Bei Kilometer 865 war Schluss

Der Kampf gegen den inneren Schweinehund.
Der Kampf gegen den inneren Schweinehund.
Foto: Westerhaus
Was wir bereits wissen
Michael Westerhaus aus Überruhr wollte binnen 48 Stunden von Flensburg nach Garmisch fahren, doch sein Körper streikte in der Nähe von Nürnberg.

Es hat nicht sollen sein. Beim „Race across Germany“ wollte Michael Westerhaus aus Überruhr seinen großen Traum wahr werden lassen: Sich für das spektakuläre „Race across America“ qualifizieren. Dafür hätte der 34-Jährige innerhalb von 48 Stunden die rund 1100 Kilometer von Flensburg nach Garmisch mit dem Rennrad hinter sich lassen müssen. Doch nach 865 Kilometern war das Abenteuer für den Essener beendet. Sein Körper wehrte sich gegen die Dauer-Belastung.

„Am ersten Tag lief alles nach Plan. Die erste Nacht war dann so lala, weil ich mit der Kälte und der Strecke zu kämpfen hatte. Am nächsten Morgen kamen die Schmerzen“, berichtet Westerhaus. Immerhin hatte der Fitnesstrainer zu diesem Zeitpunkt schon mehr als die Hälfte hinter sich gebracht. Aber ohne große Pausen, ohne Schlaf konnte sich sein Körper nicht erholen. „Wir haben nach gut 830 Kilometern angehalten und beratschlagt, wie es weiter gehen soll“, sagt Westerhaus, der es daraufhin auf einem anderen, bequemeren Rad versuchte. Doch auch das war nicht viel besser. „Es kamen viele Anstiege und mein Knie hat brutal geschmerzt. Wenn du mit nur 8 Stundenkilometern den Berg hoch fährst, ist das sehr frustrierend.“

So musste Westerhaus auf Höhe von Nürnberg die weiße Flagge aus dem Rucksack holen. Für den Fitnesstrainer war der Traum von Amerika in diesem Moment geplatzt. „Es wird dauern, bis ich das verarbeitet und mit mir ausgemacht habe. Aber es ging einfach nicht mehr und ich hätte die vorgegebene Zeit nicht erreichen können.“ Sein Ziel, am „Race across America“ teilzunehmen, hat Westerhaus noch nicht aufgegeben. Dennoch ist er realistisch: „Das Rennen durch Deutschland war ein Dämpfer für mich. Und wenn es jetzt schon problematisch ist, stellt sich natürlich die Frage: Was macht man in Amerika? Aber der Traum lebt nach wie vor weiter.“

Körperlich hat sich Westerhaus wieder einigermaßen erholt. „Ich habe immer noch Muskelkater, aber mir geht es den Umständen entsprechend gut“, stellt der 34-Jährige zwei Tage danach fest. Jetzt schaut er sich schon nach neuen Projekten um. „Das ‘Race across Slovenia’ ist auch eine Alternative“, zeigt sich Westerhaus motiviert. Dem gebürtigen Herdecker ist es wichtig, dass er „nicht nur einfach so“ Rennen fährt, sondern auch etwas von der Welt und den Nebenschauplätzen der Strecken mitbekommt.

Michael Westerhaus blickt trotz allem einigermaßen zufrieden auf das Rennen zurück. Es war eine weitere Etappe auf dem Weg zu seinem großen Traum. Bis zum Ziel vom „Race across America“ ist es aber wohl noch ein weiter Weg. Naja, mindestens 4800 Kilometer, denn so lang ist die Strecke dort.