"Rot-Weiß ist ein Kulturträger"
19.02.2009 | 18:08 Uhr 2009-02-19T18:08:00+0100
Das waren noch Zeiten. Eintrittspreis 2 DM, Sozialwerk DFB -,10 DM. So verkündet es die Karte fürs Endspiel um die Deutsche Meisterschaft am 26. Juni 1955 zwischen Rot-Weiß und dem 1. FC Kaiserslautern.
Das hellgrün schimmernde Stück Essener Sportgeschichte wird in der Ausstellung „Rot-Weiß Essen – Vom Vorortklub zum Stadtverein” vom 1. bis 22. März in der Alten Cuesterey Borbeck zu sehen sein.
„Rot-Weiß ist ein Kulturträger der Stadt”, sagt Mitinitiator Georg Schrepper vom Kultur-Historischen Verein Borbeck (KHV). Die 16 Schautafeln und viele andere Exponate wurden bereits im vergangenen Jahr im Rathaus gezeigt. Jetzt hat Sporthistoriker Uwe Wick die Ausstellung zur Geschichte des Traditionsklubs erweitert.
„Der Verein ist in Großborbeck angesiedelt, deswegen ist es eine ganz besondere Geschichte für Borbeck”, begründet Andreas Koerner, weshalb der KHV die Ausstellung in die Alte Cuesterey holt. Erstmals würden, so Uwe Wick, zwei Filmdokumente von der Zugfahrt und dem Empfang mit Autokorso nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1955 gezeigt.
Der Bochumer Professor Andreas Luh will in seinem Vortrag am 4. März (19 Uhr) mit der Mär aufräumen, die Bergbaukrise 1959 sei für den Untergang der Ruhrgebietsvereine verantwortlich gewesen. Die Einführung der Bundesliga sei zwar ein wichtiger Grund gewesen, der entscheidende Einschnitt kam aber mit der Gründung der Ruhkohle AG 1968. „Bis dahin hatten die Zechen einen eigenen Etat, den sie verwalten konnten. Das war vorbei”, erklärt Wick.
Und Rot-Weiß sei besonders hart davon betroffen gewesen. Während Borussia Dortmund und Schalke 04 bereits viel früher von der Stadt unterstützt worden seien, habe Rot-Weiß länger am Tropf des Bergbaus gehangen. „Bis in die 70er-Jahre hinein”, so Georg Schrepper. Erst sehr spät hätte sich Rot-Weiß zu dem Stadtverein entwickelt, der er heute sei. Dafür sorgte auch der lange Kampf mit ETB Schwarz-Weiß um die Vorherrschaft in der Stadt Essen.
Ein wichtiger Aspekt sei zudem die fast endlose Diskussion um ein großes kommunales Stadion. So gab es den Uhlenkrug, das für das Deutsche Turnfest 1963 erbaute Gruga-Stadion (40 000 Plätze) und das Georg-Melches-Stadion. Schrepper: „Es war mal ein 70 000 Zuschauer fassendes Stadion geplant. Die Überlegungen wurden aber hinten angestellt. Erst sollten die Vororte mit Anlagen versorgt werden.” Wick: „Jetzt haben wir bestenfalls eine 1c-Lösung.”
Die ganze Diskussion über die Zukunft des Vereins lässt eine Gruppe kalt – die Fans. „Es ist schon überraschend, welch Faszinosum von Rot-Weiß ausgeht”, sagt Schrepper. Egal in welcher Liga, die Anhänger halten zu ihrem Klub. „In der vierten Liga kommen mehr Zuschauer, als es noch zu Zweitliga-Zeiten der Fall war”, stellt er fest.
Nur die Eintrittspreise haben sich geändert. Zwei D-Mark und einen Sportgroschen, das gibt's nicht mehr.
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