Peter Bach schrieb ein Buch zum „Bartstöpseln“

Peter Bach liest den Schülern der 5c des Carl-Humann-Gymnasiums aus „Fred hat Fehler“ vor. Foto: Uwe Möller.
Peter Bach liest den Schülern der 5c des Carl-Humann-Gymnasiums aus „Fred hat Fehler“ vor. Foto: Uwe Möller.
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„Fred hat Fehler.“ Na und? Haben wir doch schließlich alle. Aber hier geht es nicht um irgendwelche Belanglosigkeiten oder menschliche Macken. Hier geht es um „Fehler im Blut“, um Leukämie. Ein Erwachsenenthema, ganz klar.

Aber Peter Bach hat es in seinem ersten Buch spannend, humorvoll und mit viel Optimismus aufgearbeitet, und herausgekommen ist ein Kinderbuch: „Fred hat Fehler“.

Ehrgeizig sei er, behauptet Peter Bach (37) von sich selbst. Und ein ehemaliger Volleyball-Kollege bezeichnet ihn als unberechenbar und umtriebig, so dass man nie vorhersagen könne, was der „Bacher“ als nächstes in Angriff nimmt. Aber was Peter Bach anpackt, will er richtig anpacken, konsequent und mit Herzblut. So war es schon so, als er noch die Bundesliga-Volleyballer des VV Humann trainierte. Das Bestmögliche wollte er aus den Humännern herausholen. Und führte sie in die Eliteliga, was für die Amateure aus Steele ein formidabler Erfolg war.

Honorar wird gespendet

Als eine Siegesserie nicht enden wollte, versprach Bach seiner Mannschaft damals zum Jahresende ein Bad im Baldeneysee. Kein leeres Geschwafel. „An den Frostbeulen, die ich mir auf dem Weg zur Umkleidekabine holte, habe ich drei Wochen Spaß gehabt“, schmunzelt Bach noch heute über dieses Husarenstück. Zuweilen kann dieser Mann auch ein kleiner Kindskopf sein.

An diesem Tag allerdings wirkt der zweifache Familienvater ernst und nachdenklich. Das passiert schnell, wenn er über seinen Beruf redet, als Oberarzt Dr. Peter Bach aus der Uro-Onkologie in Niederberg. Seine täglichen Erfahrungen von Schmerz und Leid, der ständige Wechsel von Hoffnung und Trauer, Leben und Tod, das kann er zum Feierabend nicht einfach so ablegen wie seinen weißen Kittel. Also hat sich Bach einen Weg gesucht, die Dinge für sich zu verarbeiten. Er hat ein Buch geschrieben. Ein Buch für – Kleine und Große mit bunten Illustrationen, die erfreuen und positiv stimmen sollen.

Es geht um Krebs, genauer gesagt um Leukämie. Doch diese beiden Begriffe tauchen freilich nirgendwo auf. Fred hat lediglich „Fehler“. Mit diesem Kinderbuch hat der „Gute-Nacht-Geschichten“ erprobte Vater selbst eine kleine Hilfe im Familienalltag „Ich habe das Buch auch geschrieben, um meinen beiden Söhnen besser erklären zu können, warum ich am Wochenende schon mal völlig apathisch nach Hause komme und nur meine Ruhe haben möchte.“ In diesem Jahr hat er wieder rund 70 Patienten verloren. Und bei vielen war es mehr als das bloße Arzt-Patienten-Verhältnis.

Doch Bachs Geschichte ist keineswegs traurig. Die Hauptfiguren sind Ben Bartstöpsel, Lasse Spitz, die an Bachs Söhne Niklas (9) und Fynn (6) erinnern. Insofern hat das Buch durchaus autobiographische Züge. Mit der Kleinen Pia Feuerbusch gehören die beiden Jungs zur Mondgruppe des Kindergartens auf einem großen Klinikgelände. Und gemeinsam mit Opa Kugelwetter lösen sie knifflige Aufgaben und lüften Geheimnisse.

Als ihr Freund Fred Grobholz, ein guter Fußballer übrigens, rätselhafte blaue Flecken bekommt und eines Tages aus dem Kindergarten verschwindet, greift das Team ein. Es gibt wohl verpackte Informationen, Slapstick-Einlagen und schließlich Solidaritätsbekundungen der ganzen Stadt – wie in einem schönen Traum („Haare ab für Fred“). Und das ganze weckt am Ende bei aller Ernsthaftigkeit Hoffnung und Zuversicht.

„Es ist ganz wichtig, dass man den Patienten ein angenehmes, optimistisches Umfeld schafft“, spricht Bach aus Erfahrung. „Es geht für den Einzelnen weniger darum, mehr Tage zu leben. Man muss mehr leben an den Tagen.“ Das Gemeinschaftsgefühl gibt Kraft. Und da ist man nicht weit weg vom Volleyballspiel, wo Teamgeist auf dem Parkett so demonstrativ gelebt wird wie in kaum einer Sportart.

Über ein Jahr hat Peter Bach an seinem Buch gearbeitet. Zeit? Die hat er eigentlich gar nicht. Überstunden und angehäufte Urlaubstage haben längst das Normalmaß gesprengt. Vor den Weihnachtstagen hatte Peter Bach allerdings Zeit. Und die hat er genutzt, um an Essener Grundschulen sein Buch vorzustellen. So auch in der Klasse 4 b der Antoniusschule.

„Professor“ Bach wirft mit dem Beamer einige Schautafeln an die Wand, diskutiert, zeigt Fotos von den Humännern, die Gefühle veranschaulichen. Und er liest Passagen aus seinem Buch. Eine Art Unterrichtsreihe in Philosophie und Ethik. Hört sich hochtrabend an, aber den Kinder gefällt’s. Sie machen mit, plaudern erfrischend locker über das Thema. Und kicksen schon mal dazwischen, wenn etwas Lustiges passiert.

„Dieses Schulstunden liegen mir besonders am Herzen“, sagt Bach und freut sich, dass die Kinder so toll mitgemacht haben „Das ist aber keine Verkaufsveranstaltung“, betont der Autor. Sein Buch soll aufmuntern, Kraft geben und Mut machen. Oder, wie Bach es in seinem Buch beschreibt: Es soll „bartstöpseln“. Was damit gemeint ist? Peter Bach, übrigens mit Drei-Tage-Bart, zieht vor der Klasse eine rote Clowns-Nase aus der Hosentasche und setzt sie sich auf: „Jetzt sieht die Welt doch schon ganz anders aus, oder?“ Und die Kinder lachen.