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Den Zufall erzwingen

19.11.2010 | 21:58 Uhr
Den Zufall erzwingen
Weltmeister-Empfang Ruderriege ETUF v.l.: Trainer Trainer Oliver Kampmeier, Daniel Wisgott, Klaus Diekmann (Sportausschuss) und Uwe Seelbach (1. Vorsitzender Etuf).Michael Gohl / WAZ FotoPool

Essen. Als Student der Elektrotechnik muss sich Daniel Wisgott regelmäßig mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur auseinandersetzen. Zahlen, Fakten, Logik. Der Zufall ist keine Wissenschaft für sich, aber beim Sport kann er zuweilen entscheidend eingreifen. Wisgott weiß, wovon die Rede ist.

Der Etuf-Ruderer hat sie erlebt, die glückliche Fügung, die ihm den Weg hin zum Weltmeistertitel geebnet hat. Und dort auf diesem erfolgreichen Weg will er bleiben, beharrlich und entschlossen um seine Chance kämpfen, bei den Olympischen Spielen 2012 in London dabei zu sein.

Der Höhepunkt der Ruder-Saison ist mit der WM in Neuseeland gelaufen. Und zum Abschluss einer ohnehin erfolgreichen Saison durften sie in Essen noch einmal einen Triumph feiern. Denn Daniel Wisgott gewann auf dem idyllisch gelegenen Lake Karapiro die Goldmedaillen im Leichtgewichts-Achter (wir berichteten). Mächtig stolz sind sie beim Etuf auf den jungen Mann. Und so offiziell, wie der Klub ihn vor mehr als einen Monat zu den globalen Titelkämpfen verabschiedet hatte, so feierlich wurde er auch wieder am Baldeneysee empfangen. Ein Transparent am Treppengeländer klärt die Gäste auf, worum es geht: „Weltmeister Daniel Wisgott“ haben sie darauf gepinselt.

Familie, Freunde, Trainer, Funktionäre und Gäste aus den benachbarten Vereinen waren gekommen, um den Erfolg zu würdigen. Um dem Ruderer zu gratulieren und mit ihm anzustoßen. Wisgott – in feinem Zwirn – strahlte, so wie man halt strahlt als einer der Besten: „Weltmeister Wisgott“, verkündete auch die Schlagzeile nach seinem GoldCoup in unserer Zeitung. „Liest sich doch gut“, findet der Athlet und lacht so herzlich, dass man dessen Glück regelrecht fassen kann. „Und das würde ich gerne noch häufiger lesen.“

Dabei hatte es in dieser Saison gar nicht so gut angefangen für ihn, den U-23-Weltmeister vom Vorjahr. Die offene Klasse entpuppte sich als schwere See. „Da ist die Konkurrenz viel enger beisammen“, sagt Wisgott. Man müsse auch taktisch während es Rennens ständig auf die Gegner reagieren. Die Umstellung auf den Erwachsenenbereich, daran hat so manches Talent zu knacken.

Aber der ehemalige Helmholtz-Schüler wollte es wissen, obwohl er noch ein Jahr in der U23 hätte mitmischen können. Aber dann wäre es knapp geworden, Er hätte wohl keine Chancen gehabt, in London zu starten. Mit seinem Partner Robby Gerhardt (Düsseldorf), der 2009 mit ihm im Gold-Vierer saß, packte er es an. „Wir haben uns gesagt, wir bleiben dran, gucken uns nicht um und versuchen, irgendwie ins Nationalteam zu rutschen.“

Und es klappte tatsächlich, die Kämpfer bekamen den Fuß in die Tür, gewannen in diesem Jahr im Vierer ohne die Wedau-Regatta. Ein erster Schritt, mehr auch nicht. Beim folgenden Weltcup in München lief es schlecht, beim nächste in Luzern saß Wisgott mit Gerhardt im leichten Zweier – und wurde Achter. Die EM in Portugal erlebte der Essener zu Hause mit. Auf Abruf. Für die Zeit der WM hatte er schon Urlaub gebucht.

Plötzlich jedoch griff der Zufall ein. Der etablierte Vierer ohne, WM-Titelverteidiger, wurde verletzungsbedingt auseinander gerissen. Bastian Seibt aus dem „Ersatz-Zweier“ füllte die Lücke, Wisgott rückte wiederum nach in den Zweier. Der wurde Fünfter bei der WM, der Vierer landete nur auf Rang vier. Aber gemeinsam ruderten die enttäuschten Athleten im Leichtgewichts-Achter zum Gold.

Es bleibt schwer, den olympischen Traum zu realisieren. „Aber ich werde dafür alles hintenanstellen.“ Erst in zwei Jahren wolle er das Studium dann zügig abschließen.

Für die Ruder-Leichtgewichte gibt es eben nur den Riemen-Vierer ohne Steuermann, der bei Olympia starten darf. Und nur der zählt. Die Konkurrenz ist deshalb relativ groß. Zehn bis zwölf Leute, schätzt Wisgott, werden um die vier begehrten Rollsitze kämpfen. Da ist das etablierte Weltmeister-Quartett, das es noch einmal wissen möchte. Die Jungs sind inzwischen aber alle mindestens 30. Und die Zeit könnte durchaus für Wisgott arbeiten. Auch, weil die Olympischen Spiele 2016 noch eine Alternative wären. Nur, man muss halt konsequent im Ball bleiben.

Rolf Hantel



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