In Essen geht es um die WM-Tickets

Will sich auf heimischer Bahn das WM-Ticket sichern: Hendrik Feldwehr.
Will sich auf heimischer Bahn das WM-Ticket sichern: Hendrik Feldwehr.
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
Die Elite strebt dem Saisonhöhepunkt in Kazan entgegen, der in einem Monat stattfindet. Hendrik Feldwehr und Dorothea Brandt von der SGE wollen daheim alles klar machen

Die Schwimm-Elite strebt dem Saisonhöhepunkt entgegen. In einem Monat werden in Kazan die Besten der Besten gesucht, die Weltmeister gekürt. Und wenn es schon nicht zum Gold oder einer Medaille reicht, wollen die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer zumindest beweisen, dass sie wieder Anschluss an die Weltspitze gefunden haben. Noch steht aber nicht fest, wer alles nach Russland reisen darf, denn vor dem WM-Start hat Bundestrainer Henning Lambertz die zweite Qualifikationshürde gesetzt. Und die steht in Rüttenscheid, wo ab diesem Mittwoch bis Samstag die „German Open“ stattfinden werden.

Die Startgemeinschaft Essen (SGE) ist eine feine Adresse, auch wenn es darum geht, Schwimmfeste auszurichten. Viele Jahre lang war die Kurzbahn-DM in dieser Stadt zu Hause, vor einem Jahr kämpften die Asse im Leistungszentrum um die EM-Teilnahme. „Wir richten die Veranstaltung auch diesmal auf Bitten des Deutschen Schwimmverbandes aus“, sagt der SGE-Vorsitzende Bernhard Gemlau. Natürlich ist es eine Ehre, aber auch eine Verantwortung, denn der Gastgeber muss alleine zusehen, dass es funktioniert. Und sich auch selbst auf Sponsorensuche begeben.

Treffen auf höchstem Niveau

Dem SGE-Vorsitzenden Bernhard Gemlau ist es gelungen, wie im Vorjahr die Sparkasse Essen für dieses Meeting zu gewinnen. Es wird ein Treffen auf höchstem Niveau. Fast alles, was in Deutschland Rang und Namen hat, hat sich angesagt. Anwesenheitspflicht gilt auch für diejenigen, die nach der Deutschen Meisterschaft die zweite WM-Norm bereits erfüllt haben. „Die Meldezahlen werden überschaubar bleiben“, weiß Gemlau. Die Sommerferien haben begonnen, da fällt es ohnehin schwer, das Teilnehmerfeld zu ergänzen. Mit 250 bis 300 Aktiven rechnet die SGE. Das langt. Qualität ist und bleibt der Maßstab.

Als in der vergangenen Woche in Rüttenscheid ein Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg entschärft werden musste, wurde auch die SGE evakuiert und musste den Trainingsrhythmus ändern. „Etwas nervig ist es schon“, gestand Trainerin Nicole Endruschat, um im gleichen Atemzug darauf zu verweisen, dass es nicht wirklich Einfluss auf die Form haben wird. Und die ist vielversprechend.

Langstrecklerin Isabell Härle hat das WM-Ticket bereits sicher. Zumindest im Freiwasser. Sie war bei den Weltcup-Rennen in Cozumel/Mexiko und am Balaton/Ungarn über zehn Kilometer jeweils beste Deutsche und konnte somit auch auf einen Start bei der DM am vergangenen Wochenende in Lindau am Bodensee verzichten. Gut so, denn Härle will sich im Becken als Deutsche Meisterin über die 1500 Meter ebenfalls empfehlen. „Und das wird sie auch schaffen“, ist Endruschat überzeugt. Zumal die Norm diesmal nicht so hart angesetzt sei wie bei der DM im Mai.

Einte tolle Saison absolviert bisher Christian vom Lehn, der nach einer ewig langen Verletzungsgeschichte nun furios zu einem Comeback durchgestartet ist. Im Rahmen der Mare-Nostrum-Tour, einem hochkarätigen Meeting am Mittelmeer, war er in Canet/Frankreich erstmals seit zwei Jahren über die 200-Meter Brust unter 2:10 Minuten geblieben (2:09,69) und noch einmal deutlich schneller als bei der DM.

Der Essener blieb deutlich unter der geforderten Zeit und ist ebenfalls schon für Kazan qualifiziert. Über die 100 Meter Brust bestätigte der deutsche Titelträger den guten Eindruck mit persönlicher Bestzeit (1:00,24 Min.).

Hendrik Feldwehr, auf der kurzen Bruststrecke zu Hause, hat sich wie Dorothea Brandt das heimatliche Schwimmbecken als Qualifikationsort ausgesucht und muss über 50 Meter das Ticket lösen. Was dem Europarekordhalter gelingen dürfte, denn bereits in Monaco auf der Mare-Nostrum-Tour knackte er in 27,40 Sekunden die Norm mit Meeting-Rekord.

Sprinterin Dorothea Brandt muss sich über die 50 Meter Freistil zum zweiten Mal beweisen. Während der Tour am Mittelmeer hatte sie sich noch nicht ausreichend von der hohen Trainingsbelastung erholt und keine großartigen Akzente gesetzt. „Doro wird aber von Tag zu Tag schneller und kann bis zur WM noch ordentlich zulegen“, versichert Nicole Endruschat. Was ab Mittwoch zu beweisen wäre.