Dramatik mit all ihren Facetten beim Essener Budenzauber

Zakarias Elouriachi (l./ Schonnebeck) gegen Erdinc Balaban (HSV).
Zakarias Elouriachi (l./ Schonnebeck) gegen Erdinc Balaban (HSV).
Foto: WAZ FotoPool

Der Hallenfußball ist bei Fans so beliebt, weil er unberechenbar ist. In der Zwischenrunde der 21. Essener Hallenstadtmeisterschaften zeigte sich die Dramatik des Budenzaubers in allen Facetten.

Etwa in der Gruppe sieben. Dort traf im letzten Spiel Bezirksligist SC Phönix auf A-Kreisligist ESG 99/06. Beide Teams mussten gewinnen, um in die Endrunde einzuziehen. Doch bis drei Minuten vor Abpfiff stand es 1:1 – auch weil Phönix’ Erol Serin einen Neunmeter verschossen hatte. Es sah so aus, als würde es einen lachenden Dritten geben. Bei einem Remis wäre der VfL Kupferdreh weitergekommen. Dann traf Christoph Kleiber für die ESG zum 2:1. In den Schlusssekunden überschlugen sich aber die Ereignisse: 13 Sekunden vor Schluss traf Tuncay Kurmali für Phönix zum Ausgleich. Kupferdreh jubelte auf der Tribüne, alles schien für den VfL zu laufen. Ein weiteres Tor für Phönix hätte allerdings auch noch dem Titelträger von 2011 die Teilnahme am Finalwochenende gebracht. Phönix schmiss in der Hoffnung auf ein Wunder alles nach vorne – und wurde ausgekontert. Christoph Kleiber traf drei Sekunden vor Schluss zum entscheidenden 3:2 für die ESG.

Die Halle stand Kopf. Die ESG wusste nicht wohin mit ihrer Freude, der VfL Kupferdreh hatte Probleme, dieses Gefühlschaos einzuordnen und Phönix war konsterniert. Der zuvor so überzeugende Geheimfavorit auf den Titel war ausgeschieden. „Es kam eins zum anderen. Wir waren viel zu pomadig und haben keinen Siegeswillen gezeigt“, kritisierte Phönix-Coach Arndt Krosch. Allerdings verabschiedete sich Phönix nicht als einziger Bezirksligist aus der Zwischenrunde. Nur eine halbe Stunde später war auch Adler Union Frintrop ausgeschieden. Das 0:1 gegen Altenessen bedeutete das Aus für den Bezirks- und das Weiterkommen für den Kreisligisten.

Das Ausscheiden von Phönix und Frintrop war die krachende Schlusspointe unter ein zuvor so wenig überraschendes Wochenende. Bis zum Sonntagabend hatten sich ausnahmslos die Favoriten durchgesetzt. Es schieden jeweils die klassentieferen Mannschaften aus. Dem Unterhaltungswert der Zwischenrunde hatte das aber schon da keinen Abbruch getan.

Die Zuschauer in der gerade am Samstag proppenvollen Halle am Hallo sahen wieder spannende Spiele, mit teils spektakulären Aktionen. Etwa von Schönebecks Marcel Hoffmann, der gegen Niederwenigern aus fünf Metern mit der Hacke traf. Oder von Krays Ilias „Ele“ Elouriachi, dem der Ball am Fuß zu kleben schien, und ein ums andere Mal zauberte – mitunter zum Missfallen seines Trainers Denis Tahirovic: „Im letzten Spiel hat er es übertrieben und versucht, eine Ele-Show daraus zu machen.“ Insgesamt zeigte Kray aber ebenso wie Titelverteidiger SV Schonnebeck keine Schwäche. Beide zogen mit drei Siegen als Gruppensieger in die Endrunde am kommenden Samstag am Hallo ein.

In der Gruppe vier schmissen die Landesligisten Vogelheimer SV und ESC Rellinghausen Bezirksliga-Spitzenreiter VfB Frohnhausen aus dem Turnier. Allerdings hätte es um ein Haar den Vogelheimer SV erwischt. Wäre der Schuss von Frohnhausens Nils Thiesling zehn Sekunden vor der Schlusssirene des abschließenden Gruppenspiels nicht gegen den Pfosten geklatscht, sondern im Tor gelandet, wäre der VSV raus gewesen. „Das war nichts für meine Nerven“, pustete Vogelheims Trainer Sascha Hense durch.

Währenddessen wurde bei dem ein oder anderen Außenseiter die Hoffnung auf die Endrunde jäh zerstört. So wurde C-Ligist Werden 80 vom Bezirksligisten Katernberg 19 im entscheidenden Gruppenspiel ausgekontert. 19 zog hinter TuS West 81 in die nächste Runde ein. „Natürlich ist im ersten Moment die Enttäuschung groß, vor allem weil wir gegen Katernberg eigentlich 2:0 hätten führen müssen. Aber es ist für uns eine tolle Leistung, überhaupt so weit gekommen zu sein“, erklärte Werdens Trainer Andre Bausch.

Im Hallenfußball liegen die Gefühlswelten eben oft nur ein Tor voneinander entfernt.