Es läuft nicht rund bei der SGE
23.05.2012 | 21:18 Uhr 2012-05-23T21:18:00+0200
Die Stimmung im Team von Trainer Henning Lambertz war am Abend merklich angespannt. „Bei uns ist irgendwie der Wurm drin“, gestand der Chefcoach frustriert. „Ich kann’s mir nicht erklären.“ Es läuft nicht rund bei den Assen der Startgemeinschaft Essen und der gestrige EM-Tag im ungarischen Debrecen war besonders bitter. Am Vormittag hatte sich Isabelle Härle über die 800-m Freistil sang- und klanglos bereits im Vorlauf aus dem Wettbewerb verabschiedet. Meilenweit blieb sie entfernt von der angestrebten Olympia-Norm. Und dann verpatzte auch noch Caroline Ruhnau, die bei der DM vor anderthalb Wochen noch so blendend in Form war, ihr Finale über 100-m Brust.
Ruhnaus Vorlauf-Zeit von 1:07,85 hätte zu Silber gereicht. Im Zwischenlauf aber war sie schon nicht mehr so locker. Und im Endlauf verkrampfte die Deutsche Meisterin zusehends auf den letzten 25 Metern. Ihre Zeit: 1:07,95 Minuten. Vier Hundertstel fehlten zu Bronze. Dennoch: Bei der DM war Ruhnau deutlich schneller geschwommen. (1:07,28). „Es kann nicht sein, dass man sich, wenn es am wichtigsten ist, selbst klein macht“, fand Lambertz klare Worte. Und wenn man nie zum richtigen Zeitpunkt die Leistung abrufen könne, habe das auch mit Unvermögen zu tun. „Ich glaube, mir hat heute auch etwas die Kraft gefehlt“, sagte Ruhnau direkt nach dem Rennen. Auch sie war gekickt und ratlos.
Poewe gewinnt Duell
Gleichwohl durfte der Deutsche Schwimmverband jubeln, denn den EM-Titel schnappte sich Ruhnaus Rivalin Sarah Poewe (SG Wuppertal), die in Berlin noch das Nachsehen hatte, diesmal aber in persönlicher Bestzeit von 1:07,33 Minuten Gold gewann und auch die Olympia-Norm unterbot.
Noch größer war die Enttäuschung nach dem Absturz von Isabelle Härle. Die Langstrecklerin wollte in Debrecen noch einmal angreifen und über die 800-m Freistil die olympische Richtzeit unterbieten. Doch am Ende blieb ihr nur der Frust. Wortlos verließ die 24-Jährige die Schwimmhalle in Debrecen. In 8:43,00 Minuten war sie sogar um sechs Sekunden langsamer als in Berlin. Sie überstand nicht einmal den Vorlauf. Fast 14 Sekunden war sie über der Norm geblieben. Das sind Welten im Schwimmsport. Und Lambertz wetterte: „Das ist nicht unser Anspruch und unser Niveau. Das wird ja langsam peinlich, was wir hier machen.“ Noch am Abend rief er zur Krisensitzung. „Da wird es eine klare Ansprache geben.“
Schon bei den Deutschen hatte Härle ihren persönlichen Einbruch erlebt. „Die Zeit ist vollkommen indiskutabel“, kritisierte Trainer Lambertz damals. Doch in Ungarn war sie eine einzige „Katastrophe“.
Härle war erst zu Beginn des Jahres aus Heidelberg nach Rüttenscheid gekommen, um sich hoffnungsfroh unter der Regie von Henning Lambertz auf die Olympia-Qualifikation vorzubereiten. Doch die Defizite, waren in der relativ kurzen Zeit offenbar nicht auszumerzen.
Indiskutable Zeit
Härle hatte ohnehin auch wegen einer Muskelverletzung im Schulterbereich erst im Februar mit der Vorbereitung beginnen können. Das Training war ein Wettlauf gegen die Zeit. Ihr bleibt nur noch, die Daumen zu drücken, dass es zumindest ihr Freund, der Brustschwimmer Hendrik Feldwehr, noch nach London schafft.
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