Als Mannschaft überzeugt

Allen Grund zum Jubeln:  Lasse Seidel (TUSEM).
Allen Grund zum Jubeln: Lasse Seidel (TUSEM).
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Tusem Essen überrascht nach Bittenfeld-Debakel mit einem starken Heimauftrittgegen den Tabellendritten Nordhorn und belohnt sich im Abstiegskampf mit einem 25:24-Erfolg.

Tusem Essen musste bis zur allerletzten Sekunde zittern. Einige Fans wollten gar nicht mehr hinsehen, weil ihnen Böses schwante. Der Tusem führte Sekunden vor dem Ende, doch Nordhorn hatte den Ball und die Chance zum Ausgleich. Wieder eine Unterbrechung. Das Schiedsrichtergespann war sich aber wohl nicht ganz einig bei der Bewertung einer Abwehraktion von Michael Hegemann gegen den Nordhorner Patrick Miedema. Es gab keinen Siebenmeter, sondern nur Freiwurf für die HSG. Diesmal hatte der Tusem auch das Glück, das ihm in mancher Partie der Hinrunde nicht hold gewesen war.

Die Mannschaft von Trainer Mark Dragunski hatte beim 25:24 (14:11)-Sieg gegen den Tabellendritten eine überzeugende Leistung abgeliefert und ist daheim zum siebten Mal in Folge ungeschlagen geblieben. Nicht alle hatten den abstiegsbedrohten Hausherren diese Steigerung zugetraut, nachdem man eine Woche zuvor in Bittenfeld (17:37) deklassiert worden war. HSG-Trainer Heiner Bültmann allerdings hatte vor dem Anpfiff gewarnt: „Essen ist eine gute Mannschaft, die noch kommen wird. Ich hoffe nicht, dass sie am Freitag damit beginnt.“

Es blieb beim frommen Wunsch. Der Tusem zeigte eine starke Mannschaftsleistung, war hellwach und nach der Bittenfelder Klatsche auch entschlossen und hoch motiviert, die Dinge gerade zu rücken. Dass die Abwehrarbeit funktioniert, ist nicht neu. Doch diesmal überzeugte auch die Offensive. Der Tusem ließ sich nicht vom Weg abbringen. Auch nicht, als es kritisch wurde.

Zehn Minuten hatte Essen nicht mehr getroffen. Michael Hegemann, der Dreh- und Angelpunkt, war nach einem Pferdekuss in die Kabine geeilt und stand drei Minuten später wieder auf der Platte. Dennis Szczesny trottete mit einer Platzwunde unterm Auge in die Katakomben. Der Cut wurde mit vier Stichen genäht und weiter ging’s. Kaum wieder am Ball, machte Szczesny das 23:19 (53.).

Dann sah Kapitän Paul Trodler nach der dritten Zeitstrafe Rot. Der junge Carsten Ridder, vor vier Jahren vom Landesligisten Winfried Huttrop gekommen, rückte ins Abwehrzentrum und erzielte zudem das 25:22 (57.). Starke Leistung des Youngsters, der am 1. Januar seinen 20. Geburtstag feiert. „Er hat schon im täglichen Training gezeigt, dass er auf einem super Weg ist“, lobte Mark Dragunski.

Überhaupt durfte sich der Essener Coach darüber freuen, dass alle Kräfte im Kader mithalfen. David Hansen (drei Tore) hatte gute Szenen in Hälfte eins, danach blieb er auch aus taktischen Gründen auf der Bank. Es gab Alternativen.

„Das war ein versöhnlicher Abschluss“, fand Dragunski. Er hatte im letzten Heimauftritt des Jahres ein gutes Spiel gefordert, sein Team lieferte. Nicht zufrieden war HSG-Trainer Heiner Bültmann. Nur sechs Feldtore erzielte Nordhorn im ersten Durchgang, dazu fünf Siebenmeter. Doch Bültmann, der mit Moral und Kampfgeist seines Teams einverstanden sein konnte, sah nicht nur Offensivschwächen: „Wir waren in allen Mannschaftsteilen zu fehlerhaft.“ Und oft ist ja auch der Gegner dafür verantwortlich.