FC Kray schoss mehr Fotos als Tore
30.09.2012 | 20:32 Uhr 2012-09-30T20:32:00+0200
Essen. Die Einstellung fehlte - und Kapitän Dominik Immanuel auf dem Spielbericht: Nach der 1:3-Niederlage im Derby bei Rot-Weiss Essen kritisierte Trainer Dirk Wißel vom FC Kray die Begleitumstände. „Uns fehlt derzeit ein bisschen die Überzeugung, etwas reißen zu können", sagte Wißel.
Angefressen war Dirk Wißel. Richtig sauer. Es kam viel zusammen an diesem Nachmittag: Da war das 1:3 gegen RWE, die fünfte Niederlage in Folge. Aber es waren vor allem die Begleitumstände rund um das Spiel an der Hafenstraße, die Wißel gewaltig nervten. Begleitumstände, die erneut die Frage nach dem Selbstverständnis des FC Kray aufwerfen. Gehört der Klub mit seinen Strukturen, die mit den zahlreichen Aufstiegen des kickenden Personals kaum Schritt halten konnten, überhaupt in die Vierte Liga? Ein Dilemma, das vorhersehbar war. Dirk Wißel sagt „Nein!“ Und das 1:3 bei Rot-Weiss mag ihn bestätigt haben.
Rot-Weiss Essen besiegte im Derby den FC Kray vor 11 000 Zuschauern souverän mit 3:1. Für den Tabellenzweiten RWE war es der fünfte Heimsieg in Folge. Der Aufsteiger besaß zu wenig Durchsetzungsvermögen und war im Zweikampf unterlag.
Dass Dominik Immanuel trotz seiner Nominierung am Samstag nicht auf dem Spielberichtsbogen stand, war nur das i-Tüpfelchen – der Klub hatte schlicht vergessen, den Kapitän einzutragen. „Es kann auch nicht sein, dass wir auf den Platz kommen und erst das Stadion fotografieren. Und dann uns auch noch gegenseitig“, ärgerte sich der Coach über die „falsche“ Einstellung. Tatsächlich agierte das Team auch die folgenden 90 Minuten zu brav. Kray zeigte sich verbessert gegenüber den Auftritten gegen Lotte und Siegen, es fehlte aber der Glaube, Unmögliches möglich machen zu können, was auch Ilias Elouriachi später einräumte. Die Pleitenserie hat Spuren hinterlassen, „uns fehlt derzeit ein bisschen die Überzeugung, etwas reißen zu können“.
FC Kray war nur Gast auf diesem Fußballfest
Es fehlte Kaltschnäuzigkeit, das Team konnte die Ehrfurcht nie ganz ablegen. Und so war Kray nur Gast auf diesem Fußballfest – und alle wollten dabei sein. So voll war eine Spielerbank wohl selten zuvor. Das Schiedsrichtergespann um Thorsten Kinhöfer schob dem früh einen Riegel vor. Doch die mögliche Hauptrolle wehrte sich das Team nach Kräften an diesem Nachmittag. „Ich habe beide Mannschaften schon besser spielen sehen“, sagte Mittelfeld-Ass Kevin Barra. Heißt im Umkehrschluss: Gegen RWE war mehr drin.
Gehört der FC Kray in die Vierte Liga? Dirk Wißel sagt „Nein!“ – aber absteigen will er natürlich nicht. Der starke Saisonauftakt des Sensationsaufsteigers nährte die Ambitionen, die Klasse zu halten. Nun, nach den Spielen gegen die Topteams, nach reichlich gezahltem Lehrgeld, muss der Klub zurückfinden in die Erfolgsspur, auch wenn die Vokabel „Druck“ nach wie vor kaum benutzt wird. „Wir dürfen in dieser Liga spielen“, hatte Dirk Wißel zuletzt immer betont. Aber das Olympische Motto reicht auch Wißel nicht, das zeigt seine Reaktion. „Man muss einfach mehr erwarten, gerade von den erfahrenen Jungs, die die junge Mannschaft zusammenhalten müssen.“

11:41
Das Trainergespann vom FC Kray bringt immer alles treffend auf den Punkt und wählt sehr gute Vergleiche u.s.w. - auf diesem Gebiet ist man RL-tauglich !
22:25
„Ich habe beide Mannschaften schon besser spielen sehen“, sagte Mittelfeld-Ass Kevin Barra. Heißt im Umkehrschluss: Gegen RWE war mehr drin.
Ich habe dieses Zitat bewusst hervorgehoben.
In dieser Partie war ein Klassenunterschied nicht zu übersehen. Verständlicherweise. Fällt mit der ersten Aktion in der 2.Minute der Führungstreffer (vielleicht war der Ball sogar im Tor?) ;-) für Rot-Weiss bzw, schaltet RWE nach dem 3:0 nicht mehrere Gänge zurück hätte es ein Debakel für den Neuling gegeben.
Kray war in dieser Partie nicht letztlich aufgrund des späten Treffers völlig chancenlos- sie waren es von Beginn an!
Beste Grüsse!