Dino Harald Grohs nimmt den Fuß vom Gas

Er fährt und fährt und fährt. Mit 71 Jahren ist ein Auto meist ein edler Oldtimer, der nur noch selten auf die Piste geht. Bei Harald Grohs verhält es sich etwas anders: Er ist ein Dino des Motorsports, der 1973 sein Debüt auf vier Rädern gab und auf Anhieb gleich mehrere Rennen gewann. 2015 im Mai, über 40 Jahre (!) später, startete „Nippel“ Grohs, wie ihn seine Freunde nennen, zum 24-Stunden-Rennen auf der legendären Nordschleife des Nürburgrings. Es war in der langen Karriere dieses Piloten das „Rund-um-die-Uhr-Rennen“ Nummer 61. Und es soll tatsächlich das letzte gewesen sein, versichert Grohs. Das habe er seiner Frau Angelika versprochen. Und um 5000 Euro hat der Essener auch noch mit einem Weggefährten gewettet, dass es nicht nur ein Boxenstopp ist. Und doch sind einige wohl etwas skeptisch. Sie kennen halt die „Grohse“ Leidenschaft.

Dieser Mann hat gewissermaßen Sprit im Blut. Rennen zu fahren, das ist seine Passion. Und vom Motorsport wird er auch künftig nicht die Finger lassen. „Wenn man etwas macht, dann richtig“, so lautet das Lebensmotto. Unter anderem arbeitet Grohs als Eventmanager, mischt im Rahmenprogramm der DTM mit und ist Fahrertrainer. Aber das konnte ihn natürlich nicht davon abhalten, noch einmal so richtig über die große Bühne zu brettern.

Als BMW nachfragte, ob er noch einmal als Werksfahrer auf dem Nürburgring starten wolle, da juckte doch gleich wieder der Bleifuß. „Ein schöneres Abschiedsgeschenk hätte ich mir nicht vorstellen können, es macht mich auch ein bisschen stolz, dass man an mich gedacht hat“, freute sich Grohs, der älteste unter rund 600 Piloten. „Wir gehören mit unserem Auto sicherlich nicht zu den Favoriten, aber ein Podiumsplatz in unserer Klasse ist ein realistisches Ziel.“ Das Team (unter anderem mit Juniorfahrer Victor Bouveng) überzeugt, lag schließlich in einer Kategorie vorn und landete im Gesamtklassement auf Rang 42 nach einer fehlerlosen Fahrt, ohne Strafen und Kratzern auf dem Lack.

In all den Jahren hat es für Harald Grohs aber nie für einen Gesamtsieg gereicht. Fünfmal ist er beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring aufs Podest gefahren, zuletzt vor 15 Jahren. Auf dem Weg zum Sieg bremsten ihn mal eine Panne, mal die Stall-Order oder einfach Pech. Als Grohs 1993 in Spa (Belgien) an zweiter Stelle lag, wurde das Rennen wegen des Todes des belgischen Königs Baudoin abgebrochen.