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RWE Trainer Waldemar Wrobel: Kommissar Fußball

10.10.2012 | 20:28 Uhr
RWE Trainer Waldemar Wrobel: Kommissar Fußball
Gelebter Teamgeist: RWE-Waldemar Wrobel bejubelt mit seinen Spielern den späten Siegtreffer gegen den 1.FC Köln II.Foto: Michael Gohl

Waldemar Wrobel (42) wirkt entspannt, der Blutdruck ist halbwegs wieder im Normbereich. Sein Team hatte gerade 0:0 gegen die U23 des FC Schalke gespielt und zufrieden, aber nicht kritiklos, schilderte der RWE-Trainer seine Sicht der Dinge. Wie immer um Objektivität bemüht: „Wer das Spiel gesehen hat, kann nur zu dem Ergebnis kommen...“, sagt Wrobel, der Analytiker. Die Rot-Weißen gehören zwar zur Regionalliga-Spitzengruppe, doch Jubelarien mag der Trainer nicht hören, Pauschalkritik, die nach Misserfolgen alles in Frage stellt, erst recht nicht. Sowohl, als auch – der Fußball-Lehrer kommt als sachlich, nüchterner Arbeiter daher, der weitsichtig plant und auf Entwicklung setzt. Gefühl? Das gehört dazu – unbedingt. Aber was wirklich zählt, sind Fakten. Genau wie in seinem Beruf als Polizeihauptkommissar.

Bis Ende der Saison 2013/14 läuft sein Vertrag bei Rot-Weiss. „Mindestens“, sagt RWE-Chef Michael Welling. Das gegenseitige Vertrauen ist grenzenlos. Als der Fußball-Drittligist Alemannia Aachen vor einigen Wochen einen neuen Trainer suchte, fragte man auch bei Wrobel nach. Doch der sagte ab - kurz und knapp. Begründung? Überflüssig. Er fühle sich in Essen sehr wohl. „Und ich habe noch viel vor mit Rot-Weiss.“

Die Fans waren begeistert von dieser Loyalität und ließen ihren „Waldi“ hoch leben. Doch der ist nicht verdächtig, ein Träumer zu sein. Deshalb weiß er, dass ein Trainer nur am Erfolg gemessen wird. Der Wind kann sich also ganz schnell drehen - gerade an der Hafenstraße. Derzeit braucht er sich aber darüber kaum Gedanken zu machen.

Seit 2007 arbeitet Waldemar Wrobel bei den Rot-Weißen und gehört somit zu den dienstältesten Trainern in der Historie dieses Traditionsvereins. Der damalige Sportliche Leiter Olaf Janßen heuerte ihn an, Cheftrainer war Heiko Bonan. Ein gefühlte Ewigkeit ist das her. Der unbekannte Fußball-Lehrer kümmerte sich anfangs im Funktionsteam der Ersten um Koordination und Schnelligkeit, fungierte als Spielbeobachter. Unauffällig wirkte er im Hintergrund, doch ein Hütchenaufsteller, wie Trainer-Assistenten oft verunglimpft werden, war er nicht. „Ich mache das, womit ich dem Team helfen kann“, argumentierte Wrobel, der Teamplayer.

Anfang 2009 übernahm er die U23, ein Jahr später, als RWE Insolvenz anmelden musste, beförderte man ihn zum Chefcoach. „Es wurde einer gesucht mit entsprechender Ausbildung, der die Liga kennt. Und nichts kostet“, erinnert sich Wrobel, der Realist. Und gemeinsam mit Teammanager Damian Jamro machte er das Schiff wieder flott, ohne zu mucken, ohne zu jammern über die leere Vereinskasse.

Es blieb kaum Zeit, einen schlagkräftigen Kader zu formen. Während des Urlaubs auf einem Kreuzfahrtschiff verhandelten Wrobel und Jamro Tag für Tag, stundenlang per Handy. Ein Glück, dass sich die Ehefrauen der Beiden gut verstehen. Sie ließen die Männer machen. Und die formten aus der verstärkten U23 ein Meisterteam, das souverän in die Regionalliga aufstieg und im Verbandspokal triumphierte. Ja, sogar mit einem Sieg über den Zweitligisten Union Berlin die zweite Runde im DFB-Pokal erreichte.

So locker RWE durch die 5.Liga marschierte, für Wrobel waren es mitunter stressige Zeiten. Beruf und Sport kollidierten schon mal. Es passierte, dass der Trainer abgehetzt zur Pressekonferenz erschien, weil er auf dem Heimweg von seiner Arbeitsstelle auf der Autobahn im Stau steckengeblieben war. Oder erst gar nicht erschien.

Fokussiert auf das Spiel

Wrobel gilt als detailversessen, mitunter penibel. „Wenn bei mir zu Hause eine Fußleiste locker ist, stört mich das schon“, räumt er mit einem Augenzinkern ein. Der Zufall soll sich möglichst nicht einmischen. „Wir sind vorbereitet“, betont er vor manchem Spiel. „Ich will nicht, dass man sagt, die Leistung war schlecht, weil der Trainer seine Arbeit schlampig gemacht hat.“

Wenn Waldemar Wrobel über Fußball redet, klingt das manchmal wie bei einem Referenten auf der Polizeischule. Aber wenn der Ball rollt, übernimmt Leidenschaft die Regie. Wrobel ruft Anweisungen aufs Feld, lamentiert, diskutiert, tigert rastlos über den Rasen. Er habe dann einen Tunnelblick, sagt er. Fokussiert auf das Spiel.

Mit den Meistertrainern Jürgen Klopp (Dortmund) und Mike Büskens (Fürth) hat Wrobel seinen Fußball-Lehrer-Schein gemacht. „Das war eine Ehre für mich als Nicht-Profi.“ Und gewissermaßen eine Belohnung für seinen Einsatz. Er hat schon immer viel mit Jugendlichen gearbeitet, beim Fußballverband Westfalen war er für den DFB-Stützpunkt Recklinghausen (U14/15) und als DFB-Scout (U17/U19) tätig.

Seine Lehrgangskollegen haben Karriere gemacht. „Sie haben halt aufgepasst“, schmunzelt Wrobel. Aber im Ernst: Das Profigeschäft hat der Polizeibeamte nicht im Blick. Schließlich hat er ja einen Beruf. Beim Landesamt für Aus-und Fortbildung in Selm (Waltrop) arbeitet der studierte Diplom-Verwaltungswirt mit Spezialeinheiten. Er sei schon nach dem Abitur sehr auf die Polizei fixiert gewesen, erzählt Wrobel, weil er dort alles finde, was ihm Spaß mache. Umgang mit Menschen, Teamgeist, und natürlich körperliche Beanspruchung.

Beruf und Trainerjob fressen die Stunden am Tag, aber vor allem aus familiären Gründen ist Wrobel in die Arbeitsteilzeit gegangen. „Arbeit, Verein und ein bisschen Frau“, umschreibt er seinen Alltag. Damit der Eindruck nicht täuscht. Wrobel ist zwar selbst an freien Tagen für RWE und Fußball unterwegs, doch die Familie ist ihm sehr wichtig. Ein Workoholic? Die Antwort klingt wie selbstverständlich. Er habe auch bei der Polizei schon immer in Einheiten gearbeitet, wo man nicht auf die Uhr schaut. Getreu seinem Motto: Ganz oder gar nicht – dazwischen geht nichts.

„Er ist kommunikativ und verlässlich“, charakterisiert RWE-Chef Michael Welling seinen Cheftrainer. Und genau das fordert Waldemar Wrobel von sich selbst. Er nennt es authentisch, glaubwürdig und ehrlich. Er will klare Entscheidungen, wie er es als Hauptkommisar gewohnt ist. Kein Gedruckse, kein schwammiges Wischiwaschi. Seine Spieler sollen nachvollziehen können, was er meint und einfordert.

Gleichwohl pflegt Wrobel ein kollegiales Klima. Trainer und Spieler duzen sich. „Ich brauche keine künstliche Distanz aufzubauen“, winkt der Fußball-Lehrer ab. „Die Hierarchie ist doch klar. Gemacht wird, was ich will.“ Ansonsten wird’s ungemütlich. Es geht nur über gegenseitiges Vertrauen. Und wer sich hundertprozentig einbringt, wird auch in schlechten Zeiten ganz sicher nicht fallengelassen.

Trotz aller Leidenschaft wirkt Wrobel stets beherrscht, wenn es darauf ankommt. So, wie es sich für einen Ordnungshüter gehört. In Erkenschwick wurde er mal bei der Pressekonferenz böse niedergejohlt. Wrobel ließ sich nicht provozieren, keilte nicht beleidigt aus, schüttelte nur verständnislos den Kopf.

Wrobel ist keiner, der schwadroniert, der forsche Sprüche klopft für Schlagzeilen. Aber um einen coolen Spruch ist auch er nicht verlegen. Es mache ihm unheimlich viel Spaß für Rot-Weiss zu arbeiten. „Weil es etwas Besonderes ist.“ Die Resultate werden kommen, davon ist er überzeugt. Gleichwohl fordert er Geduld, weil sich die Dinge peu á peu entwickeln müssen: „Wir sind auf jeden Fall noch lange nicht fertig.“



Kommentare
13.10.2012
12:30
RWE Trainer Waldemar Wrobel: Kommissar Fußball
von 1955 | #1

Herr Wrobel macht einen guten Job !
Sein Engagement motiviert sichtlich die Spieler, was die Hauptsache ist!
Trotzdem sollte der Anspruch höher als Regionalliga sein!
In der Winterpause sollte man über die eine oder andere Verstärkung nachdenken, vorallem im Mittelfeld! Auch Abgeklaertheit, also viel Erfahrung ist vonnöten!

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