Hannes Lindt und Tusem - ein Glücksfall für beide Seiten

Linkshänder Hannes Lindt ist zurück auf der Margarethenhöhe.
Linkshänder Hannes Lindt ist zurück auf der Margarethenhöhe.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Linkshänder Hannes Lindt ist zum Handball-Zweitligisten Tusem Essen zurückgekehrt. Er kommt vom Erstliga-Schlusslicht SG BBM Bietigheim, wo er zuletzt nach einer langen Verletzungspause nicht mehr zur Stammbesetzung zählte.

Die Fans haben darüber schon lange diskutiert. Es gab genug Stimmen, die immer wieder eindringlich eine Verstärkung forderten, damit „ihr“ Tusem nach dem gravierenden personellen Umbruch nicht in den Abstiegssumpf gerät. Das Geld ist allerdings knapp auf der Margarethenhöhe, eine weitere Verpflichtung war nicht drin. Doch dem schier unglaublichen Verletzungspech, das die Essener Zweitliga-Handballer in der Hinrunde quälte, folgt eine überaus glückliche Fügung: Hannes Lindt (28) kehrt vom Erstligisten SG BBM Bietigheim nach Essen zurück. „Das ist ein absoluter Glückfall für uns“, strahlt der Sportliche Leiter Stephan Krebietke.

Als sich Marcus Bouali und Pasqual Tovornik vor einigen Wochen fast gleichzeitig einen Kreuzbandriss zuzogen, wurde es eng für Trainer Mark Dragunski bei der Personalplanung im rechten Rückraum. Simon Keller (21), gelernter Rechtsaußen, machte seine Sache zwar gut, aber die Saison ist lang, der Abstiegskampf hart. Den Verantwortlichen war schnell bewusst, dass dieser Zustand als Dauerlösung ein Risiko bedeutet hätte.

Der Tusem suchte, sondierte den Markt auch im Ausland. Und plötzlich war sie da, diese Option Hannes Lindt. Ein Spieler, der sich nicht großartig einleben muss, der den Verein und das Umfeld kennt, ja sogar noch mit einigen Jungs aus dem aktuellen Kader zusammengespielt hat (Bliß, Seidel, Keller, Ellwanger, Trodler). Und einer, der genau weiß, was in der 2.Liga abgeht und was Abstiegskampf bedeutet. Besser geht’s nun wirklich nicht. „Er passt optimal zu uns“, schwärmt Krebietke. „Seine Qualität und Erfahrung werden uns gut tun.“

Der Handballer hatte den Kontakt ins Revier nie abgebrochen. Aus lockeren, privaten Gesprächen wurde vage Hoffnung und alsbald konkret verhandelt. Und Lindt trieb den Wechsel höchstselbst voran. „Auch sein Engagement hat dazu beigetragen, dass alles schnell und reibungslos über die Bühne gegangen ist“, lobt Krebietke.

Bietigheim hat natürlich ebenfalls bei dem Deal mitgespielt. Beim Schlusslicht der Beletage war Lindt nicht mehr die erste Besetzung wie im Aufstiegsjahr. Was auch mit seinem Verletzungspech zu tun hatte. Im Februar 2014 riss er sich das Kreuzband. Wenig später folgte ein Außenbandriss. Fast neun Monate lang war er zum Zuschauen verdammt. Im Oktober kehrte er dann zurück auf die Platte, doch der 1,97 Meter große Rückraumrecke bekam nicht mehr so viele Einsatzzeiten, auch weil sein Arbeitgeber personell nachgerüstet hatte.

Ein Stammplatz auf der Bank? Das ist gar nichts für Hannes Lindt. „Er ist einer, der anpackt“, beschreibt Tusem-Trainer Mark Dragunski. Und kaum war der Vertrag, der bis Saisonende läuft, unterschrieben, begab sich Lindt in Essen auf Wohnungsuche.

Als sportlichen Rückschritt empfindet er seine neue Aufgabe nicht, obwohl es formal so ist - von Liga eins in zwei. Lindt indes rechnet anders und sieht sich ebenfalls als Gewinner bei diesem Wechsel. „Wäre ich in Bietigheim bis zum Saisonende geblieben, hätte ich über ein Jahr keinen vernünftigen Spielrhythmus gehabt. Aber es fällt mir schwer, in einer Mannschaft keine Rolle mehr zu spielen. Ich will Verantwortung übernehmen, und das kann ich nur, wenn ich auf dem Feld stehe. Es ist vielleicht ein Schritt zurück, aber nur, um wieder einen nach vorn zu machen.“ Und eines ist für ihn sowieso schon klar. „Den Klassenerhalt schaffen wir.“