Bei der SGS ist noch Luft nach oben

Haben selbst noch mit Vorurteilen zu kämpfen: Die Frauenfußball-Teams, hier von der SGS Essen (links) und dem  VfL Wolfsburg.
Haben selbst noch mit Vorurteilen zu kämpfen: Die Frauenfußball-Teams, hier von der SGS Essen (links) und dem VfL Wolfsburg.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Durch die Frauen-WM in Kanada erlebt der Sport eine Sonderkonjunktur, doch die Wahrheit im Bundesliga-Alltag ist eine andere.

Es ist immer der gleiche Satz, mit dem Willi Wißing die Zuschauer der SGS Essen nach einem Heimspiel auf der anschließenden Pressekonferenz verabschiedet: „Ihr dürft beim nächsten Mal gerne jeder noch eine Person mitbringen.“ Allerdings will der Manager des Frauenfußball-Bundesligisten das nicht als Zeichen von Unzufriedenheit sehen. In puncto Zuschauerzahlen lag die SGS in der abgelaufenen Saison schließlich erneut auf Rang vier. Aber es geht noch mehr.

Höhere Einschaltquote als bei U21

Das stellt aktuell die WM in Kanada einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis: Mehr als 40 000 Zuschauer sitzen mitunter in den Stadien, fast acht Millionen haben sich allein in Deutschland den Viertelfinalsieg der DFB-Elf gegen Frankreich angeschaut. Auch fernab der Kunstrasenplätze ist die WM derzeit das Gesprächsthema. „Ich war am Wochenende auf dem 40. Geburtstag von meinem Neffen, und drei Viertel aller Gäste haben mich auf die WM angesprochen“, berichtet Wißing.

Die (liga-)fußballfreie Zeit kommt der Frauen-WM sicher entgegen. Aber selbst die U21-EM der Männer kann mit den Einschaltquoten nicht mithalten. „Das habe ich nicht erwartet“, gesteht Wißing. „Aber eine WM ist etwas Außergewöhnliches. Die hat einfach Eventcharakter.“ Und so ist es auch in Kanada selbst. Das Fachwissen ist da oft zweitrangig. So wurden zu Turnierbeginn auch Schüsse weit über das Tor von den Tribünen aus bejubelt. Punkte gibt es dafür aber nur beim Football.

Bereits 2011 bei der Heim-WM entbrannte rund um den Frauenfußball ein regelrechter Hype. Der aber nach dem Turnier erst einmal wieder verflachte. Und doch hat sich der Frauenfußball seither verändert, findet Wißing: „Ich muss mittlerweile unseren Sport niemandem mehr erklären. Technisch, taktisch und athletisch sind die Spielerinnen heute deutlich besser und die Spiele attraktiver und spannender.“

Um von einem gestiegenen öffentlichen Interesse in der Liga zu sprechen, muss man allerdings schon genauer hinschauen. Wie haben sich beispielsweise Zuschauerzahlen und der Absatz von Fanartikeln in Schönebeck verändert?

„Positiv“, sagt Wißing. „Es gibt eine kontinuierliche Entwicklung. Aber in kleinen Schritten.“ Immerhin: Die Fernsehpräsenz ist gestiegen. Eurosport überträgt jeden Spieltag eine Partie live.

Und doch macht auch heute der Anteil vom DFB und der Allianz als Namensgeber der Bundesliga in Essen noch 40 Prozent des Gesamtetats aus. So weit reicht der Einfluss einer WM denn doch nicht. „Vielleicht ist es nach dem Titel anders“, hofft der Manager.