„Wenn der Ball rollt, dann werde ich unruhig“

Lothar Huber bei seiner Verabschiedung im Baumhof mit Fußball-Abteilungsleiter Ulrich Meister (links) und Co-Trainer Andrius Balaika.
Lothar Huber bei seiner Verabschiedung im Baumhof mit Fußball-Abteilungsleiter Ulrich Meister (links) und Co-Trainer Andrius Balaika.
Foto: Fischer / WAZ FotoPool

Sprockhövel..  Neun Jahre war Lothar Huber Trainer der TSG Sprockhövel. Im Sommer verabschiedete er sich aus dem Baumhof, er zog einen Schlussstrich unter seine Trainer-Karriere. Doch der Fußball hat das Leben des ehemaligen Profis geprägt. Wir wollten wissen, wie der 62-Jährige ohne seine große Leidenschaft auskommt.

Herr Huber, wie sehen Ihre Sonntage jetzt aus, spielt Fußball überhaupt keine Rolle mehr?

Ich halte mich zurück. Ich war seit meinem Abschied erst einmal wieder auf dem Fußballplatz. Da habe ich mir ein Spiel von Wanne-Eickel angeschaut. Das war für mich interessant, weil es da vier Spieler gibt, die bei mir noch früher in Sprockhövel spielten.

Was machen Sie denn jetzt sonntags?

Ich genieße meine Freizeit, jetzt habe ich auch Zeit für meinen Enkel, und ich spiele oft Tennis. Ganz ohne Sport kann ich nicht leben.

Vor einem halben Jahr sagten Sie noch, dass sie nicht völlig ausschließen können, dass es irgendwann doch wieder einmal juckt, dass sie womöglich doch wieder eine Mannschaft übernehmen werden.

Ja, doch ich halte bewusst zurück. Wenn ich sonntags immer zum Fußball gehen würde, dann wäre die Gefahr schon sehr groß, dass ich rückfällig werde. Ich kenne mich ja. Deshalb meide ich solche Situationen dann auch ganz bewusst.

Sie waren als Profi in Dortmund eine Kultfigur. Schauen Sie sich auch keine Spiele des BVB an?

Die Bundesliga verfolge ich intensiv. Und ich bin auch oft im Stadion.

Sie leiden zurzeit also auch?

Ja. Borussia Dortmund ist mein Verein, und das wird immer so bleiben.

Und die TSG, bei der Sie neun Jahre lang Trainer waren?

Die habe ich auch im Herzen. Sprockhövel war eine meiner schönsten Trainer-Stationen. Ich weiß auch genau, was da abläuft. Ich lese alles. Und die zeitlichen Abläufe habe ich immer noch verinnerlicht. Wenn ich sonntags bei mir zu Hause um elf auf die Uhr schaue, dann werde ich schon unruhig. Dann denke ich, jetzt würdest du dir das Spiel der A-Jugend anschauen. Und danach fängt es bei mir dann langsam richtig an zu kribbeln. Um 15 Uhr mache ich dann den Video-Text an. Ich bekomme also immer noch jedes Tor mit.

Das hört sich jetzt aber doch nicht so an, als hätten Sie schon den ganz großen Abstand gefunden. Werden Sie sich denn in Zukunft auch einmal ein Spiel im Sprockhöveler Baumhof anschauen?

Nein, erst einmal nicht. Das bringt ja auch keinen weiter. Und dem aktuellen Trainer Robert Wasilewski würde es schon gar nicht helfen, wenn da auf einmal der alte Trainer auf der Tribüne steht und womöglich um seine Meinung gefragt wird. Also, ich lasse mich in Sprockhövel vorerst nicht sehen. Wenn die Mannschaft aber gesichert ist, wenn wirklich nichts mehr passieren kann, dann schaue ich mir auch mal ein Spiel an. Aber wirklich erst dann.

Bis alles ganz sicher ist, kann es ja noch ein bisschen dauern. Schafft die TSG Sprockhövel denn den Klassenerhalt?

Ich denke schon, dass es am Ende für die Oberliga reichen wird. Aber man muss auch sehen, dass Spieler wie Sebastian Greitemann oder Steven Lorenzen nicht mehr für Sprockhövel spielen. Die kann man im Mittelfeld eigentlich gar nicht ersetzen. Und natürlich fehlt jetzt auch ein Torjäger wie Xhino Kadiu, der in der letzten Saison noch 25 Tore geschossen hat. Aber die Mannschaft ist immer noch gut, es gibt viele gute junge Spieler. Und ich hoffe, dass die TSG Sprockhövel dann eine bessere Rückrunde spielt. Das war ja auch zu meiner Zeit fast immer so. Da war die Rückrunde meist besser als die Hinrunde.

Gibt es denn noch von Ihnen persönliche Kontakte nach Sprockhövel?

Im Augenblick ist es ein bisschen weniger geworden. Aber manchmal telefoniere ich noch. Zum Beispiel mit Torwart-Trainer Eckhard Hülser. Aber der Verein liegt mir natürlich immer noch sehr am Herzen. Und für die TSG Sprockhövel könnte ich irgendwann in ferner Zukunft auch einmal rückfällig werden (lacht). Wenn ich mal 65 oder 68 Jahre alt bin, und der Fußball-Abteilungsleiter Uli Meister anruft und sagt „Lothar, du musst kommen, du musst helfen“, dann komme ich.