Mircea Onisemiuc: „Ich war der richtige Trainer“

Denis Ivosevic und ETB-Trainer Mircea Onisemiuc.
Denis Ivosevic und ETB-Trainer Mircea Onisemiuc.
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Was wir bereits wissen
Fast 50 Trainer standen beim Fußball-Oberligisten ETB Schwarz-Weiß in seiner langen Geschichte an der Seitenlinie. Da werden die elf Monate, die Mircea Onisemiuc den Traditionsverein in der abgelaufenen Saison trainierte, irgendwann wohl nur eine Fußnote in der Vereinschronik sein.

Fast 50 Trainer standen beim Fußball-Oberligisten ETB Schwarz-Weiß in seiner langen Geschichte an der Seitenlinie. Da werden die elf Monate, die Mircea Onisemiuc den Traditionsverein in der abgelaufenen Saison trainierte, irgendwann wohl nur eine Fußnote in der Vereinschronik sein. Dabei ist es vor allem der Verdienst des Rumänen, dass der Klub in der abgelaufenen Saison allen Widrigkeiten trotzte und die Klasse hielt.

„Ich war der richtige Trainer für den ETB: Ein Rumäne für rumänische Verhältnisse“, sagt der 44-Jährige lachend. Zweimal wechselte in den vergangenen elf Monaten der Vorstand, ständig gab es Querelen im Umfeld, die Gehälter wurden nur stockend bezahlt. Sprechen will Onisemiuc über all diese Dinge nicht. „Ich bin dem Verein dankbar, dass er mir die Chance gegeben hat. Diese schwierige Saison gemeistert zu haben, macht mich als Trainer stärker.“

Als Onisemiuc mitten im sommerlichen Chaos beim Pokalsieger von 1959 anheuerte, übernahm er eine im Eilverfahren zusammengezimmerte Mannschaft ohne Balance. Und mit diesem Team versuchte der gelernte Fitnesstrainer vom ersten Tag an, seinen auf Ballbesitz basierenden Fußball umzusetzen. „Bei mir liegt die Betonung auf ‚Fußball spielen‘. Ich habe Ajax Amsterdam in 80ern geliebt, die ihre Gegner mit Ballbesitz dominiert haben“, erzählt Onisemiuc. Viele Teams fürchten im Spielaufbau den Ballverlust und überspielen das gegnerische Pressing lieber mit langen Pässen. Der Ball soll dann nah am gegnerischen Tor wiedergewonnen werden. „Ruhrgebiets-Fußball“ nennt Onisemiuc das. Er selbst ging beim ETB einen anderen Weg. Stets sollte das Spiel mit flachen, kurzen Pässen eröffnet werden, die gesamte Mannschaft sich als Verbund geduldig nach vorne kombinieren und nur im richtigen Moment in die Tiefe passen. Dementsprechend trainierte der ETB auch. Bei jeder Übung war der Ball dabei, viel wurde in Kleingruppen auf einem extrem engen und langen Feld gespielt, um das Passspiel, die Handlungsschnelligkeit und die Kreativität zu schulen.

System greift in der Rückrunde

Doch mit dieser Spielweise gingen in der Hinrunde zehn der 17 Spiele verloren. Der ETB überwinterte auf einem Abstiegsplatz, Zweifel stellten sich ein. Die Zuschauer wurden bei den Ballstafetten im und um den eigenen Strafraum unruhig, im Umfeld des Uhlenkrugs wurde über einen Trainerwechsel nachgedacht und die Führungsspieler baten um eine weniger riskante Spielweise. Onisemiuc lehnte ab, „weil ich weiß, dass meiner Spielweise viel Arbeit erfordert, sich aber über kurz oder lang der Erfolg einstellt“.

In der Rückrunde zahlte sich diese Sturheit aus, jetzt saßen die Automatismen. Onisemiuc kitzelte mit viel psychologischem Feingefühl das Optimum aus jedem Spieler heraus und der ETB sammelte 29 Punkte – die Ausbeute eines Spitzenteams. Mit teilweise begeisternden Kombinationen wurde die Klasse gehalten. Es hätte der Anfang von etwas Großem sein können. Doch Onisemiuc hatte schon im Winter, genervt von den Begleitumständen, seinen Abgang im Sommer angekündigt. Zu seinem Abschied sagte er: „Ich bin traurig, ich werde die Jungs vermissen. Aber ich bin auch glücklich, dass ich so eine schwierige Saison nicht noch einmal erleben muss.“