Moskitos hoffen auch auf ein Signal von Fans

Kampf bis zum Letzten: Thomas Richter (ESC, grün).
Kampf bis zum Letzten: Thomas Richter (ESC, grün).
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der klamme Klub benötigt 90 000 Euro zur Rettung, die zwei Heimspiele an diesem Wochenende könnten helfen. Stadt wehrt sich gegen Vorwürfe, zu wenig für den ESC zu tun.

Der Uhr tickt gnadenlos herunter, die Zeit für den Eishockey-Oberligisten ESC Moskitos läuft ab. Dem Klub fehlen 90 000 Euro im Saisonetat. Das wurde vor einer Woche öffentlich. Am 1.März, so heißt es, ist Deadline - im Sinne des Wortes. Sollte es bis dahin nicht gelingen, diesen Betrag aufzubringen, ist der Verein tot. Dann geht es zum Amtsgericht, die Moskitos werden aus dem Vereinsregister gestrichen. Eishockey wird es in dieser Stadt dann nicht mehr geben. Und auch rund 180 Nachwuchsspieler müssten künftig ihrem Hobby in einem anderen Verein nachgehen.

Fieberhaft suchen sie am Westbahnhof nach der Lösung, nach einer Geldquelle oder einem Gönner, der ihnen den Rettungsring zuwirft. Fans versteigern lieb gewonnene Trikots, die sie einst voller Stolz bei ihren Idolen eroberten. Einige haben bei „Essen on Ice“ auf dem Kennedyplatz mit der Sammelbüchse um eine Spende gebeten. „Wir sind stolz auf unsere Fans“, sagt ESC-Sprecher Martin Spicker. Doch trotz aller Kreativität und des Engagements, der Blick auf die Internetseite der Moskitos ist ernüchternd: 1731 Euro an Spenden sind bis Donnerstagnachmittag auf dem Treuhandkonto eingegangen. Das ist zu wenig, viel zu wenig.

Es ist purer Zufall, dass der Eishockey-Oberligist im Rahmen der Verzahnungsrunde an diesem Wochenende seine letzten beiden Heimspiele in dieser Saison bestreitet: An diesem Freitag kommt der EHC Erfurt zum Westbahnhof (20 Uhr), am Sonntag läuft dort der Herner EV auf (18 Uhr). Es könnte noch einmal eine Chance sein für den Gastgeber.

Das Sportliche ist freilich angesichts der Existenzkrise nebensächlich. Einfach wird es sicher nicht, unter diesen Umständen die Mannschaft zu motivieren. Und doch hoffen die Moskitos, dass sich die Ränge der Eissporthalle an beiden Tagen füllen. Eine fußläufige Abstimmung ist das, was der Verein jetzt braucht. Solidarität ist das eine, aber grundsätzlich geht es um das klare Signal, dass es lohnt, sich für Eishockey in dieser Stadt zu engagieren. Ein Bekenntnis, ist es eindrucksvoll genug, könnte auch potenzielle Sponsoren überzeugen.

Unterdessen wehrt sich die Stadt gegen den Vorwurf des Moskitos Insolvenzverwalters Christoph Niering, der beklagt hatte, dass die Stadt den Verein nicht ausreichend unterstütze. In der offiziellen Stellungnahme heißt es, dass die Moskitos noch im Dezember 2014 im Beisein des Insolvenzverwalters gegenüber der Stadt und Vertretern der Politik eine „positive wirtschaftliche Entwicklung“ dargestellt hätten. „Zu keiner Zeit“, so Sportdezernent Andreas Bomheuer, „wurden Aussagen getätigt, die darauf schließen ließen, dass sich der Verein in einer derartig existenzbedrohenden Finanzlage befindet.“

Bomheuer betont, dass allenfalls die städtischen Beteiligungsgesellschaften Sportvereine unterstützen dürften. Das geschehe dann nach den Regeln des Sponsorings und müssten im Einklang stehen mit den unternehmensbezogenen Marketingkonzepten sowie den sportlichen und wirtschaftlichen Konzepten des Vereins. Hier seien die Moskitos gefordert, zu überzeugen. Der vom Insolvenzverwalter angestrebte Verzicht auf die Nutzungsgebühr der Eissporthalle sei nicht möglich.