Der Vater des Citylaufs

Manfred Diedrich feiert Montag seinen 75. Geburtstag.Foto:Georg Lukas
Manfred Diedrich feiert Montag seinen 75. Geburtstag.Foto:Georg Lukas
Was wir bereits wissen
Manfred Diedrich lockte einst Weltklasse-Leichtathleten auf die Kettwiger.Der ehemalige Mittelstreckler und Kreisvorsitzende wird 75 an diesem Montag.

Jede Sportart, jeder Verein, jeder Leistungssportler benötigt auch Freunde und Helfer, die im Hintergrund helfen und Fäden ziehen. Leichtathlet Manfred Diedrich war einer von diesen Unterstützern, die in den 80er und 90er Jahren bundesweit mit internationalen Leichtathletikveranstaltungen für Schlagzeilen sorgten. An diesem Montag wird der ehemalige Mittelstreckler 75 Jahre alt.

Manfred Diedrich war ein Begriff in der Leichtathletik-Szene. Zu Superstars wie Olympiasieger Carl Lewis oder Edwin Moses, dem mehrmaligen Olympiasieger über 400 Meter Hürden, hatte der Essener über Jahre einen persönlichen Kontakt. Er zeichnete verantwortlich für sechs internationale Messe-Leichtathletiksportfeste im Grugastadion, die internationalen Stadtläufe durch die City waren ein spektakulärer Höhepunkt. Denn alle Meetings waren stets hochkarätig besetzt.

Der Werdener brachte mit diesem Event die ersten Weltklasseläufer aus Kenia auf Essens Einkaufsstraße. Afrika gegen Europa. Weltmeister gegen Europameister. Olympiasieger gegen den Deutschen Meister. Die Kettwiger war damals neben einem bunten Unterhaltungsprogramm immer eine Anreise wert.

Es waren andere Zeiten, das weiß Dietrich natürlich genau. „Ein internationales Meeting heute zu organisieren, ist finanziell kaum möglich. Antrittsgelder, Anreisekosten, Übernachtungen für Trainer, Begleiter, Betreuer, dazu Siegprämien und, und, und... Deshalb gibt es weltweit nur noch eine Hand voll erstklassiger Leichtathletiksportfeste.“

Mit bereits zwölf Jahren schnürte Manfred Diedrich erstmals die Laufschuhe. Als Fan von Emil Zatopek fand er schnell Gefallen an dem Ausdauersport. 1954 trat Diedrich der MTG Horst bei, zwei Jahre später wurde der junge Mann überraschend westdeutscher Jugendmeister im Waldlauf.

In den folgenden Jahren entwickelten sich die Mittelstrecken über 800 Meter und 1500 Meter zur Lieblingsdisziplin. Aber auch seine „Ausflüge“ auf die 5000 Meter und sogar 10000 Meter waren bei der Konkurrenz gefürchtet, vor allem seine Qualität beim Endspurt. Mit 43 Jahren beendete Manfred Diedrich seine aktive Laufbahn. In diesem Alter lief er die 5000 Meter aber noch immer in guten 15:01 Minuten.

Als Funktionär war Diedrich ebenfalls aktiv. Von 1983 bis 1990 war er Vorsitzender im Leichtathletikkreis Essen, als er das Amt aufgab, wurde der Essener im gleichen Jahr für seine Verdienste mit der Stadtplakette ausgezeichnet.

Wer denkt, Manfred Diedrich hat sich zur Ruhe gesetzt, der irrt gewaltig. Der ehemalige Kaufmann für Bürotechnik, seit 51 Jahren verheiratet mit Ehefrau Ulrike, unterstützt den Leichtathletikkreis und joggt jede Woche locker durch den bergigen Kruppwald oder umrundet mal eben den Baldeneysee. „Der Sport hat mich jung gehalten. Und mich interessiert noch immer alles in der Leichtathletik - weltweit“. Seine Erfahrungen gibt Diedrich als Übungsleiter im Lauftreff Schillerwiese weiter. Herren im Alter ab 50 bis über 80 treffen sich dort seit 48 (!) Jahren jede Woche. Und wenn man dem Jubilar heute zuhört, dann klingt noch immer ein persönliches „Laufziel“ heraus: „Einmal noch in Essen ein Weltklassefeld über 10 000 Meter Das wäre mein Ding“.