„Millionen potenzielle ETB-Fans“

Niklas Cox (links) übergibt den Staffelstab an den neuen ETB-Geschäftsführer Patrick Seidel.
Niklas Cox (links) übergibt den Staffelstab an den neuen ETB-Geschäftsführer Patrick Seidel.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Staffelstabübergabe beim Zweitligisten (Pro A) ETB Wohnbau Baskets: Ex-Geschäftsführer Niklas Cox und Nachfolger Patrick Seidel im Interview über große Ziele, gesundes Wachstum und kaputte Waschmaschinen.


Herr Cox, am Sonntag hatten Sie Ihren letzten Arbeitstag als Geschäftsführer der ETB Wohnbau Baskets, nach vier Jahren an der Spitze. Wie sah der aus?
Cox: Volles Programm.
Seidel: Niklas musste noch richtig ran (lacht), es war ein hochoffizieller Arbeitstag.
Cox: Wir haben an diesem Wochenende die Ligatagung ausgerichtet, aber so hatte ich natürlich die Möglichkeit, mich von allen zu verabschieden.

Was machen Sie denn nun die ganze Zeit ohne den ETB?
Cox: Das ist eine gute Frage, aber mir wird was einfallen. Es war eine schnelllebige Zeit, jetzt will ich mich mehr auf meine persönliche Zukunft fokussieren. Aber ich bin ja auch nicht aus der Welt.
Seidel: Wir werden Niklas sicher immer auf der Tribüne sehen, den ETB schauen, gemütlich mit einem Bierchen in der Hand.
Cox: Auf jeden Fall. Das hatte ich mir schon als Geschäftsführer all‘ die Jahre über vorgenommen, um das Ganze mal aus der Fan-Perspektive zu erleben. Das kann ich jetzt endlich nachholen.

Wie fällt denn Ihre Bilanz aus?
Cox: Wir konnten das Niveau kontinuierlich steigern. Daher glaube ich, dass ich es ganz gut gemacht habe. Aber letztlich müssen das andere beurteilen.

Wie nimmt man denn den ETB in der Liga wahr, Herr Seidel?
Seidel: Ich habe den Verein allein schon aufgrund der geographischen Nähe zu Düsseldorf und Paderborn (frühere Stationen, Anm. der Red.) verfolgt. Essen ist immer gesehen worden als ein Klub, der konstant, solide, seriös und mit Ruhe arbeitet. Dieser Eindruck hat sich absolut bestätigt. Die Entwicklung, die der ETB genommen hat in den vergangenen Jahren, ist sehr, sehr positiv. Viel rausquetschen konnte Niklas nicht mehr. Daran gilt es nun anzuknüpfen.

Dabei sind Sie, Herr Seidel, angetreten mit dem Ziel, die Baskets in der Spitze der Pro A zu etablieren. Das Stichwort BBL ist gefallen.
Seidel: Wie gesagt, wir wollen anknüpfen an die vergangene Saison, der Anspruch kann nicht geringer sein. Das Ziel ist zunächst, ein Spiel mehr zu gewinnen. Mehr ist derzeit kaum drin, allein schon strukturell. Wir wollen gesund wachsen. Man hat immer mal Vereine auf der Überholspur an sich vorbeiziehen sehen, nur um sie kurz drauf auf dem Standstreifen vorzufinden. Aber: Wir sind der klassenhöchste Verein in einer Region mit neun Millionen potenziellen Fans. Ja, wir sind eingerahmt von Fußballvereinen, aber wir bieten Unternehmen eine attraktive Nische und mehr für ihr eingesetztes Geld. Wir haben ein gutes Netzwerk.

Was fehlt denn dem ETB noch, um einen großen Schritt weiter zu kommen?
Cox und Seidel: Geld (lachen).

Gut, aber was wäre mit diesem Geld zu tun?
Cox: Wir sind, trotz der Stelle für einen hauptamtlichen Geschäftsführer, die Patrick jetzt ausfüllt, der Verein mit den niedrigsten Verwaltungskosten. Wir haben viele, viele Helfer, aber meist dezentral von der Geschäftsstelle. Wenn bei Fußballvereinen Probleme auftauchen, dreht man sich um und sagt einem Mitarbeiter, dass er sich bitte kümmern soll.
Seidel: Wenn wir uns umdrehen, ist da keiner (lacht).
Cox: Sponsoren möchten ihr Geld natürlich am Liebsten in sportlichen Erfolg auf dem Parkett wiederfinden. Das ist verständlich. Aber zukünftig muss auch in die Verwaltung investiert werden, um weiter zu kommen. Wir führen ein mittelständisches Unternehmen, aber ohne feste Mitarbeiter, außer den Spielern. Und so fehlt beispielsweise allein die Zeit, wichtige Themen wie Sponsorenakquise und neue Ideen stärker voranzutreiben. Wir als Geschäftsführer machen ja wirklich fast alles, vom sportlichen Bereich über das Finanzwesen bis zum Veranstaltungsmanager.
Seidel: Das stimmt. Auf der anderen Seite lernt man natürlich immer dazu. Ich sage mal so: Auf der Uni wird einem viel über Bilanzen und so etwas erzählt. Aber keiner erzählt einem etwas über kaputte Waschmaschinen von Spielern.

Probleme, die bei den Wohnbau Baskets schnell geregelt werden, der Verein betont gerne seinen familiären Charakter. Sind Sie darauf hingewiesen worden, Herr Seidel?
Seidel: Wer für einen Sportverein in dieser Funktion arbeitet, der sollte hinsichtlich seiner sozialen Kompetenz ohnehin nicht komplett danebenliegen. Von daher war dieser Hinweis gar nicht nötig.

Wie wird man Geschäftsführer einen Basketball-Vereins? Sie kommen aus dem Fußball.
Seidel: Das stimmt, ich habe sogar mit 19 Jahren die B-Lizenz gemacht und Spieler trainiert, die jetzt Profis sind (beispielsweise Mohamed Amsif von Union Berlin, Anm. d. R.). Aber Basketball war immer genauso meine Leidenschaft. Ich habe Sportmanagement studiert, 2002 hatte ich die Chance, in Düsseldorf ein Praktikum zu machen, ich bin dabei geblieben.

Wie war denn Ihr erster Arbeitstag am 1. Mai?
Seidel: Niklas musste an einem Sonntag noch richtig arbeiten, mein Start war an einem Feiertag. Es war tatsächlich auch die erste Möglichkeit für mich, Igor Krizanovic richtig kennenzulernen. Wir haben uns getroffen und uns ausgetauscht.

Dabei wird es ja auch um die Mannschaft gegangen sein. Wie groß wird der Umbruch hinsichtlich des Kaders denn ausfallen?
Seidel: Bei den deutschen Spielern hoffentlich nicht so groß. Bei den Import-Spielern müssen wir sehen. Es ist zu früh, dazu eine Aussage zu treffen.

Der Etat lag zuletzt bei rund 600 000 Euro, wird es mehr?
Seidel: Ich bin optimistisch, dass wir auch für 2015/16 mit diesem Betrag arbeiten können. Mal schauen, was sich dann im Laufe der Saison vielleicht noch ergibt. Die Zuschauerresonanz war ja wirklich toll zuletzt, aber wir müssen erneut sportlich in Vorleistung treten. Mit ein bisschen Glück bei der Spielerauswahl, einer guten Vorbereitung und weniger Verletzten können wir vielleicht überzeugen, das macht es bei Sponsoren natürlich immer etwas einfacher.

Herr Cox, Sie werden ja als Fan auf jeden Fall in der Halle sein.
Cox: So sieht es aus.