Einen Weg aufzeigen

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Hinter den ETB Wohnbau Baskets liegt das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte, die Essener durften als Tabellenzweiter Weihnachten feiern und 2015 begrüßen. Doch die Herausforderungen werden nicht kleiner, nur weil man sie in luftiger Höhe angehen darf: Mit Aufsichtsrat Henning Lustermann zieht sich ein wichtiger Partner aus beruflichen Gründen zurück, insgesamt will sich der Klub strukturell neu aufstellen. Eine weitere Baustelle: Trainer Igor Krizanovic. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Niklas Cox.


Herr Cox, werfen wir doch zunächst einen Blick zurück. Die Frage, ob Sie zufrieden sind mit dem Jahr 2014, dürfte sich ja eigentlich gar nicht stellen, richtig?

Das stimmt. Zufrieden trifft es auch nicht so ganz, wir sind begeistert. Wir haben die vergangene Saison mit acht Siegen abgeschlossen und haben uns noch für die Playoffs qualifiziert. Das war Wahnsinn. Und nun, zu Beginn des neuen Jahres auf Platz zwei zu stehen, hat natürlich kühnste Hoffnungen übertroffen.


Sportlicher Erfolg geht meist mit gestiegenen Erwartungen einher, die nicht nur das Umfeld an einen, die man vielmehr auch an sich selbst hat.

Wir haben unser Ziel, ein Playoff-Team sein zu wollen, vor der Saison offensiv formuliert. Daran hat sich nichts geändert. Und schaut man sich die Tabelle an, wird man feststellen, wie eng es zu geht in der Liga. Wir müssen weiter jeden Tag hart arbeiten um dort oben zu bleiben!


Die Zuschauer haben wahrgenommen, dass sich in Essen etwas tut. Zuletzt gegen Jena waren es über 2500 Fans.

Ich habe zu einem früheren Zeitpunkt überlegt, ob es nicht doch noch ein paar Zuschauer mehr hätten sein können, verbunden mit unserem starken Saisonstart. Man darf aber mehr als zufrieden zur Kenntnis nehmen, dass wir den Schnitt bereits um knapp 250 Zuschauer gesteigert haben. Kurz vor Weihnachten haben wir gehofft die 2000er-Marke zu knacken. Dass es gegen Jena so voll war, hat uns natürlich riesig gefreut. Jetzt gilt es, dass wir uns sportlich und hinsichtlich der Zuschauerzahlen auf erhöhtem Niveau stabilisieren können, um dann den nächsten Schritt zu machen.


Ein „nächster Schritt“ war immer der Plan, sich weiter zu professionalisieren. Nun muss aber erstmal mit Aufsichtsrat Henning Lustermann eine ganz wichtige Kraft ersetzt werden.

Das stimmt leider. Henning Lustermann kann uns ab der kommenden Saison aus beruflichen Gründen nicht mehr unterstützen. Es ist unglaublich was er die letzten Jahre für die ETB Wohnbau Baskets getan hat und in dieser Saison war er gerade für Igor (ETB-Trainer Krizanovic, Anm.d.Red.) ein ganz wichtiger Partner hinsichtlich der Kaderzusammenstellung und Spielerverträge.


„Professionalisierung“, was bedeutet das eigentlich konkret?

Das diskutieren wir gerade. Fakt ist: Wir alle in der Organisation gehen auf dem Zahnfleisch, das muss man einfach so sagen. Wir müssen nun Lösungen finden, wie jeder einzelne entlastet werden kann und wir uns trotzdem weiterentwickeln.


Das dürfte Geld kosten. Auf der anderen Seite kann es ja nicht gewollt sein, beim Kader Abstriche zu machen. Wie steht es um die Zuneigung der Sponsoren?

Die heiße Phase beginnt jetzt. Das Ziel ist zunächst, denselben Betrag wieder zur Verfügung zu haben, wie in dieser Saison. Wir hoffen aber, noch etwas drauflegen zu können, um unsere Pläne in die Tat umzusetzen. Als ich als Geschäftsführer bei den ETB Wohnbau Baskets angefangen habe, hatte ich gedacht: Sponsorengelder zu akquirieren, das kann ja nicht so schwer sein. Ich habe gelernt, dass dies extrem harte Arbeit ist. Aber mit sportlichem Erfolg im Rücken fällt es wenigstens ein bisschen leichter.


Gerüchten zufolge könnte sich ein größerer Sponsor zurückziehen.

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich das nicht kommentieren möchte und kann. Es stehen mit allen Partnern noch Gespräche an.


Wie sieht es denn mit Gesprächen mit Trainer Igor Krizanovic aus? Sein Vertrag läuft am Ende der Saison aus.

Igor weiß, wie sehr wir ihn schätzen. Gespräche mit ihm haben höchste Priorität.
Wie steht es denn um die Perspektive für einen Trainer wie Igor Krizanovic? Björn Harmsen (Coach von Science City Jena, Anmerkung der Redaktion) war vor Weihnachten nicht der erste Gäste-Trainer, der Igor Krizanovic eigentlich in der BBL sieht.

Da kann ich ihm nur zustimmen: Igor hat BBL-Niveau, wenn nicht sogar Euroleague-Niveau. Er leistet hier eine einzigartige Arbeit.


Krizanovic selbst hatte sich nach dem Spiel gegen Jena mit dem Hinweis auf die strukturellen Baustellen im Verein zurückhaltend geäußert.

Wir wollen die Attraktivität der ETB Wohnbau Baskets insgesamt natürlich weiter steigern, einen Weg aufzeigen, den jeder gerne mitgehen möchte. Wir hoffen, dass wir noch vor dem Ende der Saison insgesamt zu einem positiven Ergebnis kommen werden.