90.000 Euro fehlen - Moskitos Essen kämpfen um Existenz

Eugen Alanov (ESC).
Eugen Alanov (ESC).
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Moskitos stehen vor dem Aus, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. 90 000 Euro fehlen - erneut ein riesiges Loch, das binnen Tagen zu füllen ist.

Essen.. „Es ist alles eine Frage der Perspektive“, das hatte diese Zeitung vor wenigen Tagen erst geschrieben. Die Stimmung war da schon im Keller gewesen: Jan Barta, Kapitän des Eishockey-Oberligisten ESC Moskitos, hatte die mangelnde Zuschauerresonanz beklagt, trotz der erfolgreichsten Saison seit Jahren.

Dass die Gründe für die schlechte Laune bei Team und Trainer noch tiefer liegen könnten, hatte man erahnen können. Raus mit der Sprache rückte aber erst der Insolvenzverwalter am vergangenen Freitag (wir berichteten). 90.000 Euro fehlen den Moskitos! Erneut ein riesiges Loch, das binnen Tagen zu füllen ist. Sonst ist das nun schon 20 Jahre andauernde Kapitel „ESC“ zu Ende.

Dreimal in die Insolvenz

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich die Moskitos trotz aller Widrigkeiten nicht aufgeben, Barta und Co. feierten am Freitag einen 7:4-Sieg bei Tornado Niesky. Das muss man erst einmal hinkriegen: Ein Minikader, von Geldsorgen geplagt, macht sich auf in die weit entfernte Oberlausitz – und gewinnt trotzdem. Obwohl doch alle zweifeln dürften, ob es den Klub in ein paar Tagen noch gibt. „Was die Mannschaft geleistet hat, verlangt meine absolute Hochachtung“, so Manager Michael Rumrich, der seinen Trainer Frank Gentges in Sachsen vertreten hatte. „Dieses Team steht zu einhundert Prozent hinter dem Verein.“

Nur hat dieser Verein noch eine Zukunft? Dreimal musste der ESC Moskitos in seiner kurzen Geschichte Insolvenz anmelden: 2002, 2008 und 2011. Nun geht schon wieder nichts mehr. 90.000 Euro wollen aufgebracht werden, weitere Investitionen in die sportliche Zukunft müssen getätigt werden. Christoph Niering hat gut daran getan, seinen Aufruf vor allem mit der Jugendabteilung zu verknüpfen. Natürlich: 180 Youngster kommen im Zweifel auch woanders unter. Und dennoch bieten die Moskitos eine Heimat, die man in jungen Jahren vielleicht auch noch nicht so gerne verlässt. Und erfolgreich gearbeitet wird beim ESC ganz nebenbei bemerkt auch noch.

Doch da ist eben die Schattenseite: Immer und immer wieder kein Geld. Sponsoren, die sich verabschiedet haben. Viele, die zahlen wollten, aber nicht gezahlt haben. Enttäuschte Versprechungen – eine enttäuschende Resonanz. Manager Michael Rumrich und Co. hatten auch immer wieder die Fans mit in die Pflicht genommen, um die Pläne, irgendwann einmal wieder um den Aufstieg in die DEL 2 mitzuspielen, in die Tat umsetzen zu können. Doch die Fans zierten und zieren sich. 500, vielleicht 600 Zuschauer kamen im Schnitt. Mal mehr, mal aber auch weniger. Eishockey

Der Klub kämpft um sein Fortbestehen: Der ESC hatte vor dem Derby gegen die Füchse aus Duisburg am Sonntagabend (Das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor) versucht, die Fans zu mobilisieren. Hatte angekündigt, in diesen Tagen ein Treuhandkonto für Spenden einzurichten. Man erfahre breite Unterstützung, heißt es.

Keine Insolvenz mehr

Es gibt keine Insolvenz mehr, daran hatte Christoph Niering gegenüber dieser Zeitung keinen Zweifel gelassen. Übrig bleibt eben alleine die Frage nach der Perspektive für den Eishockey-Standort Essen mit seiner Jugend: Gibt es sie, oder gibt es sie nicht? Diese Frage muss allein ein möglicher Geldgeber für sich beantworten. Sei es die Stadt oder ein privater Sponsor.