. Dass Ruhnau plötzlich in der Öffentlichkeit gefragt ist, stört sie nicht weiter. „Ich war ja auch schon mal Sportlerin des Jahres in Münster.” Im Jahr 2000 war das. Damals hatte sie bei der Junioren-EM Silber über 200 m Brust gewonnen und war bei der Kurzbahn-DM in der offenen Klasse Dritte geworden über 100 m. „Das ist lange her, und da war ich auch noch etwas schüchtern”, sagt sie und muss schmunzeln.

Die Jahre sind vergangenen, und die Schwimmerin Caroline Ruhnau ist nicht mehr großartig aufgefallen. Sie hat ihr Sportstudium in Bochum begonnen und ist jetzt im achten Semester. „Eigentlich sollte es mein letztes sein, im März wollte ich meinen Abschluss machen.” Doch dann kam dieser letzte Freitag im November dazwischen, der ihr ganz neue Perspektiven eröffnete und das Studium wohl bis September 2009 verlängert wird.

Trainer Henning Lambertz hatte Caroline Ruhnau auf Bestform getrimmt. Das war bereits nach dem Vorlauf über 100 m Brust klar. 1:07,34 Min. hatte sie vorgelegt und die eigene Bestzeit um zwei Sekunden gedrückt. Damit war Ruhnau die Schnellste in der Konkurrenz und blieb es mit der exakt gleichen Zeit im Finale. Gold! Über die 200 Meter steigerte sie sich sogar um vier Sekunden und wurde mit 2:25,29 Min. Vizemeisterin.

Die junge Frau lobt die neue, frische Atmosphäre bei der SGE und den Teamgeist. „Trotz der vielen Zugänge haben wir uns unheimlich schnell gefunden.” Alles laufe nun disziplinierter und professioneller ab im Trainingsalltag. Und es macht sogar noch mehr Spaß. Auch weil zur Trainingsgruppe Troy Arnicke, Hendrik Feldwehr und Rebecca Horstmann gehören. Allesamt ambitioniert. Das motiviert natürlich. Eine Zeitlang war Ruhnau mehr oder minder nur eine Einzelkämpferin.

Video
Am letzten Tag der Kurzbahnmeisterschaften in Essen stellt DerWesten die erfolgreiche Schwimmerin Daniela Samulski vor.

Hatte sie mit einem solchen Leistungsschub gerechnet? Wieder lacht die Meisterin: „Nee, auf keinen Fall”, antwortet sie. „Ich habe vor dem Endlauf nur gehofft, dass ich diese Zeit noch einmal schwimmen kann.” Mit Rang drei wäre sie wohl zufrieden gewesen. Auch die Mutter hatte ihr geraten: „Sei nicht traurig, wenn du Fünfte wirst.”

Auf dieser Position lag sie dann lange Zeit in einem engen Rennen. Aber die SGE-Schwimmerin kann kämpfen. Und holte auf. „Die Halle hat getobt”, erinnert sie sich. Und nach dem Anschlag hatte sie Gewissheit: 1. Caroline Ruhnau. Unglaublich.

Nun startet sie am Samstag bei den kontinentalen Titelkämpfen. Locker, aber ehrgeizig. „Für mich ist es keine Bürde. Ich bin das erste Mal im DSV-Kader dabei, Daniela spürt da sicherlich größeren Druck.” Mit ihrer Zeit über 100 m Brust rangiert Caroline Ruhnau auf Platz acht in der europäischen Bestenliste. Das könnte fürs Finale reichen. „Ich freue mich total”, strahlte sie vor dem Abflug. „Wenn ich ins Semi-Finale komme, wäre das super. Andernfalls wäre ich aber auch nicht traurig.”

Es gibt ja noch eine WM im nächsten Jahr in Rom. „Das wäre doch was”, träumt „Caro”. Aber bei der Universiade in Belgrad will sie auf jeden Fall dabei sein.

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Rolf Hantel

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