Der ehemalige Box-Champ ließ auch öfter die Fäuste fliegen

Star Club Hamburg, 17.7.1969
Star Club Hamburg, 17.7.1969
Foto: Burandt
Was wir bereits wissen
Als er nach mehreren Körperverletzungs-Delikten wieder frei kam, war es nicht mehr Horst Faschers Kiez.

Aber Onkel Horst hatte nicht nur ein Händchen für Musiktalente, ab und zu ballte der ehemalige Hamburger Boxmeister auch mal die Fäuste, dabei sollen die Finger durchaus auch einen Schlagring umklammert haben. Es waren die wilden Kiez-Zeiten, die der alte Musik-Promoter mittlerweile in einem Interview im Rückblick mit Abstand betrachtet: „Wenn früher Ärger war, gab es halt mal was auf die Glocke oder ne dicke Lippe. Heute gibt es gleich ein Loch in den Bauch.” Auch Neffe Marc sieht das Ganze heute eher entspannt: „Zu der Zeit hat doch jeder Zweite auf dem Kiez mal kurzzeitig im Knast gesessen, aber später hat man sie alle wieder in der Kneipe beim Bier gesehen.” Gelebte Ganovenehre.

Ganz so entspannt sah es die Hamburger Justiz damals nicht, Horst Fascher wurde als „Gewohnheitsschläger” verurteilt und 1965 für drei Jahre in den Knast geschickt – ohne Bewährung. Das letzte Konzert der Beatles in Hamburg Ende Juni 1966 hörte Horst Fascher unter „erschwerten Bedingungen“: Seine Zelle lag genau gegenüber der Konzerthalle. Als er wieder frei kam, wurde der Kiez für ihn polizeilich zum Sperrgebiet erklärt.

Zwei Jahre in Vietnam

Fascher versuchte sein Glück in Viet­nam, wo er es für zwei Jahre aushielt und gemeinsam mit Freund Tony Sheridan als Konzertveranstalter für US-Soldaten auftrat. An den früheren Glanz konnte er allerdings nicht mehr anknüpfen. „Man kann eines Tages mit Fug und Recht sagen, er hat sein Leben gelebt”, schmunzelt der Neffe, der mittlerweile hofft, dass sein Onkel noch das 80. Lebensjahr vollendet, der mittlerweile doch stark abbaue. Dass dann in Hamburg eine große Party steigt, die auch Marc Fascher nur ungern verpassen würde, versteht sich. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird auch der berühmteste Sohn Liverpools es sich nicht nehmen lassen, persönlich bei seinem „best friend Horst” vorbeizuschauen, getreu dem Buchtitel der Fascher-Biographie, die da lautet: „Let the good times roll”!