Am Ende setzt Tusem Glückshormone frei

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Risiko und Nebenwirkung bei Heimspielen des Handball-Zweitligisten Tusem waren oft so, dass die Fans bis zum Schlusspfiff um den Erfolg zittern mussten. Beim 24:19 (13:11) über den TV Neuhausen (wir berichteten) mussten die Tusem-Anhänger ebenfalls bangen, wenn auch nicht über 60 Minuten. So manch einem hätte dennoch ein Schluck Baldrian gut getan. Doch diesmal wich das Adrenalin den Glückshormonen eher als sonst.

Gut fünf Minuten waren noch zu spielen, da schwappte die La Ola durch den mit 1954 Zuschauern gut besetzten Sportpark am Hallo. Keinen Fan hielt es mehr auf dem Sitz. Dennis Szczesny, der für den glücklos agierenden Hannes Lindt nun im Rückraum spielte, hatte gerade mit einem wuchtigen Wurf das 22:17 für die Essener erzielt.

Neuhausens Trainer Aleksandar Stevic nahm sofort eine Auszeit, um für die Schlussphase eine offene Deckung anzuordnen. Es half nichts. Als der Tusem wieder in Ballbesitz war, scharte auch Mark Dragunski seine Spieler zur Lagebesprechung um sich.

Dabei hätte es gar nicht so lange gebraucht, um sich des achten Heimsieges einigermaßen sicher sein zu dürfen. Nach einem anfänglichen Rückstand fanden die Essener immer besser ins Spiel. Ein starker Carlos Donderis Vegas im Tusem-Tor und eine von Minute zu Minute sicherere Abwehr machten es dem TVN-Rückraum immer schwieriger, zum Erfolg zu kommen. Und im Angriff bewiesen die Essener bis auf wenige Ausnahmen die von Mark Dragunski geforderte Geduld. Zudem funktionierte das Gegenstoßspiel mit Simon Keller und Lasse Seidel. Die logische Folge war eine erste Drei-Tore-Führung (10:7).

Die hielt aber nicht. Zum einen standen Tusem-Torerfolgen mehrfach Pfosten oder Latte im Weg, zum anderen wirkten die Gäste in dieser Phase einen Tick abgeklärter.

„Wie kann man so ein Spiel noch abgeben“, stöhnte ein Fan, als Neuhausen nach dem Wechsel mit 15:14 (39.) in Führung ging, und holte sich umgehend ein Bierchen, um gegen den aufkommenden Frust anzukämpfen. Er hätte auf seinem Platz bleiben sollen, denn er verpasste, wie Sebastian Bliß einen Siebenmeter von Philipp Keinath parierte und damit ein Zeichen setzte. Zwei weitere Male blieb Bliß danach noch bei Strafwürfen von Ferdinand Michalik und Felix Klingler Sieger. Der Tusem zog zwischenzeitlich von 17:17 (46.) auf 23:17 (57.) davon.

„Ich bin beim Rückstand nicht wirklich nervös geworden, denn unsere Spielanlage bis dahin war gut. Es war wirklich ein gutes Spiel und wir waren gut vorbereitet. Und die Torhüter haben einen wirklich guten Job gemacht“, lobte Mark Dragunski.

In den letzten Minuten ließen sich die Tusem-Spieler von der Woge der Begeisterung bis zum Abpfiff tragen. Der Rest war Freude pur.