London via Rüttenscheid
07.02.2012 | 20:47 Uhr 2012-02-07T20:47:00+0100
Die Asse der Startgemeinschaft Essen haben in diesen Tagen so manchen Termin abzuarbeiten. Am vergangenen Wochenende weilten sie mit der gesamten Mannschaft bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Darmstadt (wir berichteten). Am Montag danach wurden intern wie in jedem Jahr im Klubheim des PSV die Meister und erfolgreichen Athleten geehrt. Und am Dienstag fuhren die Olympia-Kandidaten schon wieder Richtung Hamburg, wo der Deutsche Schwimmverband für den Nationalkader die obligatorische, zweitägige Leistungsdiagnostik angesetzt hat.
Mit im Tross von Bundesstützpunkt-Trainer Henning Lambertz war auch Isabelle Härle. Die 24-jährige Freistilschwimmerin wurde tags zuvor bei der Meisterehrung offiziell als Neuzugang präsentiert. Dort waren rund 120 Athletern erschienen, die Asse der offenen Klasse, der ambitionierte Nachwuchs und die Masters. Einmal mehr wurde an jedem Abend deutlich, wie groß und wie gut die SG Essen inzwischen geworden ist.
Und der viermalige Deutsche Mannschaftsmeister bei den Frauen hat sich nunmehr mit einer weiteren Top-Athletin verstärkt, denn Härle gewann bei den Deutschen Meisterschaften 2011 gleich drei Titel über die langen Strecken: 400 m, 800 m und 1400 m. Und will sich noch für die Olympischen Spiele in diesem Jahr in London qualifizieren.
Die Olympia-Kandidaten der SGE werden am kommenden Wochenende in Saarbrücken beim Deutschland-Cup starten. Diese Schwimmserie haben die SG Essen, SG Dortmund, SG Bayer Wuppertal Uerdingen / Dormagen und SSG Saar Max Ritter initiiert. Auf Dortmund und Saarbrücken folgen Magdeburg (9.März) und Essen/Wuppertal (23.März). Vom 1.-8.März geht es zum olympischen Test nach London. Bei den British Open wollen sich die deutschen Asse für die EM in Antwerpen qualifizieren.
Dieses Ziel hat bekanntlich auch der SGE-Brustschwimmer Hendrik Feldwehr, mit dem Isabell Härle seit etwa zwei Jahren liiert ist. „Sie kennt die Verhältnisse hier und hat schon häufiger mit der Mannschaft trainiert“, erzählt der SGE-Vorsitzende Bernhard Gemlau. Eine Fremde ist Isabelle Härle nun wirklich nicht. Immer, wenn die Heidelbergerin ihren Freund besuchte, nutzte sie auch die Gelegenheit, und trainierte unter Stützpunkttrainer Henning Lambertz in Rüttenscheid mit.
Kein neues Gesicht
„Das Private war natürlich nicht hinderlich, aber der entscheidende Grund für ihren Vereinswechsel liegt allein im Sportlichen“, betont Gemlau. Härle schwamm für SV Nikar Heidelberg, ein durchaus renommierter Verein. „Aber dort gibt es nur einige Top-Schwimmerinnen, aber keine leistungsstarke Mannschaft wie bei uns“, erklärt der SGE-Vorsitzende. „Hier bei uns kann sie mit der Gruppe trainieren und findet jeden Tag zwei, drei Schwimmerinnen, mit denen sie sich messen kann.“ Unter anderem Youngster Kathrin Demler, die gerade erst bei der Mannschafts-DM ihr großes Potenzial angedeutet hat.
Isabelle Härle hat die Olympischen Spiele in London im Blick. Das ist ihr Ziel, das sie gemeinsam mit Trainer Henning Lambertz erreichen möchte. Einfach wird das nicht, was die Studentin im Vorjahr zu spüren bekam. Zwei Titel holte sie bei der DM 2010 (800m, 1500 m), drei waren es ein Jahr später. Doch für die Weltmeisterschaften 2011 in Shangai konnte sie sich nicht qualifizieren.
Härle machte aber damals das Beste aus ihrer Enttäuschung und flog schließlich trotzdem noch nach China. Weil sie kurzerhand vom Becken ins freie Wasser wechselte. Und dort gewann sie im Team mit Thomas Lurz und Jan Wolfgarten über fünf Kilometer immerhin sogar die Bronzemedaille. Und nun also London.
Und es gibt neben den Etablierten SGE-Cracks und Isabelle Härle weitere Kandidaten, die sich in Essen den Olympischen Traum erfüllen wollen. Die Rosenberger-Zwillinge Jasmin und Iris (Jg. 85), die für die Türkei starten. Und der Bosnier Ensar Hajder (Jg. 91). Läuft es optimal, könnten damit insgesamt neun Schwimmerinnen und Schwimmer zu den Sommerspielen fliegen, die sich in Rüttenscheid vorbereitet haben.
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