Mit Konstanz zurück zum Erfolg

Routinier Michael Hegemann (l.) und Youngster Jonas Ellwanger (r.) sollen auch in der kommenden Saison gemeinsam beim Tusem in der Zweiten Liga spielen.
Routinier Michael Hegemann (l.) und Youngster Jonas Ellwanger (r.) sollen auch in der kommenden Saison gemeinsam beim Tusem in der Zweiten Liga spielen.
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Was wir bereits wissen
Beim Handball-Zweitligisten Tusem wurde in der jüngeren Vergangenheit finanziell abgespeckt. Doch klagen will man nicht, betont Geschäftsführer Niels Ellwanger.

Den Dauerkarten-Verkauf für die kommende Saison hat der Tusem bereits angekurbelt. Da sind sie auf der Margarethenhöhe früh dran. „Bei den Heimspielen erreichen wir unsere Fans noch immer am besten“, sagt Tusem-Geschäftsführer Niels Ellwanger. Allerdings dürfte nach dem 21:29-Heimdebakel gegen den direkten Konkurrenten SV Henstedt-Ulzburg Ende April nicht gerade ein Run auf die Ticktes eingesetzt haben. Nach wie vor muss der Traditionsklub um den Klassenerhalt bangen, jetzt natürlich wieder ein bisschen mehr.

Drei Punkte Vorsprung zum ersten Abstiegsplatz, das ist kein komfortables Polster für die restlichen vier Spiele. Allerdings hat es der Tusem noch immer selbst in der Hand, denn er muss noch gegen die direkte Konkurrenz ran. Am kommenden Samstag in Saarlouis (16. Mai), in Hüttenberg (23. Mai) und schließlich zu Hause gegen Rostock (29. Mai). Letzter Gegner (7.Juni) ist dann am Hallo Aufstiegskandidat TV Bittenfeld.

Natürlich sind die Essener überzeugt, dass sie es schaffen. Das Horrorszenario Dritte Liga verdrängen sie aus ihren Köpfen. Kein Wunder, denn ein Abstieg hätte gravierende Auswirkungen – natürlich auch auf den Sponsorenpool. Der Tusem plant für die Zweite Liga. Was schwer genug ist. 2013, als der Klub aus der Ersten Liga kam, wurde der Etat um 500 000 Euro eingedampft. Immerhin blieben damals noch immer 1,2 Millionen Euro – für alle Ausgaben, auch die Nachwuchsarbeit, die der Verein mit Leidenschaft vorantreibt und dafür auch vom DHB mit dem Zertifikat für vorbildliche Ausbildung versehen worden ist. Die A-Jugend spielt in der Bundesliga eine gute Rolle, die B-Jugend steht im Kampf um die Deutsche Meisterschaft in der Endrunde, die am Wochenende am Lührmannwald ausgetragen wird.

Aber das alles kostet auch Geld. Manche Kritiker finden, man solle doch lieber in die erste Mannschaft investieren, weil sie schließlich das Aushängeschild eines jeden Klubs sei. Die eigenen Talente wiederum helfen dem Tusem auch, in der Zweiten Liga zu überleben. Und Tusem-Chef Niels Ellwanger hat in dieser Hinsicht eine klare Linie.

Im vergangenen Jahr wurde erneut abgespeckt auf ein Budget von 900 000 Euro. Und im kommenden Jahr wird es wieder um sechs, sieben Prozent weniger sein, eine fünfstellige Summe. „Es ist schmerzlich, Jahr für Jahr weniger Mittel zur Verfügung zu haben“, sagt Ellwanger. „Dies wirkt sich zwangsläufig auch auf die sportliche Leistungsfähigkeit aus.“

Aber Ellwanger will nicht klagen. Die Geldgeber, die Hauptsponsoren sind zumindest bei der Stange geblieben.

Einen Umbruch soll es nicht geben

Klar, ein Kandidat für die Liga eins wird man normalerweise angesichts dieser finanziellen Möglichkeiten nicht. Mit immer weniger Geld immer besser zu werden, das funktioniert höchst selten. „Riesensprünge können wir nicht machen“, bestätigt auch der Sportliche Leiter Stephan Krebietke mit Blick auf seinen Personalplan. Aber ein Umbruch wie vor einem Jahr bleibt dem Tusem wohl erspart. „Wir haben diesmal sehr viel Kontinuität in der Mannschaft“, sagt der Sportliche Leiter. Das Gros der Spieler hat noch einen Vertrag für die kommende Saison.

Von vornherein sei klar gewesen, sagt Krebietke, dass Linkshänder Hannes Lindt, erst im Winter von Bietigheim nach Essen zurückgekehrt, den Verein wieder verlassen wird. Er ist zu teuer. Lindt wird in der kommenden Saison in Dresden für den HC Elbflorenz spielen, möglicherweise auch in der Zweiten Liga, denn die Sachsen kämpfen noch um den Aufstieg. Mit Pascal Tovornik hat der Tusem verlängert und damit die Linkshänder-Position schon mal besetzt. Marcus Bouali indes, der sich in dieser Saison wie Tovoronik das Kreuzband gerissen hatte, wird zum Drittligisten Neusser HV wechseln.

Ob Michael Hegemann bleibt, ist noch ungewiss aber eine enorm wichtige Personalie. „Wir würden ihn gern noch ein Jahr halten“, sagt Krebietke. Kein Wunder, der Routinier ist der Kopf der Mannschaft, er lenkt das Spiel und erzielt Tore. Ein Glücksfall und kaum zu ersetzen. Und bei Michael Hegemann, so hoffen sie, dürfte das Geld sowieso nur eine sekundäre Rolle spielen.