Plötzlich positive Signale

RWE-Aufsichtsratschef Dietmar Bückemeyer,  2009 beim symbolischen Anstoß  für das neue Stadion.
RWE-Aufsichtsratschef Dietmar Bückemeyer, 2009 beim symbolischen Anstoß für das neue Stadion.
Foto: WAZ FotoPool

Haben die Rot-Weißen noch eine Perspektive? Können sie wenigstens in der 5.Liga antreten? Diese Fragen bohren sich in die Gedanken der Anhänger dieses Traditionsklubs. Gestern haben RWE-Vorstand, Aufsichtsrat und der Insolvenzverwalter Frank Kebekus gemeinsam getagt.

An diesem Mittwoch hat der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Bückemeyer zur Pressekonferenz geladen.

Und man höre und staune: positive Signale klingen da plötzlich aus den Rathaus-Etagen. Der Verwaltungsvorstand habe auf Anregung von Oberbürgermeister Reinhard Paß intensiv die aktuelle Situation von Rot-Weiß Essen diskutiert, so die offizielle Mitteilung. „Der Verwaltungsvorstand ist sich einig darüber, das Insolvenzverfahren konstruktiv zu begleiten, damit RWE möglichst schnell wieder in eine geordnete finanzielle Situation kommt.“ Das bedeutet: „Wie bereits in der Vergangenheit, wird die Stadt Essen auch in Zukunft den Verein im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten unterstützen, um Rahmenbedingungen für Profi-Fußball in Essen zu gewährleisten.“ Und: Auch ein neues Stadion sei wichtig.

Die Fans werden sich freuen und gleichzeitig verständnislos den Kopf schütteln: „Warum ist die Stadt denn nun doch bereit, zu helfen, nachdem sie den Zwangsabstieg in Kauf genommen hat?“ Die Kritiker der RWE-Hilfe werden ebenfalls ihr Haupt schütteln und sich ärgerlich fragen: „Was soll denn das jetzt?“

Ähnlich zwiegespalten ist die Öffentlichkeit bei Suche nach den Schuldigen für das Desaster. Für die einen trägt der RWE-Vorstand die Schuld, auch, weil er zu spät reagierte und die Bürgschaftsfrist verschlief. Für andere ist OB Paß der böse Bube, der nicht mehr zahlen wollte und ein unlösbares Problem schaffte. Um ein Bild des ehemaligen RWE-Vorstandschefs Stefan Meutsch zu benutzen, der RWE mal als Patienten auf der Intensivstation bezeichnete. Der finanziell am kommunalen Tropf hängt. Der neue „Chefarzt“ Paß ließ die Nadel ziehen und fordert den Patienten auf: „Nun lauf’ mal schön.“ So muss man sich das vorstellen. Es konnte gar nicht funktionieren.

Aber auch Ex-Manager Thomas Strunz und Dietmar Bückemeyer tauchen auf der Liste der Schuldigen auf. Sie seien schließlich für den Saisonetat verantwortlich gewesen, der auch von den städtischen Töchtern abgesegnet worden war. Die Liquiditätslücke bis zum 30.Juni 2010 in Höhe von 1,3 Mio. Euro plus 650 000 vorgezogenes Sponsorengeld ist jedenfalls nicht neu. Was schon Dietmar Bückemeyer Ende September 2009 kurz nach der Strunz-Entlassung feststellte: „Wir müssen zusehen, dass wir den Verein über die Saison kriegen“, sagte Bückemeyer damals. Rund zwei Mio. fehlten noch, so Bückemeyer, um den Spielbetrieb zu sichern. Es handele sich dabei um erhofftes Sponsorengeld, das im Lizenzierungsverfahren eingeplant und durch die Bürgschaft abgedeckt worden sei.

Bückemeyer, der zuvor stets städtisches Geld besorgt hatte, versprach, dass die Stadt-Töchter dabei blieben. Und er persönlich wolle weiterhin mit anpacken. Zumindest im Georg-Melches-Stadion aber blieb sein Schalensitz fortan leer. Nachdem Strunz vom RWE-Vorstand am 11. September kurzerhand und ohne Absprache wegen Erfolglosigkeit gefeuert worden war, schien das Vertrauensverhältnis zwischen dem Stadtwerke-und dem RWE-Vorstand irreparabel. Der Fünf-Jahres-Plan, hieß es im September, sei über den Haufen geworfen worden.