Die Moskitos, die Henne und das Ei

Die Moskitos Essen verlieren ihr Heimspiel gegen die Füchse Duisburg mit 2:6. Auf dem Foto: Thomas Richter (ESC).
Die Moskitos Essen verlieren ihr Heimspiel gegen die Füchse Duisburg mit 2:6. Auf dem Foto: Thomas Richter (ESC).
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Gegen Duisburg erlebte der in seiner Existenz bedrohte ESC einen emotionalen Abend. Rechtsanwalt Dobiey zur verzwickten Lage.

Es war ein emotionaler Abend. Das 2:6 gegen die Füchse Duisburg spielte nur eine kleine Nebenrolle – wichtig ist in diesen Tagen allein das Überleben der Moskitos. Und 1089 Fans sorgten für die entsprechende Stimmung, die ESC-Anhänger unter ihnen skandierten noch Minuten nach der Schlusssirene: „Essener geben niemals auf!“. Ob es hilft?

Den Moskitos fehlen 90.000 Euro

Das Schicksal des traditionsreichen Essener Eishockeys wird sich in diesen Tagen entscheiden (wir berichteten), „wir hoffen, dass Bewegung in die Sache kommt“, so André Dobiey, Rechtsanwalt im Team des Insolvenzverwalters Christoph Niering. Das müsse jetzt einfach geschehen, „dann kommt es auch sicher nicht auf einen Tag an“, so Dobiey. Andernfalls wird der ESC abgewickelt.

André Dobiey erklärte nun gegenüber dieser Zeitung die schwierige Lage.
90 000 Euro fehlen im Etat für diese Saison. Ein Betrag, der sich nahezu komplett aus nicht geleisteten Sponsorenzahlungen ergibt. Warum das Geld kaum oder gar nicht eingeklagt werden kann, erklärt André Dobiey. Einige wenige ausstehende Zahlungen hielten Sponsoren zurück, die bislang oft geholfen hätten, auch in letzter Minute. „Da tut man sich dann auch einfach schwer, eine Klage anzustrengen“, so André Dobiey. Die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zuletzt.

Problematischer: Einige Sponsoren haben ihre Zusage für den Fall gegeben, dass die Insolvenz abgeschlossen, das Verfahren beendet ist. „Das ist es aber formaljuristisch noch nicht, daher sind diese Geldgeber im Recht.“ Da stellt sich die Frage: Was war zuerst da – die Henne oder das Ei? „Wir hatten die Hoffnung, dass mit der erfolgreichen Gläubigerversammlung das Geld fließt. Geld, das wir benötigen, um die Saison stemmen und damit das Insolvenzverfahren beenden zu können.“

Ein dritter Punkt: Die Moskitos hatten auch zwei externe Stellen beauftragt, je einen Sponsorenpool aufzubauen. „Da sind nur Absichtserklärungen unterschrieben worden, leider sind diese Pools teils deutlich unter den Erwartungen geblieben“, erklärt Dobiey. „Offensichtlich ist es in Essen doch schwerer, Geldgeber zu finden.“


Die Stadt
Natürlich waren keine Zahlungen der Stadt oder der städtischen Tochterunternehmen im ESC-Etat verplant. „Auch die Ausgaben wurden in voller Höhe kalkuliert.“ Hoffnungen, doch in irgendeiner Form Unterstützung zu bekommen (sei es durch ein Entgegenkommen bei der Hallenmiete oder beim Catering) hätten sich zerschlagen. Auch stille Reserven habe man nicht aufbauen können, um mögliche Sponsorenausfälle zu kompensieren: „Wir haben mit rund 650 Zuschauern im Schnitt kalkuliert, leider kamen nicht mehr Fans zu den Spielen trotz des sportlichen Erfolgs.“

Nun steht dem ESC ein großer Kraftakt bevor, unsicher ist, ob die Moskitos ihn stemmen können. Der Countdown läuft.