Aschermittwoch in Kray

Am Ende nicht mehr in Karnevalsstimmung: Die Anhänger des FC Kray in der Lohrheide
Am Ende nicht mehr in Karnevalsstimmung: Die Anhänger des FC Kray in der Lohrheide
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Dem Aufsteiger ist die Karnevalsstimmung in Wattenscheid gründlich vergangen. Kritik von den Rängen an so mancher Personalie.

Karneval ist nun endgültig vorbei. Seinen persönlichen Aschermittwoch hatte Fußball-Regionalligist FC Kray bereits am vergangenen Samstag erlebt, mit 0:3 war der Aufsteiger Wattenscheid 09 unterlegen gewesen, im wichtigen Spiel im Kampf um den Klassenerhalt. Der zum Anpfiff verkleidete, bestens gelaunte Essener Anhang hatte schon zur zweiten Halbzeit einen kompletten Stimmungsumschwung vollzogen ob der fußballerischen Magerkost seiner Mannschaft, die offensichtlich schon ganz auf Fastenzeit eingestellt war. Auch Gegner Wattenscheid hatte trotz des 3:0 kaum leckere Schmankerl parat, was die Niederlage noch bitterer macht. „Wir haben im Spiel nach vorne deutlich zu wenig Leidenschaft und Durchschlagskraft gezeigt“, hatte Trainer Michael Lorenz eingestanden, aber auch betont, mit einem Spieler weniger „bereiter und williger“ gewesen zu sein.

Was gleich zwei Probleme offenlegt: Zum einen die Disziplinlosigkeit, diesmal in Person von Emir Alic, der in der 51. Minute wegen einer Tätlichkeit vom Platz geflogen war. Unterzahl – schon wieder. Schon zum vierten (!) Mal in Folge. So dürfte es noch schwieriger werden, den Abstieg in die Oberliga zu verhindern. Punkt zwei: das Offensivspiel. Es krankt nach wie vor. Kaum einmal konnte sich der FC Kray in Wattenscheid aussichtsreich vor dem gegnerischen Tor postieren, weil auch aus dem Mittelfeld zu wenig angeboten wurde. Den eigenen Anhang hatte das im Lohrheide-Stadion auf die Palme gebracht, ohnmächtig – weil ohne Einfluss – wurde die Wut schnell mit der Parole „Wir wollen euch kämpfen sehen!“ überschrieben. Nun ja – „kämpfen“ ist wohl nicht das Problem des Teams. Es ist nur einfach (noch) kaum produktiv.

Das hatten einige Zuschauer auch mit der Nichtberücksichtigung von Ömer Akman in Verbindung gebracht, immerhin Leistungsträger der Hinrunde. Die Aufstellung von Neuzugang Benjamin Wingerter (RWE) war die einzige Änderung gegenüber dem Hinrunden-Kader. „Das war keine Entscheidung gegen Ömer“, betonte der Coach nach der Partie. „Wir haben uns für eine Strategie mit Benjamin entschieden.“ Im Spielverlauf habe es dann keine Gelegenheit mehr gegeben, Akman zu bringen.

Dass Lorenz im ersten Spiel einer eingespielten Mannschaft vertraut, ist nur legitim. Es gilt selbst kleinere Fragezeichen personeller Natur zu umschiffen. Zur zweiten Halbzeit hatte Michael Lorenz dann mit Kevin Kehrmann und Stürmer-Neuzugang Samuel-Marian Limbasan frische, schnelle Kräfte gebracht (die Einwechslung von Willy Aubameyang war der Verletzung von Innenverteidiger Vincent Wagner geschuldet). Man darf gespannt sein, ob beispielsweise der lange verletzte Kevin Kehrmann, der das abhanden gekommene Umschaltspiel wiederbeleben könnte, an diesem Sonntag gegen Hennef (15 Uhr, KrayArena) von Beginn an eine Chance erhält. Tatsache ist: Gegen das Tabellenschlusslicht zählen für Kray nur drei Punkte.