Schon wieder Existenzkampf

Blick in eine ungewisse Zukunft: Eugen Alanov.
Blick in eine ungewisse Zukunft: Eugen Alanov.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Moskitos stehen vor dem Aus, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. 90 000 Euro fehlen - erneut ein riesiges Loch, das binnen Tagen zu füllen ist. 1089 Fans strömten am Sonntagabend zum Derby gegen Duisburg, das der ESC mit 2:6 verlor.

Es ist alles eine Frage der Perspektive“, das hatte diese Zeitung vor wenigen Tagen geschrieben. Die Stimmung war da schon im Keller gewesen: Jan Barta, Kapitän des Eishockey-Oberligisten ESC Moskitos, hatte die mangelnde Zuschauerresonanz beklagt, trotz der erfolgreichsten Saison seit Jahren. Dass die Gründe für die schlechte Laune noch tiefer liegen könnten, hatte man ahnen können. Raus mit der Sprache rückte der Insolvenzverwalter am vergangenen Freitag (wir berichteten). 90 000 Euro fehlen! Erneut ein riesiges Loch im Etat, das binnen Tagen zu füllen ist. Sonst ist das nun 20 Jahre andauernde Kapitel „ESC“ zu Ende.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich die Moskitos trotz aller Widrigkeiten nicht aufgeben, Barta und Co. feierten am Freitag einen 7:4-Sieg bei Tornado Niesky. Das muss man erst einmal hinkriegen: Ein Minikader, von Geldsorgen geplagt, macht sich auf in die weit entfernte Oberlausitz – und gewinnt trotzdem. „Was die Mannschaft geleistet hat, verlangt meine absolute Hochachtung“, so Manager Michael Rumrich, der seinen Trainer Frank Gentges in Sachsen vertreten hatte. Am Sonntag war dann Duisburg aber eine Nummer zu groß, der ESC verlor mit 2:6.

Ergebnisse sind in diesen Tagen nebensächlich: Es geht um die Existenz des Klubs, der vor dem Aus steht. Dreimal musste der ESC Moskitos in seiner kurzen Geschichte Insolvenz anmelden: 2002, 2008 und 2011. Nun geht schon wieder nichts mehr. 90 000 Euro wollen erst einmal aufgebracht werden, weitere Investitionen in die sportliche Zukunft müssen getätigt werden. Es gibt keine Insolvenz mehr, das hatte Insolvenzverwalter Christoph Niering gegenüber dieser Zeitung betont. Entweder es geht weiter – oder eben nicht.

Dunkler Schatten

Niering hat gut daran getan, seinen Aufruf vor allem mit der Jugendabteilung zu verknüpfen. Natürlich: 180 Youngster kommen im Zweifel auch woanders unter. Und dennoch bieten die Moskitos eine Heimat, die man gerade in jungen Jahren nicht so gerne verlässt. Und erfolgreich gearbeitet wird dort beim ESC ganz nebenbei auch noch.

Doch da ist eben der Schatten: Immer und immer wieder fehlt Geld. Sponsoren, die sich verabschiedet haben. Viele, die zahlen wollten, aber nicht gezahlt haben. Enttäuschte Versprechungen – eine enttäuschende Resonanz. Manager Michael Rumrich und Co. hatten die Fans mit in die Pflicht genommen, um die Pläne, irgendwann einmal wieder um den Aufstieg in die DEL 2 mitzuspielen, in die Tat umsetzen zu können. Doch die Fans zierten und zieren sich. 500, vielleicht 600 Zuschauer kommen im Schnitt. Mal mehr, mal weniger. Immerhin: Am Sonntag, beim 2:6 gegen Duisburg, dem ersten Heimspiel nach dem Notruf durch den Insolvenzverwalter, kamen 1089 Zuschauer zum Westbahnhof (ein Teil davon natürlich Gästefans). Wie nachhaltig das ist, müsste man abwarten. Doch die Moskitos haben keine Zeit.

Der Klub kämpft um sein Fortbestehen: Der ESC hat angekündigt, in diesen Tagen ein Treuhandkonto für Spenden einzurichten. Man erfahre breite Unterstützung, heißt es. Übrig bleibt aber allein die Frage nach der Perspektive für den Eishockey-Standort Essen: Gibt es sie, oder gibt es sie nicht?

Diese Frage muss allein ein möglicher Geldgeber für sich beantworten. Sei es die Stadt oder ein privater Sponsor.