Das Lorenz’sche Projekt ist abgeschlossen

FC Kray -
FC Schalke 04 U23 1:0 (0:0)

Kray: Kunz – Meißner, Mengert, Wagner, Aubameyang, Zimmermann – Akman, Waldoch, Yesilova (69. Elouriachi), Yahkem (62. Kadiu) – Gödde (86. Grumann).
Tor: 1:0 Gödde (65.).
Schiedsrichter: Sven Heinrichs.
Zuschauer: 782.

Als Schiedsrichter Sven Heinrichs die Pfeife in den Mund nahm, um die Partie abzupfeifen, brandete einmal kurz Jubel auf. Ein Aufschrei – dann musste sich offensichtlich erst einmal setzen, was man gerade erreicht hatte. Nicht weniger als eine Sensation wahrscheinlich: Aufsteiger FC Kray hat den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga gepackt, bleibt auch 2015/16 viertklassig. Der verdiente 1:0-Sieg über die U23 des FC Schalke 04 brachte die Entscheidung, auch weil der KFC Uerdingen – erwartungsgemäß – der damit als Meister feststehenden U23 aus Mönchengladbach deutlich unterlag (0:4).

Vielleicht hatte man sich darauf auch ein bisschen verlassen, Abstiegskampf wollte jedenfalls nicht so richtig aufkommen am Uhlenkrug. Die erste Gelbe Karte gab es erst in der 64. Minute, auch Chancen oder packende Torraumszenen waren bis dahin Mangelware gewesen. Florian Pick hatte für Königsblau in der 25. Minute freistehend vergeben, Jörn Zimmermann von der Strafraumgrenze abgezogen, aber nur die Latte getroffen (41.). Das war es im ersten Durchgang auch schon. Nur keine Aufregung.

Just als sich S04 in Halbzeit zwei aufmachte, mehr Druck auszuüben, schlug Kray zu: Eine Kadiu-Flanke segelte in der 65. Minute in den Strafraum, wo sich Philipp Gödde eines in der Regionalliga doch eher ungewöhnlichen Freiraums erfreuen durfte – der Stürmer netzte den Klassenerhalt per Kopf ein. Ihm sei „herzlich egal“ wer das Tor gemacht habe (der Originalton wurde von der Redaktion in eine etwas familienfreundlichere Sprache übersetzt), so Gödde anschließend. „Die ganze Mannschaft hat das ganze Jahr über so hart gearbeitet, und jetzt steht fest: Wir, die alle wohl als klaren Abstiegskandidaten gesehen haben, spielen in der nächsten Saison Regionalliga, Wahnsinn!“

Der Wecker geht um sieben Uhr

Es ist ein total verdienter Klassenerhalt – mit (schon jetzt) 39 Punkten. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison reichten dem KFC Uerdingen ganze 27 Zähler, um sich für die Vierte Liga 2014/15 zu qualifizieren. Der FC Kray lieferte nicht nur gegen Schalke eine „Meisterleistung“ ab – eine Erkenntnis, die sich in den Minuten nach dem Schlusspfiff doch wieder in den Herzen und Beinen der Krayer und ihres Anhangs breitmachte. Gejubelt und getanzt wurde auf dem Rasen des Uhlenkrugs – Ende offen.

Für fast alle zumindest. „Wir werden sicher im Trainerteam anstoßen“, so Coach Michael Lorenz. Gefasst wie immer. Aber diesmal wirklich müde, das war ihm anzusehen. Ihm und seinem (Trainer-) Team ist Überragendes gelungen, unter schwierigsten Voraussetzungen. Das Lorenz’sche Projekt – es ist tatsächlich erfolgreich abgeschlossen. „Man fühlt eine Leere“, gab Michael Lorenz tiefer gehende Einblicke in sein Seelenleben. „Wir alle haben einen unglaublichen Aufwand betrieben. Ich bin Familienvater, stehe im Berufsleben. Jeder hat noch sein Leben neben dem Fußball.“ Ja, nur so funktioniert dieser Fußball in Kray, was den Erfolg umso schöner und wertvoller macht. Der Wecker im Hause Lorenz geht trotzdem um sieben Uhr morgens.

Das Ende der Krayer Nacht wird der Trainer also wohl nicht miterlebt haben, im Gegensatz zu Präsident Günther Oberholz. Ein Wunder sei der Klassenerhalt – der FCK-Boss war definitiv in Feierlaune: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass spontane Partys immer die besten sind, so ist es bestimmt diesmal auch wieder.“ Mit Sicherheit!