Endlich im Playoff-Modus

Devin Joseph White (ETB).
Devin Joseph White (ETB).
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der 76:73-Sieg des ETB im zweiten Viertelfinalspiel hat Kraft gekostet, setztvielleicht aber auch neue Kräfte frei. Aggressivität und Emotion wollen richtig kanalisiert werden

Die Hose von Gary Johnson fasste gut zusammen, was rund 2200 Fans in der Sporthalle am Hallo über 40 Minuten hatten bestaunen dürfen: Angerissen, mit Löchern versehen – die Turnbuchse sah genauso abgekämpft aus wie das Gesicht des US-Boys – und die seiner Teamkameraden. Der 76:73-Erfolg des Basketball-Zweitligisten (Pro A) ETB im zweiten Playoff-Viertelfinale gegen Nürnberg hat Kraft gekostet – setzt aber vielleicht auch neue Kräfte frei.

Keine Ausflüchte

Viel war nach der Partie von „Stolz“ die Rede gewesen – ganz von der Hand zu weisen ist die Theorie, wonach die Klatsche im ersten Duell in Nürnberg vielleicht eine heilsame Wirkung hatte, tatsächlich nicht. Bei den Wohnbau Baskets gab es danach jedenfalls keine Ausflüchte. Konnte es gar nicht geben. Es musste schonungslos angesprochen werden, was falsch gelaufen war beim NBC. So ziemlich alles ab der siebten Minute. Furios war man gestartet in dieses erste Playoff-Spiel, um furios abzubauen und – in gleichem Maße – den Gegner stark zu spielen. „Sicher ist es schwer, das Niveau dieser Anfangsphase zu halten, zumal gegen einen so starken Gegner“, bilanzierte Gary Johnson. „Aber wir müssen uns auf einem sehr guten Niveau fangen, sonst hat man keine Chance.“

Es wird wohl – bei allen Appellen an das eigene Selbstwertgefühl – auch Gesprächsthema gewesen sein in den wenigen Stunden bis zum zweiten Aufeinandertreffen. Zwar gelang dem ETB im Spiel zwei am Hallo nicht ein solcher Start, doch das Team spielte konstanter. Auf einem Level, das hoffentlich nicht das höchste war, das die Essener zu bieten haben. Das es den Wohnbau Baskets aber erlaubte, im Spiel zu bleiben. Die Basis zu legen für das vierte Viertel, in dem der ETB – angefeuert von einem dann frenetischen schwarz-weißen Anhang – die Partie tatsächlich zum Kippen brachte. In Nürnberg hatte man sich viel zu schnell ergeben, im Heimspiel bis zur letzten Sekunde gebissen. Hart gespielt. Die Mannschaft überzeugte, vor allem aber auch Nick Oudendag. Spielerisch und durch seine Körpersprache. Sich mit jedem Gegenspieler anlegend, am liebsten mit den langen Nürnberger Kerls, die dem 2,10-Meter-Hünen wenigstens in die Augen schauen konnten. ETB-Trainer Igor Krizanovic war zufrieden: „Wir haben in Nürnberg eine Klatsche bekommen und uns ordentlich revanchiert. Alle müssen jetzt verstehen, dass es nicht mehr darum geht, sich Freunde zu machen.“ Der ETB scheint endlich im Playoff-Modus zu sein.

Nürnberg wird reagieren

Gleichwohl wird es die Kunst sein, Emotion und Aggressivität in einer positiven Art und Weise zu kanalisieren, die weiter guten Basketball erlaubt. In Nürnberg wird man jedenfalls reagieren. Deren Coach Ralph Junge kündigte an: „Wir waren nicht so schlecht, dass wir dieses Spiel hätten verlieren müssen. Wir haben bis Freitag einiges zu besprechen, dann werden wir ready für Essen sein.“