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51. RWE-Marathon

Florian Neuschwander siegt locker und leichtfüßig

13.10.2013 | 20:42 Uhr
Florian Neuschwander siegt locker und leichtfüßig
Florian Neuschwander.Foto: Michael Gohl

Locker und leichtfüßig bogFlorian Neuschwanderam Regattaturm auf die Zielgerade ein und schon vom weitem fiel auf, dass dieser junge Mann noch verdammt gut drauf war. Auch wenn er später zu Protokoll gab, dass er auf der Strecke durchaus kämpfen musste.

Locker und leichtfüßig bog Florian Neuschwander am Regattaturm auf die Zielgerade ein und schon von weitem fiel auf, dass dieser junge Mann noch verdammt gut drauf war. Auch wenn er später zu Protokoll gab, dass er auf der Strecke durchaus kämpfen musste. Unter dem Applaus des Publikum flog er dem Ziel entgegen, grüßte ins Publikum, streckte die Hände in den Himmel und freute sich über seinen Sieg beim 51.Internationalen RWE-Marathon „Rund um den Baldeneysee“. Sein zweiter in diesem Jahr, denn er hatte auch schon den Vivawest-Marathon quer durchs Ruhrgebiet gewonnen.

Stichwort
Christl Dörschel – die schnellste Frau am See
Christl Dörschel – die schnellste Frau am See

Die schnellste Frau am Baldeneysee war in diesem Jahr Christl Dörschel (geb. Viebahn) vom LAZ Rhein-Sieg/Gummersbach, die in 2:43:07 Stunden auch so schnell war wie nie zuvor. Und das, obwohl ausgerechnet ihr Tempomacher schwächelte. „Er hatte eine Erkältung“, erklärte die 37-jährige Siegerin und strahlte unablässig. Sie sei super gleichmäßig gelaufen, auch, als ihr ab Kilometer 38 der Wind heftig ins Gesicht blies. Zweite wurde Nina Vabic (TSG Kleinostheim/Hanau) in 2:51:17 Stunden.

Erst vor fünf Wochen ist Dörschel in Münster einen Marathon mit angezogener Handbremse gelaufen. Kein Wunder, denn zwei Tage zuvor hatte sie geheiratet.

Rund 1000 Einzelstarter spulten wie Neuschwander die 42,195 Kilometer am See ab, und viele von ihnen erreichten völlig erschöpft und ausgelaugt das Ziel, einige kaum noch fähig, sich auf den Beinen zu halten. Sie hatten alles, wirklich alles aus ihrem Körper herausgeholt. Neuschwander (Bestzeit 2:20:28 Std.) natürlich auch, schließlich hatte er sich bei seinem nunmehr dritten Marathon in diesem Jahr eine Zeit unter 2:20 vorgenommen. Nur, für den 32-Jährigen aus Trier sind 42 Kilometer offenbar eine eher lockere Angelegenheit. Dieser Mann ist ganz andere Strapazen gewohnt. Im Juli dieses Jahres wurde er im Norden von Wales Vize-Weltmeister im Ultramarathon-Trail. Über 77 Kilometer.

Direkt nach dem Einlauf hat Neuschwander noch genug Luft, um geduldig Fragen zu beantworten. „Ich war anfangs einen Tick zu schnell“, plauderte der Sieger. „Und Daniel Schmidt ist natürlich auch super stark gelaufen. Am Ende konnte ich mich aber vor ihm ins Ziel retten.“ Mit 2:21:28 Stunden hatte der Trierer die selbst gesteckte Marke verpasst. Aber das störte ihn nicht sonderlich. Dieser drahtige Ausdauerkünstler nimmt’s sowieso wie es kommt, wie es ihm gerade Spaß macht. Und experimentiert auch gerne. Mal läuft er die 10 000 Meter auf der Bahn. Und gar nicht schlecht, denn mit einer Zeit von 30:11 Minuten steht er in der deutschen Rangliste immerhin auf Platz zehn. Doch die Ultra- oder Marathon-Distanz sind ihm schon lieber. „Die Ultra-Läufe finde ich persönlich noch reizvoller, da hat man nicht so den Zeitdruck und kann die Landschaft genießen. Man hat mehr Spaß und darauf kommt es schließlich an.“

Hintergrund
1400 Euro für Aktion „Lichtblicke“

Die Allbau-Staffel mit den beiden Tusem-Handballern Marcus Bouali und Lasse Seidel sowie den Essener Kanuten Tomasz Wylenzek und Weltmeister Max Hoff belegten den achten Platz (3:02 Std.). Für jede Staffel, die schneller war, zahlt die Allbau AG 100 Euro an die Aktion „Lichtblicke“. Dieses Projekt setzt sich für sozial benachteiligte Kinder in NRW ein. 700 Euro wären es also gewesen, doch das Unternehmen stockte den Betrag auf 1400 € auf.

Die schnellste Quartett waren „The Marx Brothers“ (Michael Schäfer, Mats Ahl, Hendrik Vollrath, Julius Schnieder) in 2:40:15 Stunden vor Polizei Essen (Thomas Rueter, Thomas Wöhler, Markus Hilz, Andreas Beckmann - 2:46:22).

Vielleicht wird er im November noch bei der DM über 50 Kilometer in Bottrop starten. Der Mont-Blanc-Marathon in Chamonix/Frankreich steht gewiss ganz oben auf der Liste für 2014. Nur ein Marathon zwar – aber mit 2500 Höhenmetern. „Ich mache halt gern mal was Neues.“ Mit ein Grund, warum er am Sonntag in Essen gestartet ist und nicht in München bei der Deutschen Meisterschaft oder in Köln. Vor allem der Kölner „Treff“ hat dem Tusem einige Starter gekostet. Schließlich zählte der Gastgeber diesmal nur 1169 Finisher: 950 Einzelstarter, der Rest waren Schlussläufer der rund 250 Staffeln.

Keineswegs enttäuscht war der Vorjahressieger Daniel Schmidt (LT Köln/Remscheid) über seinen zweiten Platz. Er hatte lange Zeit mit an der Spitze gelegen. „Bei Kilometer 28 bin ich bis auf 15 Sekunden ran gekommen, war optimistisch und wollte noch mal Gas geben. Doch die Beine wurden immer schwerer.“ Kein Wunder bei dem phasenweise böigen Gegenwind. Immerhin war Schmidt schneller als 2012 und stellte mit 2:22:04 Stunden eine persönliche Bestzeit auf.

Matthias Graute (TRC) wiederum war enttäuscht. Der Sieger von 2011 war hinter Elias Sansar (LG Lage Detmold/ 2:22:13) als Vierter angekommen, mit 2:27:07 aber immerhin bester Essener. „Die erste Runde war gut mit 1:10“, schilderte Graute, der Magenprobleme bekam. 1:17 benötigte er für den zweiten Abschnitt. Da kann man nicht zufrieden sein. „Aber ich wusste, dass es schwer wird, ich bin ja erst acht Wochen im Training.“

Rolf Hantel

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2013-10-13 20:42
Essen